Bekannter Radiologe und Ratsherr Krüger muss Insolvenz anmelden

Die Planetensiedlung in Marl erwies sich für den Essener Arzt karlgeorg Krüger als fatale Investition.
Die Planetensiedlung in Marl erwies sich für den Essener Arzt karlgeorg Krüger als fatale Investition.
Foto: Claus Pawlinka
Was wir bereits wissen
Der Essener Radiologe und Ratsherr Karlgeorg Krüger (EBB) hat Insolvenz angemeldet: Der Arzt, der im Wahlkampf 2014 im Zentrum des „Mammografie-Skandals“ stand, sagt, er hafte für betrügerischen Partner bei einem Immobilien-Deal in Marl.

Essen.. Der Radiologe und Ratsherr Karlgeorg Krüger musste wegen einer verkorksten Immobilien-Investition in Marl jetzt einen Insolvenzantrag stellen. Er persönlich rechne mit einem Schaden von einer Million Euro, doch seine Praxen seien nicht berührt, versichert Krüger.

Das war im vergangenen Jahr anders: Just im Wahlkampf hatte es Vorwürfe gegen seine Arbeit in den Diavero Diagnosezentren in Kupferdreh und Kettwig und im Brustdiagnosezentrum in der Innenstadt gegeben. Der „Mammografie-Skandal“ war gewiss keine Wahlkampfhilfe für das Essener Bürgerbündnis (EBB), dem Krüger angehört. Die Ermittlungen aber wurden im September 2014 eingestellt.

Brustkrebs-Skandal Da hatte der 62-jährige Krüger bereits mit anderem Ärger zu kämpfen: 2005 hatte er gut 450 Wohnungen in der Planetensiedlung in Marl gekauft; gedacht als zusätzliche Alterssicherung. „Ein Berater hatte mir die Immobilien als Schnäppchen empfohlen. Sie stammten aus einer Zwangsversteigerung, aber es war kein Schrott. Ich wollte mich da durchaus langfristig engagieren.“

Von seriösen Geschäftspartner ausgegangen

Doch nach einigen Jahren liefen Defizite auf, weil sein Verwalter sich offenbar selbst bedient habe. „Ich habe allerdings seine Rechnungen immer abgezeichnet, weil ich dem Mann vertraute“, sagt Krüger heute. Im Jahr 2011 habe man ihm geraten, die Reißleine zu ziehen und sich von den Immobilien zu trennen.

Schließlich habe ihm eine renommierte Förderbank einen Investor ans Herz gelegt: „Herr W., angeblich ein erfolgreicher Architekt, der allerdings bei der Architektenkammer nicht gelistet ist. Mit ihm wollten zwei Düsseldorfer Ärzte die Häuser übernehmen. Aber die Herren schafften keine Finanzierung für das gesamte Paket“, erzählt Krüger. Stattdessen schlugen sie Krüger vor, gemeinsam die Marler Grundbesitz GbR für die Immobilien zu gründen, an der er sechs Prozent hielt. Dabei nahm er offenbar Umstände in Kauf, die ungewöhnlich anmuten: Die Tochter von Herrn W. firmierte als Geschäftsführerin der im Februar 2012 gegründeten Marler Grundbesitz GbR. Mit der Hausverwaltung beauftragte Herr W. die Immobilien Management GmbH (IMG), die wiederum von Vater und Tochter W. geführt wurde.

War es Gier oder Gutgläubigkeit, die Krüger dem Modell zustimmen ließ? „Das Konstrukt basierte auf Vertrauen: Die Bank hatte die Leute empfohlen, also nahm ich an, dass es seriöse Geschäftspartner sind“, sagt er selbst. Doch bald sollte er misstrauisch werden, weil immer wieder Forderungen an ihn herangetragen wurden, um die sich die IMG hätte kümmern sollen. „Spätestens 2013 wurde klar, dass die Hausverwaltung weder die Nebenkosten bediente noch die Grundbesitzabgaben leistete.“

RWE stellte Mietern den Strom ab

Leider hätten sich die Banken immer wieder von W. narren lassen, sagt Krüger. „W. ließ zum Beispiel ein Haus renovieren, führte es quasi als Potemkinsches Dorf vor und erklärte, er wolle das mit allen Häusern so machen. Das koste aber, darum könne er derzeit die Zinsen nicht zahlen.“

Statt einer Renovierung erlebten die Mieter, dass RWE den Strom abstellte, als sich Schulden in sechsstelliger Höhe angesammelt hatten. „Das saßen Familien mit Babys in ungeheizten Wohnungen“. bestätigt Peter Wenzel, SPD-Fraktionschef im Marler Rat und Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Wohnungsgesellschaft. „Wir boten damals schon Ersatz-Wohnungen an.“

Ende 2013 kam dann ein Runder Tisch unter Leitung des Marler Bürgermeisters zusammen, anschließend sei eine Zwangsverwaltung eingesetzt worden, „damit die W.s kein Geld mehr abziehen konnten“. Krüger hatte da schon Strafanzeige wegen Betrugs und Veruntreuung gegen die Mitgesellschafter gestellt.

Erfolgreiche Zwangsversteigerung der Häuser

Das Verfahren bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft laufe, doch W. sei nach kurzer U-Haft auf freiem Fuß: „Es besteht angeblich keine Fluchtgefahr, dabei ist der Mann inzwischen auf Tahiti gemeldet.“ W.s Tochter behaupte, reinen Tisch machen zu wollen, habe ihm einen Deal angeboten, sagt Krüger. Darauf werde er sich gewiss nicht einlassen. Drei Autos – darunter einen Porsche – habe sie als Geschäftsführerin geleast: „Und ich soll 20.000 Euro offene Leasingkosten tragen.“

Brustkrebsvorsorge Denn in einer GbR haftet man gemeinsam; und da bei seinen Ex-Partnern offenbar nichts zu holen sei, hielten sich alle Gläubiger an ihn. „Allein RWE macht 225 000 Euro geltend. Insgesamt kann es um offene Forderungen in Höhe von sechs bis acht Millionen Euro gehen.“ Um eine Liquidation seiner Praxen abzuwenden, habe er jetzt pro-aktiv ein Insolvenzverfahren angemeldet. Denn durch ein „Eigenverwaltungsverfahren“ kann er selbst den Insolvenzplan aufstellen (Kasten).

Die Marler Häuser seien für 70 Prozent ihres Verkehrswertes von gut 20 Millionen Euro zwangsversteigert worden. So werde am Ende statt der Zusatz-Rente wohl ein persönlicher Verlust von einer Million Euro für ihn stehen, glaubt Krüger. Er habe nicht nur die Familie, sondern auch seine Mitarbeiter informiert und sehe keinen Grund, sein Ratsmandat niederzulegen oder seinen Sitz im Aufsichtsrat der städtischen EVV abzugeben. „Ich habe nichts verbrochen, sondern bin Opfer eines Betruges geworden! Ich übernehme mit der Insolvenz die Verantwortung.“ EBB-Fraktionschef Udo Bayer, der zurzeit in Kur ist, sagt, er wisse zu wenig über den Fall, um sich zu Krügers Zukunft zu äußern: „Allgemein gilt, dass sich jeder in seinem privaten und beruflichen Umfeld so aufstellen sollte, dass er dem EBB nicht schadet.“