Beruhigende Gerechtigkeit
19.10.2008 | 18:35 Uhr 2008-10-19T18:35:58+0200Fischerei-Verein Essen bietet Behinderten Möglichkeit zum integrativen Freizeitspaß.
Andy Ried sitzt auf seinem Klappstuhl am Rande der Ruhr und schaut genussvoll auf das fließende Wasser. Ruhig und konzentriert hält er die Angel in den Händen. Er ist ein echter Fischerei-Fan, und doch darf er sein Hobby erst seit kurzer Zeit ausüben.
Seit Mitte 2007 ist es Menschen mit Behinderung erlaubt zu fischen - wenn auch nur unter Auflagen. Stephan Schneider nutzte die Gelegenheit. Der Leiter des Haus St. Engelbert ist auch 2. Vorsitzender des Fischerei-Vereins Essen und gründete für die Engelbert-Bewohner eine inte-grative Angel-Freizeitgruppe. "Wir wollen Menschen mit Behinderung ans Gewässer bringen".
Für das Vorhaben sprechen die pädagogischen Konzepte: Neben motorischen Fähigkeiten wird vor allem der Umgang mit Emotionen geübt. Schließlich braucht es manchmal eine frustrierende Wartezeit, bis endlich ein dicker Fisch anbeißt. Zudem beruhigt das Angeln sichtbar.
Die Essener Fischer nahmen interessierte Bewohner und begleitende Mitarbeiter in ihren Verein auf, Sponsoren spendeten Material und Ausrüstung. Wer Andy und seine Freunde nun im Vereinsleben erlebt, der hat nicht das Gefühl, dass sie irgendwie anders sein sollen. Frei von der Leber fachsimpeln sie über Gewässer, Techniken und gefangenen Prachtexemplare. "Die Jungs sind so motiviert, die würden am liebsten jeden Tag angeln gehen", erklärt Schneider lächelnd.
Inzwischen ist nicht nur er auf den Fisch gekommen - immer mehr Behinderten-Einrichtungen und Familien zeigen Interesse am neuen inte-grativen Freizeitspaß. Schneider beantwortet gerne Fragen zum behindertengerechten Fischen unter stschneider@online.de.
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