Auch Bestatter gehen mit der Zeit

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Frillendorf..  Wirklich etwas zu tun haben möchte man mit Sabine Sanheim im Grunde lieber nicht. Zumindest nicht mit ihrem Beruf. Die attraktive und sehr aufgeschlossene junge Frau aus Frillendorf ist Bestatterin – und Essens erste weibliche und staatlich anerkannte Bestattungsfachkraft.

Eigentlich wollte die 32-Jährige mal als Zahntechnikerin ihr Geld verdienen, aber als sie gelegentlich im von ihrer Uroma Maria Masermann 1940 gegründeten Bestattungsunternehmen Masermann-Neumann aushalf, wurde ihr doch irgendwann klar: „Hier gehöre ich hin.“ Seit 2013 führt Sabine Sanheim das 75 Jahre alte Unternehmen nun in der vierten Generation – als vierte Frau. „Vor allem damals war es recht ungewöhnlich, dass eine Frau den Betrieb leitete und der Mann sich um Haushalt und Kinder kümmerte“, weiß die Chefin aus Erzählungen. Diese Rollenverteilung wurde bei Masermann-Neumann in den letzten Jahrzehnten strikt und konsequent durchgezogen. Damit hat auch Sabine Sanheims Mann Martin kein Problem.

Der freiberufliche Grafikdesigner kümmert sich um die Internetseite des Bestattungsunternehmens, hilft mal als Sargträger aus, fotografiert für das Familienunternehmen und schmeißt zudem den Haushalt. Auch an dem fast abgeschlossenen Umbau der betrieblichen Räumlichkeiten war der 33-Jährige maßgeblich beteiligt. Aus dem vormals dunklen Besprechungsraum für Trauergespräche wurde nun ein freundliches Zimmer mit weißen Möbeln.

Gegenüber befindet sich der Ausstellungsraum für Särge und Urnen; die Wände gestrichen in einem zarten Mint. Und selbst die ausgestellten Särge sind längst nicht mehr nur schwarz, sondern auch mal grün mit ein wenig Glitzer, rot oder gar im angesagten Shabby-Vintage-Look. Sanheim: „Was den Trend bei den Särgen angeht, so orientieren sich die Hersteller meist an der Möbelindustrie.“ In Zukunft wird sie ihren Kunden auch die Möglichkeit bieten, Särge selber zu bemalen.

Die Bestattungskultur habe sich zweifellos gewandelt. Natürlich wünschen viele noch die klassische Trauerfeier mit Streuselkuchen und Filterkaffee, aber es kam auch schon vor, dass am Grab des Verstorbenen ein Fässchen Bier angeschlagen und „Hells Bells“ von AC/DC gespielt wurde. „So etwas hätte sich meine Oma natürlich nie getraut, so etwas hätte es früher auch nie gegeben“, so die Bestattungsmeisterin. Heute sei es den meisten Angehörigen aber immens wichtig, die Beerdigung so persönlich wie nur eben möglich zu gestalten. Wenn der Verstorbene gerne Motorrad gefahren ist – warum dann nicht das Motorrad in der Trauerhalle aufstellen?

„Die Tradition von Masermann-Neumann bewahren und mit der Zeit gehen“, lautet die Philosophie des Unternehmens. Wohl möglich, dass dieses Motto eines Tages von Alice oder Maia Sanheim weitergeführt wird. Mit den beiden Töchtern als Nachfolgerinnen läge das Bestattungsunternehmen dann in der fünften Generation in weiblichen Händen.

„Frauen haben mehr Verständnis für die ganze Gefühlsebene und für die Störung der gesunden Psyche durch die Trauer. Deshalb werden wir von den Angehörigen oft besser angenommen. Und das Vertrauen unserer Kunden, das ist gerade in unserem Beruf durch nichts zu ersetzen“, so Sanheim.