Blick hinter sonst geschlossene  Türen des Essener Doms

Im Rahmen von „WAZ öffnet Pforten“ besuchten Leser den Dom und den Domschatz.Foto:Knut Vahlensieck
Im Rahmen von „WAZ öffnet Pforten“ besuchten Leser den Dom und den Domschatz.Foto:Knut Vahlensieck
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Was wir bereits wissen
Birgitta Falk, Leiterin der Domschatzkammer, bietet den WAZ-Lesern bei einer Führung Besonderes, etwa die Kaiserloge im Westbau und die Orgel-Empore.

Essen.. Die Goldene Madonna wird links liegen gelassen. Die Blicke der Besuchergruppe streifen nur kurz die älteste Marienfigur der Welt, die so wertvoll ist, dass sie im Dom hinter Gittern wohnt. „Die Madonna lassen wir aus. Die können Sie ja immer sehen“, erklärt Birgitta Falk. Und führt die Gruppe weiter.

Die Historikerin Birgitta Falk ist Leiterin der Domschatzkammer. Beim Besuch unserer Leser im Rahmen der „WAZ öffnet Pforten“-Aktion führte sie die Gruppe an. „Das mache ich nicht mehr so oft. Aber wenn ich es mache, mache ich es sehr gerne“, erklärt sie. Falk kennt den Dom und die Domschatzkammer so gut wie ihr Wohnzimmer. Interessant für die WAZ-Gäste: Falk öffnet Türen, hinter die man sonst nicht blicken darf. „Wir wollen für die Aktion ja was bieten“, erklärt sie.

„Wir gehen hier über Leichen“

Wie den Westbau des Doms, der um das Jahr 1000 gebaut wurde, und Brände und Kriege überdauert hat. Tür auf, WAZ-Gruppe rein, Tür wieder zu. Treppe hoch. Und von der Empore bietet sich ein beeindruckender Blick in die Hallenkirche. „Hier war die Kaiserloge. Die Damen des Frauenstifts saßen hier.“ Ein Platz mit Aussicht für mittelalterliche Prominenz.

Zurück runter, ins Kirchenschiff, Richtung Altar, aber vorher abbiegen. Hier öffnet Birgitta Falk die nächste Tür, die sonst verschlossen ist: Auf zur Orgel-Empore. Dort oben, wo der Organist sitzt und nur Chorsänger Zutritt haben. Von der Wand grüßt ein mächtiges steinernes Epitaph als Grabdenkmal für eine Äbtissin aus dem 17. Jahrhundert. „Ich muss immer aufpassen, dass die Chormitglieder nicht ihre Jacken da aufhängen“, sagt Birgitta Falk und schmunzelt. Weltliche Probleme auf heiligem Grund. 150 Gräber wurden im Dom gezählt. „Wir gehen hier über Leichen.“

Zwischen den Türen hat Birgitta Falk viel Geschichte und viele Geschichten parat. Am Kreuzweg vor dem Dom, „dem schönsten Platz in der Essener Innenstadt“, erläutert sie die Historie des Stifts und der Frauengemeinschaft und erklärt die Macht und den Einfluss der Essener Damen. „Es war für junge Frauen aus Fürsten- und Kaiserhäusern ein Privileg, in Essen aufgenommen zu werden. Die Stiftsdamen kannten sich mit den Adelsgeschlechtern aus. Auch ohne die Bunte.“

Goldene Figuren und historische Waffen in der Schatzkammer

Nicht nur Martha und Alfred Rose, beide 77, hören beim Gang durch das wohltemperierte Gemäuer gebannt zu. Die Großeltern aus dem Ostviertel haben Enkel Gerrit dabei, der in den Ferien zu Besuch ist. „Wir waren schon im Dom. Aber die Geschichten und die Blicke hinter die Kulissen sind schon was Besonderes“, sagt Protestant Alfred Rose. Auch Enkel Gerrit ist fasziniert. Weniger vom Dom und den Geschichten, sondern mehr von der Domschatzkammer, in der die Führung nach 90 Minuten endet. Goldene Figuren, historische Waffen: „Sieht schon cool aus“, sagt der 13-Jährige und seine Augen glänzen.

In der Schatzkammer steht die Gruppe vor der letzten Tür des Tages. „Die kann nicht mal ich öffnen“, sagt Birgitta Falk über die eingemauerte Panzertür am Ende der Kammer, die den Schatz lange Zeit schützte. Die Historikerin hat in ihrem beruflichen Wohnzimmer aber noch ein letztes Türchen für die Leser parat. Eine kleine rohrförmige Öffnung ermöglicht durch die dicken Wände der Schatzkammer einen finalen Blick in den dosiert beleuchteten Dom nebenan.