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Betreten erlaubt Große Pläne

07.09.2007 | 04:20 Uhr

Über 30 Jahre passierte nichts auf dem Wollboden der ehemaligen Tuchfabrik Scheidt in Kettwig.Jetzt beleben elf Künstler die Räume mit einer faszinierenden Ausstellung neu

Die Holzdielen knarren, die Kälte steigt einem in die Glieder, von den Säulen blättert der Putz ab. An ihnen hängen noch mit Kreide beschriebene Tafeln: "Trevira", "Wolle", "Faden" - die Wörter sind noch so gut zu lesen, als wären sie erst gestern geschrieben worden. Dabei stand auf dem Wollboden der ehemaligen Spinnerei und Tuchfabrik Scheidt in Kettwig seit über 30 Jahren die Zeit still. 1974 musste der damals größte Arbeitgeber in der Region seine Tore schließen. Jetzt allerdings ist wieder Leben auf dem etwa 500 Quadratmeter großen Boden: Elf Künstler aus der Region stellen hier ihre Werke noch bis Sonntag aus.

"Wir waren begeistert, als wir den Raum gesehen haben, ein riesiger Abenteuerspielplatz." Anne Friederichsen, Lida Bräter, Sebastian Walter-Lilienfein und Kristin Loehr haben ihre Ateliers auf dem Gelände der Scheidtschen Hallen. Den Wollboden sahen sie Anfang des Jahres aber zum ersten Mal. Der Staub von 30 Jahren musste rausgefegt werden, durch die Fenster hätte man gar nicht mehr durchgucken können. Der Charme dieses alten Ortes, an dem die Spuren der Fabrikarbeiterinnen unübersehbar sind, hat sie schnell überzeugt.

Mit sieben weiteren Künstlern starteten sie im April kurzentschlossen die Durchführung einer gemeinsamen Ausstellung, die Künstlergruppe nennt sich seither "Betreten verboten", nach den gleichnamigen Schildern, die man auf dem Wollboden an vielen Ecken lesen kann.

Der Raum und seine Geschichte haben viele der Künstler so beeindruckt, dass sie in die ausgestellten Arbeiten mit einfließen. Die Malerin Anne Friederichsen zum Beispiel drückt in ihren abstrakten Landschaftsbildern die Sehnsucht der Arbeiterinnen nach ihrer Heimat aus. "Viele kamen aus anderen Ländern und fühlten sich hier wie eingesperrt", erklärt sie. Auf Lida Bräters Bildern sind hochherrschaftliche Tapeten zu sehen. Sie widmet sich damit den Arbeitgebern der Tuchfabrik.

Dietmar Jäkel spielt ganz konkret mit dem Raum, er nimmt die Farben und Strukturen so echt auf, dass man Bild und Realität fast nicht mehr voneinander trennen kann. Auch in den Bildern von Sebastian Walter-Lilienfein spiegeln sich Details des Wollbodens. Als einen extremen Kontrast zum Raum versteht Carola Engels ihre glänzenden Edelstahlobjekte, die sie auf den alten Holzfußboden gestellt hat. Malereien, Fotografien und Objekte sind außerdem von Michaela Classen, Christiane Bockx, Ulrike Eggers, Klaus Hesselmann und Eva Horstick-Schmitt zu sehen.

Die Ausstellung ist noch heute und morgen von 11 bis 13 Uhr geöffnet.Das 37 000 qm große Gelände der Scheidtschen Hallen wird in Zukunft als Wohn- und Gewerbefläche nutzbar gemacht. Enstehen soll ein Zentrum für Kreativwirtschaft. Der ehemalige Wollboden könnte - technisch modernisiert - weiterhin als Ausstellungsraum genutzt werden. Die Künstler von "Betreten verboten" wären dabei.

Von Sarah Heppekausen

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