Bis zum Abi die Grenzen getestet

Das Verhältnis zwischen dem Gymnasium Borbeck und mir hatte was von einer Hassliebe. Ich war ein rebellischer Typ, der gerne Grenzen austestete, was einige Male meine Schullaufbahn gefährdete. Zum Abitur hin hatte der Zeitgeist die Schule aber stark verändert: Die Lehrer, die aus der 68er-Bewegung kamen, gaben immer öfter den Ton an. Gut für mich, denn sie mochten solche Typen. Die Konservativen respektierten immerhin Leistung, und die stimmte zumindest in Fächern wie Geschichte, Deutsch, Politik, die mich brennend interessierten. Man konnte sich an den alten Recken wunderbar politisch reiben, sie waren im Nachhinein gesehen für mich die wichtigeren Lehrer. So gerüstet, ging es ins Abitur, das dann keine Probleme mehr machte. Schon die Oberstufe war eine tolle Zeit, sieht man ab von Bio und Mathe. Man konnte zwar Fächer, die einen nervten, abwählen, aber eben doch nicht alle. Der Abschied von der Schule war kurz und schmerzlos, einen Abi-Ball hätten wir als Witz empfunden. Aber ich habe sehr viel mitgenommen. Danke, Gymnasium Borbeck!

Frank Stenglein (52), Leiter der WAZ-Lokalredaktion Essen.
Abitur im Jahr 1984, erzielter Notenschnitt: 2,2.