Essen
Behutsamer Umgang
02.11.2009 | 19:31 Uhr 2009-11-02T19:31:00+0100Eine Meldung über „strahlenden” Müll setzt Sorgen frei – unnötig, heißt es
Eigentlich ging es ja ums europäische Atomrecht, aber die Ortsangabe und ein paar kontaminierte Schlagworte ließen auch die lokale Politik aufhorchen: „Radioaktiv belasteter Müll” aus der holländischen Gasförderung, „unkontrollierter Import” und eine Essener Firma, die das „strahlende” Material lagert – kaum war die Meldung des „Spiegel” vergangene Woche auf dem Markt, verabredeten sich erste besorgte Umweltgruppen zur stadtweiten Recherche.
Dabei endet die Spurensuche schon an der Alten Landstraße in Karnap: Hier sitzt die Recycling-Firma Dela GmbH, die Industrieschlämme aus der Gasförderung der holländischen Shell von ihrer gesundheitsgefährdenden Quecksilberfracht befreit. Dazu wird der Aushub aus Tiefen von bis zu drei Kilometern in Stahlblechfässern nach Essen transportiert und dort in einem Drehrohrofen auf 800 Grad Celsius erhitzt. In dem geschlossenen System verdampft das Quecksilber und wird durch Kondensation zurückgewonnen. Bei 100 Tonnen (das sind fünf Lkw-Ladungen) im Jahr gewinnt die Dela GmbH so zwischen 500 und 900 Kilo Quecksilber, das an die chemische Industrie, etwa zur PVC-Herstellung, weiterverkauft wird.
Jede Stewardess trägt
höhere Belastungen
Was das mit Strahlung zu tun hat?
In Ausnahmefällen können die Industrieschlämme durch natürliche Radioaktivität geringfügig belastet sein. Die Dosis ist allerdings so gering, dass nach deutschem Recht dafür nicht mal eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung erforderlich ist. Dies hat Dela schriftlich – vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wie von der Bezirksregierung in Düsseldorf.
Kein Wunder, dass Christian Bonmann keinerlei Anstalten macht, das emotionsgeladene Radioaktivitäts-Thema durch Öffentlichkeitsscheue spekulativ zu befeuern: „Ein Pilot oder eine Stewardess wird einer zweieinhalb-fach stärkeren Belastungen durch Radioaktivität als unsere Mitarbeiter ausgesetzt”, sagt der Dela-Geschäftsführer. „Insofern muss man mit dem Begriff ,Radioaktivität' sehr sorgsam umgehen, damit nicht Sorgen geweckt werden, die bei objektiver Betrachtung völlig unberechtigt sind.”
Selbst die gereinigten Böden verbleiben laut Bonmann nicht in Essen, der TÜV prüfe den Prozess und „hat in keinem Fall eine Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte festgestellt”. Auch die niederländische Shell-Tochter NAM legt als Auftraggeber Wert darauf, dass das Material retour kommt. „Bis zur Endlagerung bleibt es unser Eigentum.”

14:38
Und ich kann auch lesen.
Coland hat recht.
Die Emscherzone ist zum Abfallentsorgungszentrum für die halbe Welt verkommen. Die Wasserläufe der Emscher und ihrer Nebenflüsse werden zwar mit Milliardenaufwand „renaturiert“. Aber gleichzeitig wird die Luft durch immer mehr „Thermische Behandlungsanlagen“, sprich Müllverbrennungsanlagen verpestet.
Wo schon ein großer Haufen Dreck liegt, fällt es kaum auf, wenn da noch mehr draufgekippt wird. Und das trifft besonders für den Essener Norden zu. Siehe auch beispielsweise die Ansiedlung der Firma Harmuth Entsorgung.
16:24
@ #1
Vernünftig den Artikel zu Ende lesen!
Da steht, dass das Material nach der BEhandlung in die Niederlande zurück geführt wird!!!!
10:56
Wenn das Material doch nicht so schlimm ist, warumm entsorgt man es dann nicht in Holland?
Aber mit uns kann man es ja machen, allen Mist nach Deutschland und da in Essen ja noch nichts liegt bringen wir es mal eben dahin.
Wie schlimm muß denn noch alles werden?