Auf dem Weg zur Schlafstadt

Über 70 Kneipen und Gaststätten soll Kettwig einmal gehabt haben. Alte Kettwiger schwärem davon, können sie alle aufzählen. Das Treppchen, die Wellmuth, der Trotzkopf, die Altbierstuben, das Podium. Viel Platz war da für Geselligkeit. Fürs Feierabendbier, den Frühschoppen, die Vereinsstammtische. Aber auch für Live-Musik und richtig gute Feten. Heute kann man die noch vorhandenen Tresen fast an einer Hand abzählen. Und von denen, die noch da sind, werden nicht alle bleiben. Das Kneipensterben in Kettwig wird mehr und mehr zum Thema. Dabei macht bei den Kneipen die Masse die Klasse, bestimmt die Auswahl die Resonanz. Wo viele Kneipen sind, kommen viele Gäste. Siehe Rüttenscheid. Dorthin zieht es die Kettwiger besonders an den Wochenenden. Wer einmal weg ist, kommt nicht wieder? Stimmt so nicht. Das Angebot muss attraktiver werden, breiter gefächert, Gästen jeden Alters etwas bieten. Doch dazu müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Musik, Raucher vor der Tür - das stört die Nachbarn. Zu hohe Pachten - das knebelt die Pächter. Jede Kneipe, die Kettwig verloren geht, nimmt dem Stadtteil ein Stück Identität.