Beim Boys’ und Girls’ Day werden Klischees aufgeweicht

Männliche Floristen sind eigentlich selten, in der Blumen Risse Filiale in Huttrop gibt es mit dem Auszubildenden Dennis Kubicki und Filialleiter Thomas Langenberg gleich zwei.
Männliche Floristen sind eigentlich selten, in der Blumen Risse Filiale in Huttrop gibt es mit dem Auszubildenden Dennis Kubicki und Filialleiter Thomas Langenberg gleich zwei.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Dennis Kubicki (24) ist einer der wenigen männlichen Floristen. Er macht seine Ausbildung bei Blumen Risse und hofft, dass durch den Girls’ und Boys’ Day die Rollenklischees aufgeweicht werden.

Essen.. Dennis Kubicki (24) schließt die Tür der Blumen-Risse-Filiale an der Steeler Straße auf. Sorgsam platziert er die Blumen auf den Gehweg – es soll ja gut aussehen. Gerade stellt er eine Palette Topfpflanzen hin, da spricht ihn eine Seniorin an: „Entschuldigen Sie, junge Frau, ich bräuchte einen Blumenstrauß.“ Dennis Kubicki dreht sich um. Die Frau entschuldigt sich. Der Auszubildende lacht: „Das passiert öfter, ich habe lange Haare und bin Florist – das ist ja eigentlich ein Frauenberuf.“ Und Dennis Kubicki somit ein Exot. Damit das nicht so bleibt wurde in Essen gestern zum 15. Mal der Girls’ Day veranstaltet. Parallel dazu gibt es seit fünf Jahren den Boys’ Day. An diesem Tag sollen Jungen in Frauenberufe reinschnuppern und Mädchen sich in Männerdomänen behaupten.

„Für viele junge Menschen könnte es abschreckend wirken, einziger Junge oder einziges Mädchen der Auszubildendengruppe zu sein“, sagt Dennis Kubicki. Für ihn ist das jedoch kein Problem: „Die Mädels aus meiner Berufsschulklasse kennen mich und wir kommen alle sehr gut miteinander aus.“ Man müsse jedoch über Stereotypen lachen können. So stehe im Schulbuch immer nur: die Floristin.

Keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Sein Ausbilder und Filialleiter Thomas Langenberg (50) kann das nur bestätigen. „Wenn wir beide hier sind, sind die meisten Kunden überrascht.“ Der 60-Jährige ist ebenfalls ein Exot – als einziger Filialleiter. Besonders fällt ihm an seinem Auszubildenden auf, dass er sehr gut mit den Kunden umgehen kann. „Besonders zu jungen Damen hat er einen guten Draht.“

Ansonsten unterscheide sich der 24-Jährige nicht von den weiblichen Auszubildenden. „Er ist sehr geschickt im Sträuße binden“, sagt Langenberg. Obwohl Frauen im Umgang mit Blumen oft geschickter seien. Langenbergs Meinung nach ein Grund, warum mehr Frauen diesen Beruf ausüben. Denn von 113 Auszubildenden bei Blumen Risse sind nur vier Männer.

Der perfekte Strauß

Dennis Kubicki fühlt sich wohl, das Exotendasein findet er nicht schlimm. „Mir kam es eher darauf an, Spaß an der Arbeit zu haben.“ Schon früher half er gerne im Gemeinschaftsgarten seiner Eltern aus – besonders die Pflege der Pflanzen begeisterte ihn. Einen Boys’ Day gab es bei ihm nicht. Dafür hat er an einer Maßnahme im Bereich Floristik teilgenommen. „Da wurde mir schon gesagt, dass ich ein Exot sein werde, aber auf jeden Fall die Ausbildung machen solle, weil ich offenbar mit sehr viel Elan und Interesse mitgemacht habe“, freut sich Dennis Kubicki.

Der 24-Jährige kann sich keinen besseren Beruf vorstellen. Ob er trotzdem noch einen Wunsch hat: „Ich würde gerne mal meinen perfekten Strauß binden – mit blauen Rosen, weißen Lilien, roten Tulpen und Vergissmeinnicht.“