Auf Stöckelschuhen über Stock und Stein

Eisbär Knut und eine Gruppe von Kindern auf dem Weg zur Isenburg.
Eisbär Knut und eine Gruppe von Kindern auf dem Weg zur Isenburg.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der 45. NRZ-Wandertag war auch in diesem Jahr ein Spektakel für die ganze Familie. Beim traditionellen Lauf um den Baldeneysee darf der Haushund daher nicht fehlen. Im Ziel gab es natürlich auch für alle Vierbeiner eine Erinnerungsmedaille.

Essen..  Für „Barclay“ ist es der erste Wandertag. Das Laufen wurde ihm allerdings in die Wiege gelegt – schließlich ist „Barclay“ ein irischer Wolfshund. „Fünf Kilometer macht er am Tag sicherlich“, versichert Besitzerin Melanie Zeller. Jetzt ist er allerdings etwas erschöpft, die Sonne brennt heiß auf sein dickes Fell. Elf Kilometer hat Familie Zeller zurückgelegt. Am Halsband trägt „Barclay“ stolz die entsprechende Wandermedaille. Auch zahlreiche andere Hunde haben eine Auszeichnung erhalten. Die meisten Artgenossen haben sich aber ein schattiges Plätzchen unter einer Bierbank gesucht.

Ein paar Meter weiter lassen sich Anna und Manuela Kerkhoff zeichnen. Die 59-jährige Manuela ist bereits fertigt. Jetzt schaut sie zu, wie ihre Tochter von einem Karikaturisten verewigt wird. Die beiden Frauen haben noch nie einen Wandertag ausgelassen – egal ob Regen oder Sonne. Anna hat bereits 27 Wanderurkunden gesammelt. „Streng genommen war sie aber 28 Mal dabei“, erklärt Manuela Kerkhoff. „Das erste Mal in meinem Bauch.“ Dann lachen beide laut. Für Mutter Kerkhoff ist es der 45. Wandertag. Am Anfang ist sie mit fünf Schulfreundinnen mitgelaufen – „weil es witzig war“, sagt sie rückblickend. Mittlerweile ist es eine feste Tradition.

Im Kettenhemd auf der Isenburg

Zu den Stammgästen zählt auch Frank Siebrandt aus Steele. Der 54-Jährige kommt auf 44 Wandertage. Nur beim allerersten NRZ-Fest, erinnert sich Siebrandt, trauten ihm seine Eltern die ganze Strecke noch nicht zu. Im Jahr darauf durfte er dann doch mit und ist seitdem immer 20 Kilometer gelaufen. Heute sind es ausnahmsweise nur elf – am Nachmittag hat er noch einen Termin in der Stadt. „Früher galt Wandern noch als exotisches Hobby. Die Leute liefen hier sogar in Stöckelschuhen über den matschigen Boden“, so Siebrandt, der selbst solide Wanderstiefel angezogen hat. „Inzwischen ist das alles viel professioneller geworden.“

Wahrscheinlich ist es auch etwas bequemer geworden – jedenfalls im Vergleich zum Mittelalter. Um genau diese Epoche dreht sich nämlich die Kindertour zur Isenburg. „Ihr seid heute alle so bunt angezogen“, stellt eine Museumspädagogin im Knappenkostüm fest. „Das konnten sich damals nur die Fürsten leisten, denn Farben waren sehr teuer.“ An der Burgruine angekommen, schlüpfen die Kinder nacheinander in ein Kettenhemd. Etwa zwei Kilometer sind es von hier zurück in den Zielbereich. Schon von weitem hört man die Live-Band spielen. Gleich daneben steht Eisbär Knut und winkt.