Banken-Fehler und Betrugsmaschen

Die  Leiterin der Beratungsstelle: Margret Schulte.
Die Leiterin der Beratungsstelle: Margret Schulte.
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Was wir bereits wissen
Die Verbraucherzentrale zieht Bilanz: Was 2014 für besonderen Verdruss bei den Essenern sorgte.

Essen.. 39 Jahre gibt es schon die Verbraucherzentrale in Essen. Darüber, dass ihnen die Arbeit ausgehen könnte, müssen sich die Leiterin Margret Schulte und ihre Kollegen allerdings keine Sorgen machen. „Immer mehr Menschen sind nicht in der Lage, ihre Dinge selbstständig zu regeln. Der Unterstützungsbedarf steigt“, sagte Margret Schulte am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2014. Die Hilfe der Verbraucherzentrale reicht dabei vom einfachen Ausfüllen von Formularen bis hin zur komplexen Rechtsberatung. Im Gegenzug nehmen die Abzockversuche unseriöser Unternehmen ebenso wenig ab, wie der Ärger mit Telefon- oder Energieanbietern.

Vodafone auf Platz 1, RWE auf Rang 2

Seit vorigem Jahr nennt die Verbraucherzentrale nicht mehr nur die Top 3 der Themen, die für Verdruss sorgten (siehe Kasten), sondern nennt auch Ross und Reiter. Am häufigsten Anlass für Beschwerden gaben demnach die Unternehmen Vodafone, gefolgt vom Energieversorger RWE und dem Kabelanbieter Unitymedia. Diese Firmen seien vor allem dadurch aufgefallen, dass es Probleme mit der Rechnung gab oder Fragen rund um die Vertragsgestaltung oder -kündigung auftauchten, hieß es.

2014 wandten sich 22.600 Essener an die Verbraucherschützer. Immer dann, wenn es ums liebe Geld geht, dann ist der Rat der Experten besonders gefragt. Eines der Top-Themen, das die Essener neben Telekommunikation und Energie umtrieb, waren fehlerhafte Widerrufsbelehrungen bei Immobilienkrediten. „Wir sind dabei regelrecht überrannt worden“, sagt Margret Schulte. Monatelang gab es Wartelisten für Termine. Den Zulauf hatte der Bundesgerichtshof den Verbraucherschützern bundesweit beschert, nachdem er diverse Formulierungen in Widerrufsbelehrungen der Banken als rechtswidrig abgeurteilt hatte.

Auch ein anderes Bankenthema sorgte für großes Interesse: Viele Essener ließen sich darüber beraten, wie sie unrechtmäßige Bearbeitungsgebühren, die Banken in der Vergangenheit bei Verbraucherkrediten verlangt hatten, zurückfordern konnten. Dabei konnte es je nach Höhe der Kreditsumme um mehrere tausend Euro gehen. Manche Banken, so Margret Schulte zeigten sich kulant, und zahlten die Gebühren ohne Diskussion zurück, mit anderen dagegen mussten die Verbraucherschützer regen Briefverkehr führen.

Stark gefragt war auch die Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale. 6234 Essener, die in der Schuldenfalle stecken, suchten vergangenes Hilfe in der Beratungsstelle. „Der Bedarf ist noch viel größer. Doch mehr schaffen wir personell nicht“, sagte Schuldnerberater Volker Naujok.