Aus dem Leben eines Frauenhelden
22.02.2009 | 16:43 Uhr 2009-02-22T16:43:00+0100Michael Jary hatte sie alle – alle Hits der frühen Nachkriegszeit. „Die Beine von Dolores” im Theater im Rathaus rückt seine musikalischen Musen in den Mittelpunkt
Kein Kind von Traurigkeit, dieser Michael Jary. Unzählige Frauengeschichten sagt man dem großen Schlagerkomponisten der 40er- und 50er-Jahre nach. „Ohne die Gesellschaft einer Frau kann ich nicht komponieren”, soll er mal gesagt haben. So schmücken große Namen der Schlagerwelt wie Zarah Leander oder Evelyn Künneke die lange Liste seiner Verflossenen.
Als musikalische Revue inszeniert Regisseurin Petra Dannenhöfer „Die Beine von Dolores”, das gerade am Theater im Rathaus uraufgeführt wurde. Gunther Emmerlich führt durch das üppig gespickte Programm, in dem man sie alle wieder trifft: Heidi Brühl (Josefine Nickel) schmachtet als unschuldig-naiver Backfisch den Grand-Prix-Hit „Wir wollen niemals auseinandergehen”, Zarah Leander (Tanja Maria Froidl) verkörpert mit Zigarette und Schlafzimmerblick den Inbegriff der verruchten Femme Fatale, Evelyn Künneke (Annette Mayer) spielt mit Herz und Berliner Schnauze die Rolle der ewig Wartenden, und die rassige Italienerin Rosita Serrano erlaubt mit „Roter Mohn” ein wenig Verdrängung der deutschen Kriegsrealität.
Raffiniert werden in den losen Erzählsträngen Popkultur und Fiktion miteinander verwoben. Nicht unwahrscheinlich, dass es unter den illustren Damen „Zickenalarm” gegeben hätte, wenn sie tatsächlich aufeinander getroffen wären. Denn so unterschiedlich sie waren – Michael Jary war das verbindende Element in ihrem Leben. Zahllose Ohrwürmer hatte er ihnen auf den Leib geschrieben und sie so unsterblich gemacht. Doch wurde dem Komponisten nichts geschenkt. Die Nazis schmähten seine Werke als „Musikgestammel eines polnischen Juden”.
Die zeitlich stimmigen Kostüme von Heike Seidler, tänzerische Präzision und eine exzellente Band machen „Die Beine von Dolores” zu einer schillernden Musikrevue der Extraklasse. Für die einen ein Wiedersehen mit alten Bekannten, für die anderen vielleicht eine Neuentdeckung alten Liedguts.
0mitdiskutieren