Aus der Not eine Tugend

Nicht wenige finden erst unter höchstem Druck zu einer befriedigenden Form. Möglich, dass Oberbürgermeister Reinhard Paß zu diesem Typus gehört. Bei den bisherigen zwei Regionalkonferenzen der Essener SPD scheint es Paß jedenfalls gelungen zu sein, mehr als nur die ohnehin schon halb Überzeugten auf seine Seite zu ziehen. Wer weiß: Hätte der OB zeitig den Segen strategischer Kommunikation erkannt, wäre es vielleicht nie zu diesen Kandidatenrennen gekommen, das für die SPD wie auch für die Hauptbeteiligten nach wie vor große Risiken birgt. Mit den Konferenzen hat die SPD aus der Not eine Tugend gemacht. Die rund 4150 Mitglieder rennen der Partei zwar nicht gerade die Bude ein, aber das Angebot der offenen Aussprache und der anschließenden Basisentscheidung ist noch das Beste, was die verfahrene Lage hergab.

Wo Paß ungewohnt positiv überraschte, blieb Angelika Kordfelder offenbar ebenso überraschend schwach. Auch das hatten sich ihre „Erfinder“, allen voran Parteichefin Britta Altenkamp, vermutlich anders vorgestellt. Aber abgerechnet wird am Schluss.