Berufsorientierte Blumenkinder

Das Leben ist eine Bühne. Dieser Eindruck hat sich mir schon früh vermittelt, früh wie die – zwangsläufige – Erkenntnis, mein berufliches Leben doch lieber mit Shakespeare und Schiller zu verbringen statt mit Pythagoras. Goethes „Faust“ begleitete mich verlässlich durchs Abitur. Und manche Klausur hätte vielleicht noch besser ausfallen könnten, wären da nicht all die Festkomitees und Abireden-Ausschüsse gewesen, die das letzte Schuljahr auch zum Festjahr gemacht haben. „Reif für die Insel“ lautete das Motto unseres Abi-streiches und für einen Tag verwandelte sich das Andreas-Vesalius-Gymnasium zu Wesel tatsächlich in eine Party-Insel. Nächtelang übten wir uns in dere Kunst des Papierblumenbindens, spannten Tarnnetze und flochten uns Blüten ins Haar. Flowerpower anno 1987. Blumenkinder sind aus uns trotzdem nicht geworden, sondern ziemlich berufsorientierte Wesen. Schon am Nachmittag meines letzten Schultags habe ich mich an die Schreibmaschine gesetzt und den Bericht getippt. Die Bühne des Lebens hat mich seither nicht mehr losgelassen.

Martina Schürmann (47), Abitur 1987, Notenschnitt 2,4, ist in der Redaktion heute für den Bereich Kultur zuständig.