Ausbildungstag der Essener Agentur für Arbeit stellte 100 Berufe vor

An 32 Ständen konnten sich künftige Schulabgänger über 100 verschiedene Berufe informieren.
An 32 Ständen konnten sich künftige Schulabgänger über 100 verschiedene Berufe informieren.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
An 32 Ständen konnten sich Jugendliche auf dem Ausbildungstag in der Agentur für Arbeit informieren. Rund 100 Berufe wurden vorgestellt. Durch den doppelten Abiturjahrgang ist der Konkurrenzdruck für die jungen Menschen besonders hoch.

Essen.. „Ja Mama, da geh’ ich auch noch hin.“ Die gequälte Antwort eines jungen Mannes auf den Hinweis der Frau Mama, diesen oder jenen der 32 Stände auf dem Ausbildungstag in der Agentur für Arbeit noch aufzusuchen, hörte man öfter. „In die richtige Richtung stupsen“ nennen Erziehungsberechtigte solche Hinweise, „uncool“ eher die Heranwachsenden. Und doch gilt es, die elterlichen Tipps zu beherzigen und den Ernst der zukünftigen beruflichen Situation zu erkennen.

Denn: Die Konkurrenten-Schwemme durch den doppelten Abiturjahrgang im nächsten Jahr ist groß, die Reaktion der Jugendlichen auf diese Situation ist unterschiedlich, erklärt Organisatorin Birgitt Bongers: „Das bewegt sich zwischen zwei Extremen: Bei den einen erzeugt es immensen Druck, bei den anderen eine Verweigerungshaltung, sich nicht mit dieser Zukunftsfrage zu beschäftigen.“ Beiden Gruppen wollte man mit dem fünften Ausbildungstag, auf dem knapp 100 Berufe vorgestellt wurden, helfen.

Die Sorge vor dem Numerus clausus

Für zweieinhalb Stunden verwandelte sich dafür das Erdgeschoss der Arbeitsagentur in eine Jobbörse. Öffentlicher Dienst, Gesundheitsbranche, Medienindustrie, Energieunternehmen? Ausbildung oder duales Studium? Den künftigen Abiturienten, aber etwa auch Studienabbrechern, bot sich die volle Vielfalt der Ausbildungsberufe. Das gestiegene Interesse an einer Lehre hänge auch mit der prekären Situation an den Unis zusammen, hieß es: „Erzählen Sie mal einer 16-Jährigen, dass sie vielleicht selbst mit einem 1,4er-Abi keinen deutschen Studienplatz bekommt wegen der Zulassungsbeschränkungen“, berichtet Bongers.

„Man denkt, man schafft das schon – trotz Doppelabi-Ansturm“, sagt Christopher Söntgerath (20) über die Ausbildungsplatz-Suche. Selbstzweifel hört man dennoch zwischen den Zeilen. Und auch in so entspannten Plaudereien, wie sie Madeleine Korbuß (18) vom Don-Bosco-Gymnasium mit ihren Freunden führt, mischt sich die Sorge: „Wir sind wohl viel zu entspannt“, meint eine ihrer Freundinnen. Sie wolle sich erstmal generell informieren, sagt Madeleine. Der Numerus clausus an der Uni schreckt sie ab, so dass sie überlegt, nach dem Abi erstmal für eine Zeit ins Ausland zu gehen: „Dann habe ich genügend Zeit, etwas für mich zu finden – und zwei Wartesemester gesammelt, falls ich doch studieren will.“

Bewerbungen direkt vor Ort abgegeben

Einige Entschlossene gibt es an diesem Tag aber doch, sie liefern selbstsicher ihre fertige Bewerbung ab, wissen über das Unternehmen Bescheid und nutzen die Gelegenheit, einen Eindruck bei den Personalabteilungen zu hinterlassen. „Es wurden in der Vergangenheit auch schon über unseren Ausbildungstag Bewerber und Arbeitgeber zusammengebracht“, sagt Birgitt Bongers. Andere Unternehmen verweisen lieber auf die Bewerbung per Internet: „Um dem Ansturm Herr zu werden“, so die Erklärung. Ein weiterer Effekt der 2013 fast doppelt so hohen Abgängerzahl.

Beim Sutter Telefonbuchverlag an der Bottroper Straße schlägt sich das auch in Zahlen nieder: „Wir haben bereits vor dem eigentlichen Bewerbungsansturm im Herbst so viele Interessenten wie im vergangenen Jahr“, sagt die Auszubildende Lea Berendonck, die sich mit Sabine Westphal aus der Personalabteilung um die Wissbegierigen kümmert. Der Renner sei die duale Ausbildung, da viele nicht auf ein Studium verzichten wollten. Mit guten Noten, einer fehlerfreien Bewerbung, einem unterschriebenem Lebenslauf und Interesse am Beruf räumt Westphal Kandidaten gute Chancen ein. „Bloß kein Standardschreiben schicken, sondern sich lieber vorher über den Betrieb informieren,“ rät Lea Berendonck.

"Man muss auf Augenhöhe bleiben"

Um Hemmschwellen zu senken, holen viele Unternehmen nicht nur ihre Lehrlinge ins Werbe-Boot, sondern setzen, wie das Finanzamt oder die Pharmagenossenschaft Noweda, auf junges Blut bei den Personalern. „Die meisten können mit uns vom Namen her nichts anfangen“, sagt Noweda-Mitarbeiter Lars Zabinski (28). Der Pharmahändler platzt in Altendorf aus allen Nähten, ist auf Wachstumskurs. Zabinski berichtet von guten Gesprächen: „Man muss auf Augenhöhe bleiben, sonst trauen sich die Schüler nicht, an die Stände heranzutreten.“ Der erste Eindruck ist bekanntlich wichtig. Und der hat gestimmt, sagt eine andere Personalerin: „Das Gefühl, ich muss mich fürs nächste Jahr mehr bemühen, ist bei den Jugendlichen angekommen.“

Service: Kostenlose Seminare zur richtigen Bewerbung

In den Herbstferien bietet die Arbeitsagentur ein kostenloses dreiteiliges Seminar „Die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz“ an. Ziel ist es, Bewerber auf aktuelle Anforderungen vorzubereiten. Teil 1 – die „perfekte“ Bewerbungsmappe – steht am 16. Oktober, 10 bis 13 Uhr, auf dem Programm. Bereits erstellte Unterlagen sollen mitgebracht werden. Teil 2 – „Auswahltest und Vorstellungsgespräch“ – steht am 17. Oktober von 10 bis 13 Uhr im Fokus. Teil 3 – „Das Assessment Center“ – beschließt die Reihe am 18. Oktober, 10-13 Uhr.

Alle Seminare finden in Raum 0900 im Erdgeschoss der Arbeitsagentur am Berliner Platz statt. Die Verantwortlichen bitten um Anmeldung für alle gewünschten Seminarteile bis 14 Tage vor der Veranstaltung: essen.abiberatung@arbeitsagentur.de. Name, Anschrift, Schule sowie Telefonnummer und die gewünschten Seminare sollten genannt werden. Bestätigungen gibt es ebenfalls per E-Mail. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.