Bitte warten – aber wie lange?

Die Kfz-Zulassungsstelle an der Steeler Straße versucht, lange Warteschlangen zu verhindern. Sie will in den nächsten Monaten das Anmeldeverfahren für Terminvergaben verbessern und verfeinern.
Die Kfz-Zulassungsstelle an der Steeler Straße versucht, lange Warteschlangen zu verhindern. Sie will in den nächsten Monaten das Anmeldeverfahren für Terminvergaben verbessern und verfeinern.
Foto: Udo Geisler
Was wir bereits wissen
Wer sein neues Auto in Essen an-, um- oder abmelden will, braucht mitunter viel Geduld. Die Kfz-Zulassungsstelle arbeitet an einem neuen System, das Wartezeiten verkürzen soll.

Essen.. Für viele Autofahrer, die ihren Pkw an-, um- oder abmelden wollten, war es ein Alptraum. Die Kfz-Zulassungsstelle an der Steeler Straße konnte den Ansturm nicht mehr bewältigen. Es fehlte Personal, die Öffnungszeiten wurden reduziert, die Außenstelle Borbeck geschlossen. Oft mussten Kunden mehrere Stunden warten. Das war im vergangenen Sommer.

Jetzt – in der eh ruhigen Winterzeit – läuft der Betrieb wieder einigermaßen normal, auch konnten die Einschränkungen bereits im Herbst wieder aufgehoben werden. Doch die Erfahrungen des letzten Jahres zeigen auch, dass man sich für die Zukunft noch besser wappnen muss, damit es nicht wieder so einen Andrang gibt. Derzeit wird gerade an einem neuen Konzept getüftelt.

Anmeldeverfahren funktioniert nicht wie gewünscht

Die Lösung wäre, dass sich möglichst viele Besucher vorher anmelden und sich einen persönlichen Termin geben lassen. Das ist bereits seit 2013 über Telefon und Internet möglich – und momentan werden Terminkunden in der Zulassungsstelle sogar weitgehend pünktlich aufgerufen. Aber das kann sich auch aufgrund der saisonalen Schwankungen wieder ändern. Vor allem funktioniert das Anmeldeverfahren nicht so wie gewünscht.

Deshalb wird noch in diesem Halbjahr ein neues „Termin-Management-System“ eingeführt. „Wir wollen so die uns verfügbaren Mitarbeiter besser verteilen“, kündigt Karl-Heinz Vollmer, Chef der Zulassungsstelle, an. Und will damit die Wartezeiten weiter verkürzen.

So soll künftig bei der Terminvergabe detailliert abgeklärt werden, was genau der Kunde will und welche Ansprechpartner er tatsächlich benötigt. Gleichzeitig würde die Zulassungsstelle frühzeitig erfahren, welche Schalter besonders gefragt werden, um sich darauf einzustellen und vorzubereiten.

Ab sofort: Online abmelden möglich

Doch trotz aller Vorsorge, einen Blick in die Kristallkugel möchte Vollmer nicht wagen: „Es ist schwer einzuschätzen, in welcher Größe in diesem Jahr die Anzahl der Kundenkontakte ausfallen wird und wie sich dies dann auf den laufenden Dienstbetrieb auswirkt.“

Fest steht nur: Der vergangene Sommer war auch deshalb eine Ausnahme, weil auffallend viele Berufskraftfahrer die Zulassungsstelle aufgesucht hatten. Der Grund: Aufgrund einer EU-Regelung musste jeder, der vor dem 10.9.2009 den Führerschein erworben hatte, bis zum Stichtag 9. September 2014 eine Weiterbildung absolvieren und nachweisen. „Wir hatten deshalb im Vergleich zum Jahr davor bis zu vierfach mehr Kundenkontakte zu verzeichnen“, so Vollmer. „Und die höchste Konzentration war im Sommer.“

Kennzeichen – alt oder neu

Ob demnächst das Internet die Kfz-Zulassungsstelle weiter entlasten wird, ist trotz neuer Angebote eher zu bezweifeln. Zwar können in Essen Autofahrer seit wenigen Tagen ihr Fahrzeug am Computer zu Hause online abmelden, ohne die Kfz-Zulassungsstelle aufsuchen. Doch das werden erstmal die wenigsten tun, und zwar aus ganz simplen Gründen:

Die Online-Abmeldung (Stichwort: i-Kfz) ist nur bei Fahrzeugen möglich, die erst seit dem 1. Januar dieses Jahres angemeldet sind. Diese Zahl ist mehr als überschaubar. Denn nur für die seit Jahresbeginn angemeldeten Autos gibt es die erforderlichen neuen Sicherheitscodes für den Zulassungsschein und die Stadtplakette auf dem Kennzeichen. Die müssen nämlich für die Abmeldung frei gerubbelt und bei der Online-Abmeldung angegeben werden. Und: Mit dem Rubbeln werden Fahrzeugschein und Plakette für jeden sichtbar ungültig gemacht.

Die Abmeldung per Computer kann nur mit dem neuen scheckkartengroßen Personalausweis gemacht werden, dessen Online-Ausweisfunktion aktiviert ist. Für die Datenübertragung ist zu Hause zudem ein spezielles Lesegerät nötig.

Bundesweit gültige Kennzeichenregelung ist unkompliziert

Unkompliziert ist dagegen die neue bundesweit gültige Kennzeichenregelung. Wer beispielsweise von München nach Essen umzieht, kann das alte Kennzeichen-Schild behalten – und mit dem „M“ durch Essen kutschieren. Bisher war dies nur bei Umzügen innerhalb von NRW möglich – in Essen nutzten dies im Vorjahr 1884 Kfz-Halter.

Für die Zulassungsstelle selbst bringt das aber keinerlei Entlastung. „Die Vorsprachen zur Ummeldung bei uns bleiben weiterhin erforderlich“, so Vollmer.

Egal, ob der Autobesitzer sein altes Kennzeichen behalten will – oder nicht.