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Integration

Bahnhof Altenessen entwickelt sich zur Angstzone

24.08.2010 | 17:55 Uhr
Bahnhof Altenessen entwickelt sich zur Angstzone

Essen.Schlägereien, Drogenhandel, verschüchterte Anwohner: Der Bahnhof Altenessen entwickelt sich zur Angstzone. Libanesische Jugendliche haben das Sagen, schaffen einen rechtsfreien Raum. Die Politik ist mehr als besorgt.

Ihre Einkäufe hat Johanna Utzmann früh erledigt. Abends traut sich die­ ­79-Jährige nicht mehr auf die Straße. „Die kommen von hinten. Schon ist die Handtasche weg“, sagt sie. „Da kann man doch als alte Frau gar nichts mehr machen.“

Die Angst ist nicht aus der Luft gegriffen, sagt Johanna Utzmann und zählt auf: Es fing an mit der gestohlenen Tageszeitung. 30 Mal war die weg – innerhalb von zwei Monaten. Neulich verschwanden aus dem Haus an der Hövelstraße drei Fahrräder. Dazu reihenweise Diebstähle und Schlägereien. „Früher ging die Polizei noch Streife“, sagt Utzmann, die seit 51 Jahren hier lebt. „Heute sieht man hier keinen Polizisten mehr.“

Kriminalität
Polizei gibt sich gelassen

Die Massenschlägerei zwischen zwei libanesischen Familien am 21. Juli wollen SPD, CDU und Essener Bürgerbündnis (EBB) nächsten Dienstag bei der Sitzung der Bezirksvertretung zum Thema machen. Sie fürchten das Entstehen eines „rechtsfreien Raumes, in dem das staatliche Gewaltmonopol bedeutungslos geworden ist“.

Am Mittag des 21. Juli war es an der Altenessener Straße zu einer Massenschlägerei zwischen Angehörigen zweier libanesischer Familien gekommen: Selbst im Beisein der Polizei gingen sie aufeinander los. Ein 18-Jähriger wurde durch einen Messerstich schwer verletzt. Die Polizei berichtete am Abend: „Nur mit erheblichen Kräfteaufwand und Hinzuziehung der Familienoberhäupter und Vermittler gelang es, die Lage wieder zu beruhigen.“

Die Polizei beobachtet den Konflikt aufmerksam, aber gelassen. „Aus polizeilicher Sicht ist das kein Problem“, sagt Polizeisprecher Ulrich Faßbender. „Die beiden Familien haben miteinander Geschäfte gemacht und sich darüber zerstritten. Für Außenstehende bedeutet diese Auseinandersetzung eigentlich keine Gefahr.“

Das sehen Karlheinz Endruschat (SPD), Johannes Werner Schmidt (CDU) und Michael Schwambom (EBB) ganz anders. Die Bezirkspolitiker sprechen von „Angst und Wut“ unter den Anwohnern, die „erheblich in ihren Rechten beschränkt werden“.

Das mag übertrieben sein. Klar ist aber: Die Seniorin wohnt mittendrin im Brennpunkt um den Altenessener Bahnhof, ein Viertel, das die Polizei inzwischen mit blutigen Fehden libanesischer Familien in Verbindung bringt. Auch die Politik ist alarmiert. SPD und CDU in der Bezirksvertretung warnen in nicht selbstverständlicher Einigkeit vor „rechtsfreien Räumen, in denen das staatliche Gewaltmonopol bedeutungslos geworden ist“. Kein schönes Gefühl sei das, sagt Johanna Utzmann.

Die Straßenbahn biegt quietschend in die Endhaltestelle ein

Um den Bahnhof herum dominiert Öde. Ein paar Pendler steigen hier von der S-Bahn in die U-Bahn um. Die Straßenbahn biegt quietschend in die Endhaltestelle ein. Viele Läden stehen leer. Frisör Diana wirbt in arabischer Schrift um Kunden. Ein großer Haufen Melonen blockiert den Bürgersteig. Daneben ein arabischer Imbiss, eine Spielhalle und ein Tattoo-Studio. Vor der Sparkasse steht ein Sicherheitsmann. Er lacht – immerhin.

Hinab in den Untergrund: Das Wegesystem ist weit verzweigt, dunkel, die Ecken nicht einsehbar. „Als Frau traut man sich schon mal gar nicht raus“, sagt eine Pendlerin. Ihr Mann weiß von Beleidigungen zu berichten: „Wer so kurze Haare hat, wie ich, wird als Nazi beschimpft.“ Ihren Namen wollen beide nicht in der Zeitung lesen. Bloß nicht auffallen in Altenessen.

Das andere Bild: Vor dem Bahnhof trägt ein anderes Pärchen seinen Ausländerhass zwischen all den Türken, Libanesen und Marokkanern ganz offen zur Schau: kahlgeschorener Schädel, einschlägig bekannte Kleidung, Pitbull.

Streit zwischen Ausländern und Deutschen gebe es aber fast nie, versichert Naji, der vor einem Süßwarenladen raucht. Er wickelt einen halben Meter Draht von einer Rolle ab und hält ihn sich vor die Kehle. Sieht lebensgefährlich aus und soll es auch sein. „Das brauche ich, wenn’s Krieg gibt“, sagt der 48-jährige gebürtige Libanese. Krieg – der breche für ihn aus, wenn jemand Freunden oder Verwandten zu nahe kommt.

„Ich habe hier keine Angst“

Aus seinem Kiosk am U-Bahnhof hat Ali Demirci einen guten Blick aufs Geschehen. Der junge Kurde steht stolz vor ordentlich ausgerichteten Cola-Flaschen und Zeitschriften. Seit dreieinhalb Jahren sei er hier in Deutschland, sagt der 25-Jährige. Er hat sich eine Existenz aufgebaut, sei gerne Altenessener.

„Ich habe hier keine Angst“, sagt er. Wer freundlich sei, werde genauso behandelt. Wenn aber einer am Kiosk Stress mache, der bekomme es auch mit seinen Freunden und Verwandten zu tun. „Dann gibt’s was auf die Fresse.“ Die Polizei brauche man hier nicht, sagt Demirci. „Sowas machen wir unter uns aus.“

Schon 60 Schlägereien habe er erlebt. Unbeteiligte hätten nichts zu befürchten gehabt. Das sei immer eine Sache unter Gruppen – Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Demirci erklärt, dass jede Kultur eben ihre eigenen Gesetze habe. Das sei auch gut so. Die Jugendlichen erzögen sich sogar untereinander: „Man sagt nicht zu einer alten Oma, dass sie sich verpissen soll.“ Der freundliche Ali bietet dem Besucher zum Abschied einen Kaffee an.

Verfehlte Integration

Ursachensuche: Das Pendler-Paar sieht eine verfehlte Integrationspolitik der Stadt: „Wenn man 16 verschiedene Nationalitäten in einen Wohnblock stopft, passt das nicht.“ Johanna Utzmann will festgestellt haben, dass die Stimmung vor zehn Jahren umkippte, als die U-Bahn nach Altenessen kam.

Eine Lösung sieht Anwohner Dursun Alkan in Überwachungskameras. „Die fehlen am Bahnhof und in der U-Bahn“, sagt der 43-Jährige. „So etwas würde doch abschrecken.“ Er fordert auch mehr Überwachungspersonal. Dann sei den Kriminellen doch schnell ihre Lebensgrundlage genommen.

Ein paar Stunden später, Abend in Altenessen: Johanna Utzmann ist längst in der sicheren Wohnung. Junge Libanesen beherrschen das Umfeld des Bahnhofs. Sie lachen, schauen den Mädchen hinterher, klopfen Sprüche. Wer nicht hierher gehört, fällt sofort auf. Die jungen Männer laufen dem Fotografen hinterher, wollen aufs Foto, zeigen Muckis und Sonnenbrille. Zwei andere holen bereitwillig ein Tütchen mit einem weißen Pulver aus der Tasche, mutmaßlich Kokain. Keine Angst erwischt zu werden? „Hier doch nicht.“

Und die Polizei? Zufall oder nicht: Gerade kommt ein Streifenwagen die Altenessener Straße herunter, biegt ab in den Palmbuschweg. Rechtzeitig vor dem Brennpunkt.

Arne Poll

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Kommentare
25.08.2010
21:46
Bahnhof Altenessen entwickelt sich zur Angstzone
von iltedesco | #99

Es FÄLLT natürlich schwer ;)

25.08.2010
21:43
Bahnhof Altenessen entwickelt sich zur Angstzone
von iltedesco | #98

Wir wären gut beraten, wenn wir uns um einen sachlichen Ton bemühen. Ansonsten geben wir uns keinen Deut besser als die betreffenden Mitbürger in dem Artikel.

Aber ich muss zugeben, dass dies schwer fehlt. Deshalb schwer fällt, weil die Politik weg schaut, weil sie Probleme herunter redet. Vor kurzem nach der Ausstrahlung des Karnaper-Schulfilms passiert! Was kann man daran schön reden? Wenn sich Muslime offen im Fernsehen gegen unsere Gesellschaftsordnung stellen. Darf ich mich als deutscher Bürger dann nicht angegriffen fühlen? Ist es die historische Last, die Politikern das Handeln und ihre Zunge zügelt? Hat niemand anderes, welcher nicht aus der braunen Ecke stammt, den Mumm eines Herrn Sarrazin? Nein, dieser Mann ist beileibe kein Rassist: er ist Realist, welcher eine treffende Analyse geliefert hat. Wir sollten uns mittlerweile insoweit von unserer Geschichte emanzipiert haben, als dass wir seinen Aussagen grundsätzlich zustimmen. Und zwar zustimmen müssen, weil sie eben der Wahrheit entsprechen!

Dennoch: ich kenne eine große Menge muslimischer MitbürgerInnen, welche sehr gut integriert ist. Man sollte sich also vor groben Pauschalisierungen in Acht nehmen. Allerdings ist der Problem-Anteil in dieser Bevölkerungsgruppe auffällig höher als bei anderen Migranten. Polen beispielsweise pflegen einen starken Heimatbezug, aber sind in der Regel gut integriert. Oder nehmen wir den asiatischen Bereich: gab es jemals Problemmeldungen von den über 14.000 in Düsseldorf lebenden Asiaten? Ich kann mich nicht mehr an die Quelle erinnern, aber ich habe gelesen, dass Vietnamesen den größten Anteil der Migrantenkinder mit Gymnasialabschluss bilden. Wurde schon einmal jemand von einer Vietnamesen-Gang bedroht? Offenbar sind diese Menschen nach Deutschland gekommen um sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Bildung wird als essentieller Schlüssel dazu betrachtet, ja in ihrer Kultur hoch geachtet. Gleichzeitig verleugnen sie aber nicht ihre Traditionen. Integration und Tradition - es kann also wunderbar funktionieren.

Wenn dies bei manchen Kurden/Libanesen/Türken... noch nicht angekommen ist, dann muss man diese Probleme besser gestern als heute anpacken, ansonsten wird die Stimmung in der Bevölkerung wirklich irgendwann kippen. Wenn Kirsten Heisig in ihrem Buch von einem libanesischen Vergewaltiger berichtet, der sagt, dass er natürlich im Libanon keine Frau vergewaltigen würde, da man ihn dann seine Männlichkeit abschneiden würde, dann gehört dieser Herr abgeschoben. Das ist nicht rechts, das ist rechtens! Hoffentlich wird er dann im Libanon rückfällig!

Ich verweise in dem Zusammenhang auch noch auf den Bericht Religion, Integration und Delinquenz junger Menschen in Deutschland vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (Google!).

Ohne weiteren Kommentar möchte ich auch noch auf die Überschrift eines kurzen Berichts aus der heutigen WAZ im Bereich Gesellschaft hinweisen:
Christen hoffen auf eigene Kirche in der Türkei.

Prost Mahlzeit, Deutschland!

25.08.2010
20:51
Bahnhof Altenessen entwickelt sich zur Angstzone
von Hans W. | #97

Und wenn ihr es 1000 mal löscht: Ursache ist die mangelnde Integrationswilligkeit von Moslems. Wir brauchen keinen Islam, er ist keine Bereicherung, er ist rückständig, intolerant und menschen- und frauenverachtend

25.08.2010
20:46
Blockierter Kommentar.
von Es reicht langsam mit dem Pack | #96

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25.08.2010
20:46
Blockierter Kommentar.
von Es reicht langsam mit dem Pack | #95

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25.08.2010
20:46
Blockierter Kommentar.
von Es reicht langsam mit dem Pack | #94

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25.08.2010
20:45
Blockierter Kommentar.
von Es reicht langsam mit dem Pack | #93

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25.08.2010
20:45
Blockierter Kommentar.
von Es reicht langsam mit dem Pack | #92

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25.08.2010
20:45
Blockierter Kommentar.
von Es reicht langsam mit dem Pack | #91

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25.08.2010
20:40
Bahnhof Altenessen entwickelt sich zur Angstzone
von Altenessener | #90

Deutschland Erwache!!

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