Berauschend schöner Soundtrip

Es war in jeder Hinsicht ein erhellender Abend. So lernte man zügig, was lange Unterhosen und improvisierte Musik miteinander verbindet. Ganz einfach: Beide sind für einen „Soundtrip NRW“ im Goethebunker unverzichtbar. Strahlt doch der über tausendjährige Beton an der Goethestraße eine Kälte aus, die so gar nicht mit der wohlig-warmen Konzert-Atmosphäre harmonieren will. Beim Soundtrip Nummer 23 präsentierte Simon Camatta, Schlagzeuger und heimischer Gastgeber der landesweiten Reihe, jetzt mit Rachel Musson und Corey Mwamba die seltene Paarung von Tenorsax und Vibrafon. Klingt gut, war besser. Denn wie der studierte Chemiker seinem 1921 erfundenen Percussions-Instrument zu Leibe rückte, das war ebenso einzigartig und originell wie unerhört spannend. Schon sein Spiel mit ultraweichen bis knallharten Klöppeln erweiterte das Klangspektrum des an sich eher spröden Vibrafons in ungeahnte Dimensionen. Gepaart mit delikaten Streicheleinheiten, ergaben sich so farbenreiche Soundscapes, die von flüsternder Zärtlichkeit bis hin zu dröhnendem Metallgeschrei reichten.

Was im Duo mit der feinsinnig konternden Rachel Musson am Tenor grandios intim klang, führten die beiden Briten im zweiten Set mit Martin Blume (Drums) und Felix Fritsche (Altsax) in die Wunderwelt ungeprobter, spontaner Improvisationskunst: sensibles Geben und Nehmen auf höchstem Niveau als berauschend schöner Trip.