Barock-Klänge aus polierten Pfeifen

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Der erste Essener Beitrag zum diesjährigen „Orgelfestival Ruhr“ stand unter einem besonders strahlenden Stern, quasi unter einem frisch gereinigten Zimbelstern. Denn das Konzert in der voll besetzten Kreuzeskirche nutzte Kantor Andy von Oppenkowski, die restaurierte und neu intonierte Schuke-Orgel auf Herz und Nieren auszutesten. Angesichts von 70 Registern und 6000 Pfeifen hatten die Orgelbauer der berühmten Firma sechs Monate zu tun, um den Schmutz und die Verschleißspuren aus 40 Jahren zu beseitigen. Die Kosten von 337 000 Euro brachte die Gemeinde zusammen mit spendablen Sponsoren ohne öffentliche Hilfen auf.

Die immer noch „größte evangelische Orgel im Rheinland“ soll in neuem Glanz des silbrig strahlenden Prospekts und der innen und außen frisch polierten Pfeifen das gesamte Repertoire vom Barock bis zur Moderne abdecken. Dazu stellte von Oppenkowskki ein Programm zusammen, das vor allem die Eignung für großräumige symphonische Orgelmusik in den Mittelpunkt stellte.

Das betraf sogar das Eingangsstück von Johann Sebastian Bach, die Sinfonia aus dessen Kantate BWV 29 in einer klanggewaltigen Transkription von Marcel Dupré. Die Klangfluten steigerten sich noch in dem groß angelegten Choral E-Dur von César Franck sowie in der 1. Orgelsonate des Franck-Zeitgenossen Félix Alexandre Guilmant und einer „Fantaisie“ von André Fleury aus dem Jahre 1968. Allesamt Vertreter französischer Schulen, denen die symphonische Orgelmusik wesentliche Impulse zu verdanken hat. Von Oppenkowski erprobte den Farbreichtum des Instruments durch unermüdliche Registerwechsel und führte es im Plenum zu einer Klangpracht von heller Brillanz, der man im Kern die barocke Ausrichtung des Instruments anhörte.

Dass Nikolaus Bruhns „Präludium in e“ als einziges authentisches Barock-Werk des Abends eine besonders gute Figur machte, überrascht nicht.

Oliver Scheytt, Vorsitzender des Forums Kreuzeskirche, wies in seinen Begrüßungsworten darauf hin, dass die deutsche Orgelbautradition seit dem letzten Jahr als Weltkulturerbe der Unesco anerkannt wird. Scheytt: „Gibt es einen schöneren Beweis für die Berechtigung dieser Ehrung als unsere Schuke-Orgel?“ Damit hat sie es verdient, dass man das Gestühl der Kirche eigens für das Konzert mit Blick zum silbernen Prospekt richtete, um das Instrument auch optisch in Augenschein nehmen zu können.

Allerdings werden noch 13 000 Euro für die Anschaffung eines mobilen Spieltischs gebraucht, um die Einsatzmöglichkeiten der Orgel voll ausnutzen zu können.