Betreiber des Essener Augustinums sieht sich als Betrugsopfer

Das Augustinum in Rellinghausen.
Das Augustinum in Rellinghausen.
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Der Träger des Augustinums, einer Seniorenresidenz in Essen-Rellinghausen, hat Probleme mit Immobiliengeschäften und sieht sich als Opfer eines Betrügers.

Essen.. Es gehört zu den schönsten Seniorenunterkünften in der Stadt, das Augustinum in Essen-Rellinghausen. Wie es sich heutzutage gehört, firmiert das Gebäude-Ensemble als Seniorenresidenz. Das Augustinum hat einen eigenen Pflegedienst und eigene Ärzte, ein Theater, ein Schwimmbad und einen 40.000 Quadratmeter großen Park. Die 400 Bewohner im Alter von 70 bis über 100 Jahren schätzen die Beschaulichkeit und Ruhe in ihrem Wohnsitz.

Nur ist in dem zuletzt Unruhe aufgekommen. Grund sind Immobiliengeschäfte, an denen die Münchener Augustinum-Gruppe, Träger der Essener Einrichtung, beteiligt ist. Es soll zu Betrügereien gekommen sein. Die Süddeutsche Zeitung, die auch im Augustinum an der Renteilichtung gelesen wird, berichtet von Korruption bei Geschäftspartnern der Augustinum-Gruppe.

Ein nicht unübliches Verfahren

Das gemeinnützige Münchener Unternehmen, das gerne auf seine christlichen Werte verweist, betreibt deutschlandweit 23 Residenzen, in denen 7400 Senioren wohnen. 14 dieser Häuser hat die Augustinum-Gruppe in den letzten Jahren an eine norddeutsche Immobilienfirma abgegeben. Für über 700 Millionen Euro. Danach wurden die Residenzen zurückgemietet. Ein nicht unübliches Verfahren in der Branche.

Nicht üblich ist indes der Streit zwischen den Geschäftspartnern. Die Augustinum-Gruppe hat Strafanzeige gestellt, zahlreiche Verträge mit den Immobilienkäufern angefochten, Mietzahlungen eingestellt und arbeitet zudem an der Rückabwicklung der Verkäufe. Derweil liegt eine Räumungsklage gegen das Hamburger Augustinum der Gruppe vor. Müssen die Senioren dort bald auf die Straße?

In Rellinghausen werden die Entwicklungen und Verwicklungen genau beobachtet. Auf WAZ-Anfrage wollte sich der Stiftsdirektor nicht äußern. Die Münchener Zentrale teilte mit: „Die gesunde wirtschaftliche Lage des Augustinums ist in keinster Weise gefährdet. Auf die Bewohner haben die juristischen Auseinandersetzungen keinen Einfluss. Wir sind zuversichtlich, dass die Augustinum-Gruppe daher weiterhin Eigentümer der verkauften Immobilien ist. Dies gilt auch für Essen.“