Bei den Rettern hört keiner mehr ab

Ausspähen lässt sich die Feuerwehr seit gestern nicht mehr. Sie hat komplett auf den Digitalfunk umgestöpselt. Damit werden alle Mitteilungen im Äther automatisch verschlüsselt. Das Abhören des Feuerwehrfunks mit manipulierten Radioempfängern ist nicht mehr möglich – „kein Anschluss“ unter dieser Frequenz.

Doch das war nicht der Hauptgrund, warum die Essener Feuerwehr mit einem Gesamtaufwand von rund einer dreiviertel Million Euro umrüstete. Schnelle und zuverlässig übertragene Informationen und Order sind eine wichtige Voraussetzung, um im Ernstfall einen Einsatz so schnell und so gut wie möglich zu meistern. Ausfälle durch Funklöcher soll es nicht mehr geben. Und: Es wird nicht nur der einwandfreie Kontakt zwischen der Leitstelle und den Rettern vor Ort sichergestellt. Auch können bestimmte Einsatzgruppen auf ihnen zugewiesenen Frequenzen miteinander reden, ohne von anderen gestört zu werden, so Feuerwehrsprecher Mike Filzen. Das ist manchmal nötig, wenn eine brenzlige Situation höchste Konzentration erfordert. Ein weiterer Vorteil: Die neuen Funkgeräte sind deutlich handlicher und nicht viel größer als ein Handy.

Vor sechs Jahren begann die Essener Feuerwehr mit der Umstellung, damals noch im privaten Netz der Steag. Die ersten Krankenwagen wurden mit dem neuen System ausgestattet, dann folgten sukzessive Rettungswagen und die Berufsfeuerwehr. Jetzt ist auch die Freiwillige Feuerwehr daran angeschlossen. Jedes Löschfahrzeug und alle Führungs- und Logistikfahrzeuge wurden in den vergangenen Wochen und Monaten vernetzt, so dass die Kommunikation mit der Leitstelle nun ausschließlich im digitalen BOS-Netz erfolgt, das Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Katastrophenschutz zur Verfügung steht.

Die Essener Feuerwehr handelte dabei genau nach den Vorgaben des NRW-Innenministers, schließlich geht es hier um ein landesweites Projekt. „ Es war ein langer und oft auch steiniger Weg in die digitale Sprachwelt“, sagte Ulrich Bogdahn, Chef der Essener Feuerwehr, als er gestern symbolisch den Stecker aus der Altanlage zog. „Umso mehr freue ich mich, dass notwendige Investitionen in die erforderliche Hardware und umfassenden Schulungen aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter dazu geführt haben, ab sofort auch funktechnisch auf dem derzeitigen Stand der Technik arbeiten zu können.“ Zu diesem Zeitpunkt haben das noch nicht alle Nachbarstädte geschafft.

Deshalb wurde der Stecker gleich wieder in die alte Funkanlage gesteckt. Für den Fall des Falles, etwa bei größeren Einsätzen, bei denen auch Verstärkung von außen nötig ist. Sollte dabei ein Einsatzwagen nach Essen geschickt werden, der noch nicht die neue Technik hat, will hier die Leistelle trotzdem den Funkkontakt nicht verlieren. So bleibt der alte Kanal 469 G/U bis auf Weiteres auf Standby.

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