Bleischwerer Trauerrand für Mozarts „Requiem“

An mehr oder weniger originellen Ideen, Mozarts nur bruchstückhaft hinterlassenes „Requiem“ zu vollenden oder zu ergänzen, besteht kein Mangel. Musikdramaturg Markus Fein beschritt mit dem Dirigenten Peter Dijkstra einen besonders eigenwilligen Weg und deutete es zu einem „Requiem für Mozart“ um, indem er die skelettierten Originalteile unverändert in Trauermusiken anderer Komponisten von Purcell bis Ligeti einbettete.

Das Ergebnis verfehlte in der gut besuchten Philharmonie nicht seine Wirkung auf das sichtlich ergriffene Publikum. Was die musikalischen Qualitäten der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, des exzellenten Solistenquartetts und des Bayerischen Rundfunk-Chors angeht, der Mozarts Musik so edel und lupenrein intonierte wie die irrealen Klänge Ligetis, ist der begeisterte Beifall auch mehr als berechtigt. Das Projekt selbst hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Zu dumpfen Paukenschlägen aus Purcells Trauermusik für Queen Mary ziehen Chor und Orchester auf die Bühne, bevor der Introitus und das Kyrie Mozarts anheben. Mozarts Musik erhält in diesem Kontext einen bleischweren, theatralisch aufgeblähten Trauerrand, der den Blick auf Mozarts von Hoffnung durchdrungene Einstellung zum Tod verstellt. Die Bruchstücke des Originals müssen als Stichwortgeber für überwiegend schöne, aber viel zu dunkle Trauermusiken herhalten, bevor Dijkstra zum Abschluss doch noch auf die bekannte Süßmayr-Fassung des „Lacrimosa“ zurückgreift. Konsequent ist das nicht.