Bei der EBE ist noch viel aufzuklären

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Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In einem Brief, den Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe an die WAZ geschickt haben, wird detailliert das Sittengemälde eines Betriebs ausgebreitet, in dem sehr viele Maßstäbe für politisch korrektes Handeln verloren gegangen waren. Die Ermittler haben demnach noch reichlich zu tun. Ein Kommentar.

Essen.. Die WAZ hat in dieser Woche wieder einen Brief von „vier langjährigen EBE-Mitarbeiter/Innen“ bekommen, die ihre Namen leider nicht nennen möchten. Auf zwölf eng beschriebenen Seiten breiten diese offensichtlich tief frustrierten, aber gut informierten Mitarbeiter das Sittenbild eines Betriebs aus, in dem sehr viele Maßstäbe für moralisch korrektes Handeln verloren gegangen sein müssen.

Wir können diesen Bericht nicht überprüfen, weil die Betroffenen zurzeit nicht mit uns reden wollen und die korrupten Profiteure natürlich erst recht nicht. Aber alles, was hier beschrieben wird, passt nur allzu gut ins Bild dessen, was bekannt und bereits nachgewiesen ist. Da geht es um die Vermengung von privaten und beruflichen Interessen im großen Stil, um gut dotierte Jobs für die Angehörigen von Politikern, leitenden Angestellten und Betriebsräten, um rasante Beförderungen von Geliebten und anderen Günstlingen ohne erkennbare Qualifikation, um Exzesse bei Spesen, um schlampige Arbeit in den oberen Etagen.

Kriminelle Energie beim Säubern von Akten

Selbst wenn an diesem Bericht nur die Hälfte nachweisbar sein sollte, dann müssten die polizeilichen Ermittler in den nächsten Monaten noch reichlich zu tun haben bei den Entsorgungsbetrieben Essen. Bleibt zu hoffen, dass die Beamten so schnell und professionell gehandelt haben, dass sie den Datenvernichtern im Hause wenigsten in einigen Fällen zuvor gekommen sind.

Wer solche Berichte liest, wundert sich umso mehr, dass Oberbürgermeister Reinhard Paß und die Gewerkschaft Verdi nichts eiligeres zu tun hatten, als den Aufklärern in den Arm zu fallen, als diese vor einiger Zeit Daten zu sichern versuchten. Dabei ist es gerade dem Einsatz auch privater Ermittler zu verdanken, dass die verräterische Rückdatierungsnotiz für die Höhergruppierung des früheren Betriebsratschefs gefunden wurde, die die kriminelle Energie beim Säubern von Akten belegt.

Politisch weisungsgebundene Kontrolleure - was soll das?

Apropos Kontrolle: Der EBE-Aufsichtsrat, früher eine Domäne für die ganz Großen in der Stadtpolitik, leidet etwas an Bedeutungsverlust. Was ist davon zu halten, wenn das Gremium mit SPD-Fraktionsgeschäftsführer Roman Brüx neuerdings einen Vorsitzenden hat, der einem politisch weisungsgebundenen Hauptberuf nachgeht? Und die CDU schickt Brüx’ Pendant Gerhard Grabenkamp. Das ist alles, aber keine kraftvolle Kontrolle.