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Drogerie-Pleite

Ausverkauf - Ansturm auf Schlecker-Filialen in Essen

08.06.2012 | 19:02 Uhr
Lange Schlange, 30 Prozent auf alles: Ein Blick in einen Schlecker-Markt am Freitag. Foto: Jennifer Rüdinger/WAZ FotoPool

Essen.   In Essen schließen die letzten 18 Schlecker-Filialen in drei Wochen. Beim am Wochenende gestarteten Räumungsverkauf standen die Kunden Schlange. Dabei ist die Stimmung betreten, es ist wie auf einer Beerdigung, bei der die Gäste nicht ganz sicher sind, ob sie nicht auch etwas Schuld sind am Tod.

Im März mussten die ersten elf von 29 Schlecker-Märkten in Essen schließen. Als ihr Aus feststand, machten sie vorher alle noch einen Räumungsverkauf, hingen dunkelrote Poster in die Fenster: „30 Prozent auf alles! “ Seit Freitagmorgen, hängen die Poster in den anderen Schlecker -Märkten.

Auf der Rüttenscheider Straße gibt es gleich zwei. Die Kunden stehen Schlange bis ganz hinten, da, wo die Lippenstifte hängen. Man wartet geduldig. Eine Mutter motzt ihr Kind an, „lass’ das liegen!“, andere Leute reden leise. Es lacht: niemand. Vollkommen betreten ist die Stimmung in diesem und wahrscheinlich in allen anderen Schlecker -Märkten, es ist wie auf einer Beerdigung, bei der die Gäste nicht ganz sicher sind, ob sie nicht auch ein bisschen Schuld sind am Tod. Denn jetzt, ja, jetzt kommen sie ja, die Kunden. Doch ändern kann hier sowieso niemand mehr etwas, weder Kunden noch Verkäufer.

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Berlin, 01.06.12: Das Ende der insolventen Drogeriemarkt-Kette Schlecker ist besiegelt, einen Verkauf an Investoren wird es nicht geben – das teilte der Insolvenzverwalter am Freitag mit. Rund 13.200 Mitarbeiter erhalten bis Ende Juni ihre Kündigung.

Ein Herr im feinen Anzug, der so gar nicht hineinpasst in das armselige Ambiente dieses Schlecker-Marktes, greift zu einem Großpack Nivea-Pflege für Männer, es gibt ein Gratis-Trikot darin. Der Herr nimmt jetzt dafür eine gute halbe Stunde Warten in Kauf. Eine Dame mit grauen Haaren erzählt, viele Sachen seien ja vorher schon um 30 Prozent runtergesetzt worden, „aber da stand das immer dran, jetzt ist ja auf alles.“ Eine Mutter kauft sechs Pakete Pampers-Windeln in zwei Größen, bei 8,99 Euro Stückpreis macht der Rabatt richtig was aus. Eine Frau fragt: „Wo sind denn die Einkaufswagen?“ – „Alle unterwegs“, sagt die Frau an der Kasse. – „Und die Körbe?“ – „Auch.“

Gewissheit vermittelt neue Festigkeit

Die Schlecker-Verkäuferinnen sind nicht das, was man geschockt nennt. Dafür geht die Krise sicher schon zu lange. Man hat eher den Eindruck, die Gewissheit, so bitter sie auch ist, vermittelt neue Festigkeit. Ob sie reden könne? „Tut mir leid“, sagt die Kassiererin freundlich, „aber ich hab’ zu viel zu tun, und gleich hab’ ich kurz Pause, ich muss mal was essen und was trinken.“ Es ist halb zwei am Mittag, Schlecker macht morgens um halb neun auf. „Hier jetzt bitte nicht mehr anstellen“, ruft sie freundlich in den Raum. Die Kundin mit den grauen Haaren murrt: „Aber jetzt steh’ ich hier doch schon.“

Die Kunden halten Shampooflaschen und Katzenstreu-Säcke und Babybreigläser in ihren Händen, türmen es auf ihre Arme, Wagen und -körbe sind ja alle besetzt. Irgendwo kracht eine Packung „Aronal“ auf die Fliesen. „Lass’, ich heb’ auf“, sagt jemand leise.

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Berlin, 08.06.12: Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat die entlassenen Mitarbeiterinnen der Drogeriemarkt-Kette Schlecker dazu aufgerufen, in strukturschwachen Regionen eine Umschulung zur Erzieherin oder Altenpflegerin in Erwägung zu ziehen.

An der Kasse will eine Kundin mit ec-Karte bezahlen. Die Kassiererin hantiert mit dem Lesegerät, dann fängt der Bon-Drucker an zu drucken und hört nicht mehr auf. Minutenlang schreit der Nadeldrucker. Wer den Vorgang beobachtet, sieht, dass die Kasse von einem Computer angetrieben wird, dessen Gehäuse noch ein Laufwerk für Dreieinhalb-Zoll-Disketten hat. Dreieinhalb-Zoll-Disketten waren ein wichtiges Datenspeichermedium bis ungefähr Mitte der Neunziger Jahre, keinesfalls länger.

Schlecker streikt in NRW

Eine Kundin sagt zur Kassiererin: „Alles Gute für Sie, für Euch ist das jetzt ja auch nicht leicht.“ – „Danke“, sagt die Kassiererin freundlich und tippt weiter. Als hätte sie sich längst mit allem abgefunden.

Martin Spletter


Kommentare
11.06.2012
02:10
Ausverkauf - Ansturm auf Schlecker-Filialen in Essen
von dummmberger | #1

".....sieht, dass die Kasse von einem Computer angetrieben wird, dessen Gehäuse noch ein Laufwerk für Dreieinhalb-Zoll-Disketten hat. Dreieinhalb-Zoll-Disketten waren ein wichtiges Datenspeichermedium bis ungefähr Mitte der Neunziger Jahre, keinesfalls länger."

Auch wenn Disketten schon in den 90ern immer mehr an Bedeutung verloren haben, waren viele PCs bis vor wenigen Jahren noch standardmäßig mit einem Diskettenlaufwerk ausgerüstet.

Wenn man schon meint, hier abfällige Bemerkzúngen über den technischen Stand der Schlecker-Märkte machen zu müssen, sollte man sich zumindest vorher schlau machen.

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