Bistum nähert sich den Menschen

Das Zukunftsforum des Bistums präsentierte Ergebisse.
Das Zukunftsforum des Bistums präsentierte Ergebisse.
Foto: Achim Pohl
Was wir bereits wissen
Die katholische Kirche versteht ihre Probleme als Herausforderung: Mehr Ehrenamt, mehr Flexibilität in den Gottesdiensten und mehr Beratung

Essen.. Weniger Geld, weniger Personal, weniger Gläubige: Die Kirchen müssen mehr und mehr Mangel verwalten. Das Bistum Essen will sich diesem Schicksal nicht ergeben. „Wir wollen die Herausforderungen nicht ignorieren, sondern gestalten“, sagt Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck. Die Bedürfnisse der Katholiken sollen in der Glaubensarbeit stärker berücksichtigt werden.

Das Bistum hatte sich 2013 ein Zukunftsbild gegeben. Beim Zukunftsforum jetzt mit 500 Delegierten wurde überprüft, inwieweit Ideen aus dem Zukunftsbild in Gemeinden umgesetzt wurden. Erstes zentrales Thema: Personal. Über 2000 der etwa 200 000 Essener Katholiken sind 2014 aus der Kirche ausgetreten. Neben weniger Kirchensteuer gibt es auch weniger Priesteranwärter. „Wir müssen weg von der Versorgungsmentalität, hin zur Selbstverantwortung. Das klappt“, sagt Markus Etscheid-Stams, Referent des Generalvikars. Bei Taufen und Firmungen kommen heute immer mehr Ehrenamtliche zum Einsatz.

Jeder zehnte Essener Katholik besucht die Messe

Zweites zentrales Thema: Gottesdienste. Nur jeder zehnte Essener Katholik besucht die Messe. „Die Gläubigen kommen nicht mehr automatisch, wenn die Kirchentüren öffnen. Deshalb wollen wir die Zugänge vereinfachen“, erklärt Etscheid-Stams. In Dellwig gibt es einen Ü30-Gottesdienst am Sonntagabend. Familiengottesdienste mit Erzählpodesten statt mit Kirchenbänken sind geplant. Die Kirchenmusik wird fetziger: Statt Hochkultur mit Orgel und Chor soll es mehr Rock und Pop oder mal das Steigerlied geben. Selbst Helene Fischer ist nicht ausgeschlossen.

Drittes Thema ist die kreativere Nutzung der Kirchen-Immobilien. Büchereien und Gemeindebüros sollen zusammengelegt werden, Flüchtlingsberatungen sind denkbar. In Summe sozial-pastorale Zentren, in denen kirchliche Kompetenzen angeboten sollen. Zum Kompetenzen-Kanon gehören auch Hochzeiten und Beerdigungen, bei denen die Kirche meist erster Ansprechpartner ist. „Da erreichen wir Menschen und können als Berater, Begleiter und Dienstleister mit unserem Wissen helfen“, sagt Markus Etscheid-Stams.