Beschäftigung in Essen auf Rekordhoch

Blick auf die Essener Agentur für Arbeit.
Blick auf die Essener Agentur für Arbeit.
Foto: WAZ FotoPool
Essens Arbeitsmarkt bleibt zweigeteilt: Zwar sank die Zahl der Menschen ohne Job laut Statistik der Agentur im fünften Monat in Folge. Langzeitarbeitslose aber blieben außen vor.

Essen.. Essens Arbeitsmarkt spaltet weiterhin. Die Menschen in Gewinner und Verlierer, aber auch die Gemüter der Hartz IV-Kritiker wie -Befürworter. Zwar erreichte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit 228.540 Arbeitsverhältnissen ein Zehn-Jahres-Rekordhoch, während die Zahl der Menschen ohne Job im Jahresvergleich auf 35.059 um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat sank – jedenfalls wenn man wie die offizielle Statistik die Zunahme durch jene 1631 Erwerbslosen ausklammert, die an Maßnahmen teilnehmen.

An den Langzeitarbeitslosen aber gingen diese Entwicklungen einmal mehr vorbei: 17.384 Essener – und damit jeder zweite Arbeitslose des Dezembers – hatten ein Jahr oder länger keine Beschäftigung. Das waren zwar 35 weniger als im Vormonat und 590 weniger als im Vorjahr. Das strukturelle Problem des historisch hohen Sockels der Langzeitarbeitslosigkeit in einer Stadt des Strukturwandels aber bleibt von solchen Bewegungen, die kaum besser als statistische Unschärfen daherkommen, unberührt. Auf der anderen Seiten gab es Bewegung satt: 68.000 Essener meldeten sich 2014 neu arbeitslos. 68.840 verschwanden vom Behörden-Radar.

Experten fordern neue Rahmenbedingungen

Deshalb liegt es für die Akteure auf der Hand: „Der Abbau der Langzeitarbeit- und der Jugendarbeitslosigkeit bildet auch in 2015 eine besondere Herausforderung“, sagte gestern Ulrich Meier, Hauptgeschäftsführer der örtlichen Kreishandwerkerschaft und amtierender Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit.

Zusammen mit Torsten Withake, Chef der Behörde am Berliner Platz, warf Meier einen Blick zurück auf das abgelaufene Jahr und wagte einen Ausblick auf das noch junge 2015. Verbunden mit einer Forderung nach einer öffentlich geförderten Beschäftigung für jenes Drittel der Essener Langzeitarbeitslosen, die absehbar in keine sozialversicherungspflichtigen Jobs mehr vermittelt werden können: „Wir müssen Beschäftigungen finden, die die Wirtschaft nicht beschädigen, aber den Menschen helfen“, sagte Meier, der ein Umdenken der Politik in Berlin fordert.

„Ohne neue Rahmenbedingungen wird uns das Thema Langzeitarbeitslosigkeit weiter begleiten“, sagte auch Withake, der aber vor überzogenen Hoffnungen warnt, sollten nicht mehr Personal aber auch mehr Geld für die Eingliederung insgesamt zur Verfügung gestellt werden. Auf dem ersten Arbeitsmarkt kommen auf jede freie Stelle zehn Arbeitslose.

Agentur-Chef geht "verhalten optimistisch" ins neue Jahr

Wenn dem Bestand an Langzeitarbeitarbeitslosigkeit schon nicht beizukommen ist, gilt es neue zu vermeiden. Der Hebel setzt bei den Jugendlichen an und hat aus der Sicht der Agentur Erfolge gezeitigt: 582 unter 25-Jährige wurden durch die Behörde im Dezember betreut. Das waren 31 weniger als im Monat zuvor. Das ist der niedrigste Wert seit 2005, aber dennoch ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn gleichzeitig zählte das Jobcenter mit 2.644 Betroffenen 42 mehr. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Jugendarbeitslosigkeit insgesamt um 95 auf 3.226 junge Menschen ohne Job.

Beratung und Betreuung haben dazu nach Withakes Einschätzung beigetragen. Die wolle man verstärken. Was den Arbeitsmarkt insgesamt betrifft, geht der Agentur-Chef „verhalten optimistisch“ ins neue Jahr.

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