Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Finanzpolitik

Aufregung um höhere Theater-Preise

05.11.2009 | 13:56 Uhr
Aufregung um höhere Theater-Preise

Essen. Der Vorstoß des neuen Essener Kämmerers, Lars Martin Klieve, angesichts der hohen Defizite im städtischen Haushalt die Eintrittspreise für Philharmonie, Oper, Theater und Ballett deutlich zu erhöhen, hat in der Stadt eine breite Debatte ausgelöst.

Dabei erntet Klieve zwar scharfe Gegenstimmen aus der Kulturszene, findet aber trotz seines unpopulären Vorschlags durchaus Unterstützung aus der Wirtschaft und der Politik. Vielen führenden Repräsentanten der Stadt ist offensichtlich die Finanzmisere Essens mit einem Schuldenberg von 3 Milliarden Euro sehr bewusst.

So halten sowohl SPD-Fraktionschef Thomas Fresen als auch CDU-Fraktionschef Thomas Kufen eine Prüfung der Ticketpreise für sinnvoll. „Die Eintrittspreise dürfen kein Tabu sein, darüber muss man diskutieren”, meint Fresen. Dabei seien allerdings soziale Aspekte zu berücksichtigen. Kufen meint: „Man muss sich das Ganze im Einzelfall anschauen.” Einen konkreten Vorschlag des Kämmerers werde man genau prüfen.

Auf Ablehnung stößt Klieve bei der städtischen Gesellschaft „Theater und Philharmonie” (TuP). „Die TuP war schneller als der Kämmerer und hat bereits zu Beginn der Spielzeit die Preise spürbar erhöht. Eine erneute Anhebung ist nicht vermittelbar”, meint Aalto-Sprecher Reinhard Beuth im Namen der TuP.

Der Vorschlag des neuen Essener Finanzchefs ist eben sehr konkret und deutlich - und deshalb angreifbar. Gleichwohl zeigen erstaunlich viele Menschen in Essen auch Verständnis für die Idee, mehr Geld für hochwertige Kulturveranstaltungen in der Oper, Philharmonie und im Theater zu verlangen. So schreibt etwa unsere Leserin Julia Schlusen: „Der Benzinpreis liegt bei fast 1,40 Euro - und trotzdem fahren die Leute mit ihrem Auto. Entweder geht man gerne ins Theater oder nicht - und wenn ja, wird der Liebhaber auch die Eintrittspreise nicht scheuen.”

Auch vom früheren Kulturdezernenten, Oliver Scheytt, dem heutigen Geschäftsführer der Ruhr2010-GmbH, gibt es keine schroffe Ablehnung. Er gibt aber zu bedenken: „Es sollte immer die soziale Verträglichkeit gewahrt bleiben, indem beispielsweise die unterste Preisklasse auf ihrem niedrigen Niveau bleibt. Nur so können wir den Anspruch einlösen, eine Kulturhauptstadt für alle Menschen zu sein.“ Ebenso sagt SPD-Fraktionschef Thomas Fresen: „Durch eine Veränderung der Ticketpreise dürfen Bevölkerungsgruppen nicht davon abgehalten werden, Kulturveranstaltungen zu besuchen.”

Dass die Stadt-Politiker bei einem prognostizierten 400 Millionen Euro Defizit für 2010 handeln müssen, scheint allen Beteiligten klar zu sein.

So sieht denn auch Gerald Püchel, Hauptgeschäftsführer der IHK Essen, bei den Entgelten für Leistungen der Stadt und ihrer Gesellschaften insgesamt Handlungsbedarf. „Man muss über alles nachdenken, aber dann nicht nur über die Eintrittspreise zu den Spielstätten der Theater und Philharmonie GmbH, sondern auch über alle anderen öffentlichen Dienstleistungen”, so Püchel.

Ins gleiche Horn bläst auch Udo Bayer, Fraktionschef des Essener Bürgerbündnisses. „Die notwendigen Sparbemühungen müssen auch die Einnahmen im Blick behalten. Es darf keine Tabuzonen mehr geben. Die Eintrittspreise können angehoben werden - Maßstab sollten dabei Ticketpreise kommerzieller Anbieter sein.” Allerdings sollten Kartenpreise weiterhin sozial gestaffelt sein, meint Bayer.

Auch der jüngste Ratsherr der Stadt, der FDP-Politiker Andreas Hellmann, stellt sich hinter die Forderung nach einer Preiserhöhung. „Die Haushaltslage der Stadt Essen ist so desolat, dass jede Möglichkeit zu einer Verbesserung genutzt werden muss. Die Qualität der städtischen Kultur muss sich nicht vor der privater Anbieter verstecken.”

Aalto-Theater-Intendant und Generalmusikdirektor Stefan Soltesz findet die Debatte dagegen schrecklich. „Ich finde ganz furchtbar, wie in dieser Diskussion völlig unterschiedliche Kategorien vermischt werden: Schwimmbäder, kommerzielle Musicaltheater und das Aalto-Theater als ein Betrieb, der einen Kulturauftrag erfüllt. Dieser Kulturauftrag ist doch einer der Grundwerte dieses Staates und Begründung für subventioniertes Theater. Nur dadurch wird die hohe künstlerische Qualität für jedermann erschwinglich.” Alle TuP-Sparten versuchten „mit einigem Erfolg ein abwechslungsreiches Programm zu bieten.” Das breite Kinder- und Jugendprogramm etwa generiere keine Einnahmen, sei also voll auf Subvention angewiesen.

Zudem hält die TuP-Geschäftsführung eine erneute Preiserhöhung für gefährlich. „Jede Anhebung ist ein wirtschaftliches Risiko: Wenn durch Preiserhöhungen die Zahl verkaufter Karten sinkt, können trotz höherer Preise die Einnahmen sinken”, sagt Aalto-Sprecher Reinhard Beuth für die TuP. Zudem erfülle die TuP unter großer Anstrengung die Sparauflagen seitens der Stadt und halte sich an die Etatdeckelung. „Daher ist eine Diskussion über Preiserhöhungen unverständlich.”

Peter Szymaniak

Facebook
 
Kommentare
21.11.2009
23:00
Aufregung um höhere Theater-Preise
von norma | #24

Intendantengehalt runter und stärkerer Wettbewerb unter den Häusern könnten den Leistungsansporn steigern.

20.11.2009
14:50
Aufregung um höhere Theater-Preise
von rambow | #23

Selbstverständlich dürfen die Preise für subventionierte Kultur nicht nach denen von Privattheatern bemessen werden. Während ein Musicaltheater lediglich Entertainment leistet, hat ein öffentlich gefördertes Haus einen gesellschaftlichen Auftrag und der muss jedem zugänglich sein. Das bedeutet konkret, dass die unterste Preiskategorie (egal ob Sprechtheater, Oper, Ballett oder Konzert) keinesfalls über zehn Euro liegen darf.

11.11.2009
00:24
Aufregung um höhere Theater-Preise
von Rheingold | #22

Erst stirbt die Kultur, dann das Volk.

Gute Besserung.

10.11.2009
21:30
Aufregung um höhere Theater-Preise
von Ein Betroffener | #21

Als Fan von RWE aus alten guten Zeiten von Willi Lippens kann ich nur sagen, schließt einen dieser hochsubventionierten Kutlurbetriebe und baut endlich ein Stadion.

Wer erinnert sich noch an die Zeiten als RWE auf Augenhöhe mit Schalke 04 spielte. Da waren mehr Zuschauer an einem Wochenende im Stadion als in einem Monat im Theater.

Aber erhaltet bitte auch einen Teil der Kultur für unsere Kinder. Mein erstes Stück war Kabale und Liebe mit unserem Deutsch Leistungskurs,

10.11.2009
19:56
Aufregung um höhere Theater-Preise
von bugmenot | #20

Können Sie mal im Klartext sagen was Sie eigentlich wollen? Ich verstehe nicht den Sinn Ihres Beitrages.

10.11.2009
18:04
Aufregung um höhere Theater-Preise
von Heinrichshüttenmann | #19

@#18: Mit dem auch garnichts verstanden(bitte Suchfunktion im Browser benutzen!) können Sie sich auch nicht mit unterschiedlichen Nicknames rausreden - diejenigen, die es betrifft, wissen was los ist und wessen Interessen sie zu schultern haben.....
damit ist bald Schluß!!!

09.11.2009
14:06
Aufregung um höhere Theater-Preise
von bugmenot | #18

Selten einen solchen Schwachsinn gelesen. Die TuP hat weit über 100.000 Besucher, ein großer Teil davon Jugendliche. #17 hat nichts, aber auch garnichts verstanden.

09.11.2009
10:59
Aufregung um höhere Theater-Preise
von Höhner | #17

Die TuP wird per anno mit 50 Mio Euro subventioniert. Die Besucher dieser Häuser macht vielleicht 5% der Essener Bevölkerung aus.- Man sollte meinen -ein bischen viel Geld- für relativ wenig Einwohner der Stadt. Für ein neues Stadion für 30 Mio Euro einmalig ist angeblich kein Geld da; für Subventionen der TuP und demnächst ach fürs Folkwang-Museum sind jährliche Folgekosten von insgesamt 57 Mio Euro normal. Wer soll das noch verstehen. Duch diesen Mißzustand zwischen Ober-und Unterschicht wird es in Zukunft noch zu erheblichen sozialen Unruhen kommen. Evtl auch schon im Kulturhauptstadtjahr 2010.

08.11.2009
01:12
Aufregung um höhere Theater-Preise
von dasKollektiv | #16

Schulen, Sportplätze, Bibliotheken, Schwimmbäder usw., Essen bekommt noch alle Jungen Familien weg. Steuereinnahmen lassen sich aber nicht nur durch Gewerbe realisieren...

07.11.2009
22:52
Aufregung um höhere Theater-Preise
von Karl_Weber | #15

#14 - Sie haben ja so Recht: beim Formel 1 - Rennen sind Sie bestens aufgehoben. Da muß man wenig bei denken, die Handlung dieser Veranstaltungen werden Sie immer verstehen. Wieviel Lichtjahre sind Sie doch vom vielseitigen Programm der Tup entfernt. Schade.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/301748/create

Aktuelle Fotos und Videos
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
30. Pfingst Open Air
Bildgalerie
Festivals
Aus dem Ressort
Jäger und Landwirte retten Rehkitze in Essen vor Heuernte
Rehkitz-Rettung
Für Kitze wird die Heuernte zur Lebensgefahr, wenn die Ricke sie im Gras abgelegt hat. Die tierschutzgerechte Frühmahd, wie Jäger die Kitz-Rettung nennen, ist im Laufe der Jahre mit ständig größer werdenden Landmaschinen und schneller fahrenden Traktoren immer wichtiger geworden.
Ruhrmuseum und Kinemathek zeigen alte Krupp-Filme
Krupp
Im Rahmen der Ausstellung „200 Jahre Krupp“ haben Ruhrmuseum und Kinemathek im Ruhrgebiet sieben Kinoabende auf Zollverein und in der Lichtburg mit Filmen von und über Krupp zusammen gestellt. „In dieser Fülle hat es das bisher nicht mal im Ansatz gegeben“, sagt Museumschef Heinrich Theodor Grütter.
Foto Text