Auch der Nachwuchs hat Spaß am Angeln

Werden..  Der Fischereiverein Essen-Werden hat eine lange Tradition. Seit mehr als 90 Jahren angeln die Mitglieder des Vereins zwischen dem Baldeneysee und dem Kettwiger Stauwehr. Aktuell zählt der Verein circa 250 Mitglieder – und weil die Angler sich im Juni 2006 mit dem Verein „Kanufreunde Essen“ zusammengetan haben, kommen noch einmal 50 Kanuten hinzu.

Großer Wert wird beim Fischereiverein Essen-Werden auf die Jugendarbeit gelegt. Junge Leute zeigen offenbar verstärkt Interesse an der Fischerei, die Mitgliederzahlen steigen – obwohl sie mit ihrem Jugendfischereischein nur in Begleitung ihre Ruten auswerfen dürfen. „Bei uns im Verein gibt es einen festen Kern an jungen Anglern im Alter von zehn bis 16 Jahren, und die Tendenz ist steigend“, sagt Ulrich Bohnen (58), der Erste Vorsitzende des Vereins. Um den Nachwuchs bei Laune zu halten, gibt es im Jahresverlauf viele Veranstaltungen: Gemeinsame Angeltermine, Ausflüge zu Forellen-Teichen und ein mehrtägiges Angel-Camp im Sommer.

Der Großteil der Mitglieder ist jedoch schon im fortgeschrittenen Alter. „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, entdecken viele Ältere das Angeln als Zeitvertreib“, sagt Bohnen. Oft seien sie zuvor bereits mit dem Sport in Kontakt gekommen. Doch erst mit dem Eintritt in das Rentenalter hätten sie auch wieder die nötige Zeit.

Abschalten und entspannen

„Ich selbst habe leider viel zu wenig Zeit zum Angeln“, sagt Bohnen, der durch das Hochseefischen auf der Ostsee Spaß am Angelsport gefunden hat. Einmal im Jahr fährt er zum Fischen nach Norwegen. Dabei vergisst er aber nicht, dass auch die heimischen Gewässer einiges zu bieten haben: „Immer, wenn ich einen Tag an der Ruhr verbracht habe, fühlt es sich an, als hätte ich einen Tag Urlaub gemacht.“ Ob er am Ende des Tages einen Fisch am Haken hat, werde dadurch zur Nebensache. Es gehe darum, abzuschalten – zu entspannen. Am Wasser gelinge das besonders gut.

Fangen könne man als Angler an der Ruhr aber eine ganze Menge: Paul Kerle (65), Geschäftsführer des Fischereivereins Essen-Werden, berichtet von bis zu zwei Meter langen Welsen und kapitalen Karpfen. Auch Hecht, Zander, Barsche und Forellen landen am Haken. Und nachts könne man Aale fangen.

Paul Kerle ist an der Ruhr groß geworden. Schon als Kind hat er sich seine erste eigene Angel gebaut: „Ein Stock, eine Schnur, ein Haken – so ging das los. Das ist jetzt 50 Jahre her“, sagt Kerle. Gerade erst wurde er bei der Hauptversammlung des Vereins für seine jahrelange Treue geehrt.

Der Angelsport sei ein Sport, den jeder ausüben kann, betonen die beiden Vorstandsmitglieder. Selbst eine Behinderung müsse niemanden vom Fischen abhalten. So gehen die Vereinsmitglieder regelmäßig mit etwa zehn Bewohnern der Heidhauser „Jona-WoGe“, einer Einrichtung für Menschen mit geistigen und manchmal auch körperlichen Behinderungen, zum Angeln. Früher stand im Landesfischereigesetz, dass Menschen mit einer geistigen Behinderung nicht angeln dürfen. Ulrich Bohnen, selbst Vater eines behinderten Sohns, wollte das nicht akzeptieren – er engagierte sich, brachte das Thema in die Medien, trat eine Debatte los. Mit Erfolg. 2002 wurde das Gesetz geändert. „Mein Sohn wurde daraufhin sofort in den Verein aufgenommen.“

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