Benjamin Moser – Könner ohne Koketterie

Der spektakuläre Auftritt ist nicht Sache des jungen, von Alfred Brendel unter die Fittiche genommenen Pianisten Benjamin Moser. Auch nicht in seinem vierten Konzert beim Klavierfestival Ruhr. Auch nicht, wenn er sich so brillanter und effektvoller Werke wie Skrjabins relativ wenig bekannter Fantasie in h-Moll oder Maurice Ravels umso bekannteren Hexereien aus „Gaspard de la nuit“ widmet. Vor allem Ravels Zyklus verlangt dem Pianisten ein Reservoir an halsbrecherischen Spieltechniken ab, die der gebürtige Münchner beherrscht, ohne sich mit ihnen extravagant oder gar selbstverliebt zur Schau stellen zu wollen. Die fein verästelten Wasserspiele, die artistischen Kapriolen des Zwergs Scarbo zelebriert Moser Werk-ergeben und ohne jeden Ehrgeiz, mit den immensen spieltechnischen Schwierigkeiten zu kokettieren. Zumal Moser auch in diesen hypersensiblen Impressionen einen recht robusten Anschlag pflegt, der den Stücken eine ungewohnte Erdenschwere verleiht.

Dem Zufall überlässt Moser dabei nichts. Auch in Debussys spieltechnisch weniger anspruchsvoller Suite „Children’s Corner“ entfaltet er ein erdiges, nicht allzu leichtes Klangbild. Und unprätentiös geht Moser bereits zum Auftakt des Abends im vollbesetzten Haus Fuhr zu Werke, zu dem er acht überwiegend beliebte Ohrwürmer aus Griegs „Lyrischen Stücken“ vortrug. Begeisterter Beifall für einen hoch begabten und grundehrlichen Musiker, der niemanden blenden muss.