Berufstätige Mutter zum Kita-Streik: „Es sind Kinder und keine Akten!“

Das Archivbilld zeigt Kita-Kinder vor einer bestreikten Gelsenkirchener Tagesstätte (2009).
Das Archivbilld zeigt Kita-Kinder vor einer bestreikten Gelsenkirchener Tagesstätte (2009).
Foto: Martin Möller
Was wir bereits wissen
Mit unbefristeten Streiks in Kindertagesstätten droht die Gewerkschaft Verdi. Eine berufstätige Mutter aus Essen beschreibt die Folgen und kritisiert: "Die Zeche zahlen am Ende die Eltern."

Ein Streik soll Wirkung erzielen, sonst wäre er sinnlos. Das ist legitim und gilt für Metallarbeiter genauso wie für Erzieherinnen. Welche Folgen gerade ein Kita-Streik aber hätte, wie er viele Eltern vor unlösbare Probleme stellt, beschreibt die berufstätige Essener Mutter Silke Fortmann im folgenden Meinungsbeitrag, der ein Appell ist an das Verantwortungsgefühl aller am Konflikt Beteiligten.

„Ich arbeite an fünf Tagen pro Woche und habe 27 Urlaubstage im Jahr. Mein Schulkind im offenen Ganztag hat in diesem Jahr an insgesamt 65 meiner Arbeitstage schulfrei. Mein Kita-Kind hat zwar weniger frei; dennoch stehen auch hier in 2015 insgesamt drei Wochen Sommerferien, knapp zwei Wochen Weihnachtsferien sowie drei pädagogische Planungstage und drei Brückentage an.

Und nun noch ein Streik! Bei allem Verständnis und allem Respekt gegenüber Erzieherinnen und Erziehern: Wisst Ihr, was Ihr vielen Eltern damit antut? Wir haben jetzt schon das Problem, die schul- und Kita-freien Tage zu organisieren. Ferienspatz-Kurse und andere Betreuungsangebote kosten nämlich Geld, das zusätzlich zu den ganzjährigen Kosten für Kita und Schulbetreuung verdient und bezahlt werden muss.

Kita-Streik Wie sollen Eltern, die beide berufstätig sind, nun agieren? Ein Krankenschein ist nicht drin, Urlaubstage sind in den meisten Fällen nicht übrig. Um eine unbezahlte Freistellung bitten? Schaut bitte genau hin, was Ihr mit diesem Streik erzielt: Die Zeche zahlen nämlich am Ende die Eltern, die Einkommenseinbußen haben und nicht einmal die Kita-Gebühren an den Streik-Tagen erstattet bekommen.

Hinzu kommt, dass wir unsere Kinder nicht einfach von fremden Menschen in einer fremden Umgebung betreuen lassen können. Entsprechende Angebote der Stadt sind zwar nett gemeint, gehen an der Realität jedoch komplett vorbei. Vertrauen spielt da eine große Rolle. Und das muss behutsam aufgebaut werden.

Verdammt nochmal, es sind Kinder, die Ihr da zur Seite legt. Keine Akten!“