Bei der Trinkhallen Tour Ruhr wird die Bude wieder zur Bühne

Erstmals mit eigenem Logo – die Designagentur befand, dass Bass-Klarinetten an Gänse erinnern, wie Felix Fritsche und Florian Walter (r.) erklären.
Erstmals mit eigenem Logo – die Designagentur befand, dass Bass-Klarinetten an Gänse erinnern, wie Felix Fritsche und Florian Walter (r.) erklären.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Zum fünften Mal geht die Trinkhallentour Ruhr vom 20. Juli bis 7. August an den Start. Musiker aus dem Südviertel planen noch mehr ungewöhnliche Projekte.

Essen.. Sie sind Schmelztiegel und Kommunikationsplattform Nummer eins, die Büdchen im Ruhrgebiet. Dass sie sich auch als ungewöhnliche Konzertplattform eignen, haben die Musiker der Combo „Die Verwechslung“ bereits im Kulturhauptstadtjahr 2010 erkannt. Damals starteten sie ihr ehrgeiziges Projekt „Trinkhallentour Ruhr“, bei dem sie verschiedene Kioske zwischen Dortmund und Duisburg mit neuer, improvisierter Musik bespielen.

Seither ist viel passiert – die Tour wurde ausgedehnt, eine treue Fangemeinde entstand, immer mehr Kulturbüros der teilnehmenden Städte förderten das Bassklarinetten-Quartett. Für Felix Fritsche und Florian Walter, die im Südviertel zu Hause sind, ist dieser Erfolg nicht zuletzt der Beleg dafür, dass sich Neue Musik weiter öffnen und die Grenzen enger Konzertsäle sprengen muss. „Die Zeiten sind vorbei, in denen man als Musiker nur am Telefon warten musste, bis man gebucht wird. Um die Menschen für unsere Musik zu begeistern, müssen wir sie eben zu ihnen bringen“, sagt Florian Walter, der ebenso wie sein Kumpel Felix Fritsche auch zum festen Ensemble des Ruhrgebiets-Kollektivs „The Dorf“ gehört. Auch dort geben experimentelle Töne den Takt an, vermischen sich Jazz, Krautrock und Trance zu einer utopischen Klangmischung.

Zahlreiche Gastmusiker und -künstler

Ebenso bunt wie in einer gemischte Tüte geht es auch bei der Trinkhallentour zu, die am Donnerstag, 20. Juli, startet. So hat sich „Die Verwechslung“ zahlreiche Gastmusiker und -künstler ins Boot geholt, die jedem Konzertabend eine eigene Klangfarbe geben.

Zum Auftaktkonzert im „KiosK 62“ an der Rellinghauser Straße 181 gibt es das Quartett zunächst ab 17 Uhr noch solo, ehe es nur zwei Stunden später in der Trinkhalle an der Von-Seeckt-Straße 1 erneut ein Gastspiel gibt. In ihrem „Wohnzimmer“, das bei der Tour schon seit Jahren als Spielort dient, begleiten „Lautpoet und Performance-Literat“ Mitch Heinrich sowie Gitarrist Nico Hein das Quartett. Jede der drei Tour-Wochen bis zum 7. August steht dabei unter einem anderen Motto. „Spielwiese, jetzt“ heißt es in der ersten Woche, in der vor allem Künstler aus den Bereichen Performance und Tanz eine Plattform geboten wird.

Festival für improvisierte Musik in Planung

Einmal im Jahr die Buden im Revier aufzumischen, ist den jungen Musikern Fritsche und Walter aber zu wenig, um ihre Botschaft in die Welt zu spielen. So plant Florian Walter für die Zeit vom 11. bis 13. September ein Festival für improvisierte Musik am Kopstadtplatz. Darüber hinaus würden beide gern die Vernetzung der freien Szene voranbringen, etwa die Gesellschaft für Neue Musik und die Jazz-Offensive Essen. „Man muss sich stärker selbst organisieren, um die eigene künstlerische Identität zu wahren“, findet Walter. Wie sich das anhört, können Besucher nun ab nächster Woche wieder ganz bequem beim Zeitschriften- oder Zigarettenkauf am Büdchen erleben.

Die Konzerte beginnen jeweils um 19 Uhr und dauern eine Stunde. Der Eintritt ist immer frei. In diesem Jahr spielt „Die Verwechslung“ in neun Städten. In Essen ist am 20. Juli, um 17 Uhr zunächst das Auftaktkonzert an der Rellinghauser Straße 181, um 19 Uhr beginnt der Auftritt in der Trinkhalle an der Von-Seeckt-Straße 1. Letztere ist auch Schauplatz der nächsten Konzerte am Montag, 27. Juli, und Montag, 3. August. Alle Spielorte und eine Übersicht der beteiligten Gastmusiker gibt es auch auf der Homepage.