„Beim Fahrradfahren drücken viele ein Auge zu“

Alkohol an der Lenkradstange? Wie viel soll künftig erlaubt sein? Vor Beginn des Deutschen Verkehrsgerichtstages in Goslar fordert die Deutsche Verkehrswacht eine Absenkung der Promillegrenze für Radfahrer, von derzeit 1,6 Promille auf 1,1 Promille. Die WAZ sprach über das Thema mit Jörg Brinkmann, dem Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), in Essen.

Herr Brinkmann, Hand aufs Herz, nach wie vielen Bierchen setzen Sie sich noch auf den Fahrradsattel?

Jörg Brinkmann: Für mich persönlich stellt sich diese Frage nicht. Aus gesundheitlichen Gründen muss ich regelmäßig Medikamente nehmen. Deshalb trinke ich keinen Alkohol. Aber früher habe ich mir die Frage durchaus gestellt.

Und wie lautete die Antwort?

Damals wie heute würde ich das Auto wohl eher stehen lassen als das Fahrrad, wenn ich etwas getrunken hätte. Autofahren und Alkohol – das ist absolut tabu. Ich denke, beim Fahrrad drücken viele schon eher mal ein Auge zu. Es darf aber nicht so weit gehen, dass das Fahrrad als Alibi dient. Nach dem Motto: Wenn ich angetrunken Fahrrad fahre, ist das nicht so schlimm.

Halten Sie eine Absenkung der Promillegrenze denn für erforderlich?

Interessanterweise gibt es dazu keine belastbaren Studien, so die Auskunft unseres Verbandes. Wie jemand auf Alkohol reagiert, ist ja auch sehr individuell. Bei selbstverschuldeten Fahrradunfällen ist aber vielfach Alkohol im Spiel. Die Betroffenen müssen sich dann an die eigene Nase fassen. Ich würde schon für eine Absenkung der Promillegrenze plädieren. 1,6 Promille halte ich für viel zu hoch.