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Attacke auf Jobcenter-Frau weckt traurige Erinnerungen in Essen

26.09.2012 | 18:48 Uhr
Attacke auf Jobcenter-Frau weckt traurige Erinnerungen in Essen
Einsatzwagen vor dem Jobcenter in Neuss.Foto: Olaf Staschik

Essen.  Der tödliche Überfall auf eine Mitarbeiterin des Jobcenters in Neuss hat die Mitarbeiter in Essen schockiert. Sie wurden jäh an einen ähnlichen Vorfall erinnert, der vor zweieinhalb Jahren in ihrem Amt passierte. Damals ging ein psychisch Kranker mit einem Messer auf zwei Angestellte los.

Die Nachricht verbreitet sich am Morgen auf den Fluren des Essener Jobcenters wie ein Lauffeuer. In Neuss ist eine Mitarbeiterin von einem Arbeitslosen niedergestochen worden . Die 32-Jährige starb an den Verletzungen. Viele Beschäftigte des Jobcenters haben es aus dem Radio gehört. Bestürzung greift um sich. Der Vorfall bringt urplötzlich die Erinnerungen an eine ähnliche Attacke vor zweieinhalb Jahren zurück, als ein psychisch Kranker im Jobcenter Bismarckstraße zwei Mitarbeiter schwer mit einem Teppichmesser verletzte.

Auch Jobcenter-Leiter Dietmar Gutschmidt ist schockiert: „Da kommen sofort die Erinnerungen vom 18. März 2010 wieder.“ Er schreibt seinen 900 Mitarbeitern noch im Laufe des Mittag eine Mail, klärt sie auf, was er bislang weiß, versucht sie zu beruhigen. Schließlich habe man seit dem Vorfall in Essen viel für die Sicherheit der Beschäftigten getan, betont er. Doch auch er weiß, und das führt Neuss vielen an diesem Tag wieder vor Augen: Absolute Sicherheit gibt es nicht.

Sicherheitskonzept überarbeitet

Nachdem der damals 29-Jährige die beiden Männer in Essen angegriffen hatte, überarbeitete das Jobcenter sein Sicherheitskonzept: Seither haben die Mitarbeiter nicht nur einen Notknopf am PC, sondern sie können bei Gefahr auch einen lauten Sirenenalarm auslösen. Gebraucht hat man den noch nie. Außerdem ist seither immer Sicherheitspersonal in den Ämtern präsent. Die Mitarbeiter wurden in Deeskalation geschult. Dennoch will sich Gutschmidt damit im Zweifel nicht begnügen. „Wenn wir mehr zu Neuss wissen, werden wir unser Sicherheitskonzept nochmal überprüfen“, kündigt er an.

Torsten Withake ist zum Zeitpunkt des Neusser Attentats bei einem Termin in Wesel. Von der Tat erfährt er per Mail auf seinem Smartphone. Withake war damals, als die Tat in Essen passierte, Leiter des Jobcenters. Seit Jahresanfang ist er Chef der Essener Arbeitsagentur.

Auch seine Gedanken sind sofort bei dem Vorfall in Essen. Er glaubt deshalb an eine ähnliche Konstellation wie damals: „Ich gehe davon aus, dass auch der Neusser Täter krank ist.“ Das Gericht sprach den Essener Täter damals vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei, er wurde jedoch in die Psychiatrie eingewiesen.

Personalrat: Gewalt gegen Mitarbeitern in Ämtern nimmt zu

Aus Withakes Sicht war die Messerattacke in seinem Haus damals nicht vorhersehbar. „Wir hätten es nicht verhindern können.“ Einer der betroffenen Männer war selbst Deeskalationstrainer. Beide arbeiten übrigens trotz der schrecklichen Erfahrung bis heute in der Behörde.

Gutschmidt und Withake sprechen von absoluten Einzelfällen, in denen Kunden gegenüber Mitarbeitern gewalttätig werden. Im Jobcenter gab es dieses Jahr „keine zehn Strafanzeigen“, so Gutschmidt, in der Arbeitsagentur gab es eine Anzeige und zwei Hausverbote. Für Personalrat Dirk Achat steht dennoch fest: „Die Angriffe, vor allem die verbalen, gegenüber Mitarbeitern in den Ämtern nehmen zu.“

Janet Lindgens



Kommentare
26.09.2012
21:17
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1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #5-1

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26.09.2012
20:33
Attacke auf Jobcenter-Frau weckt traurige Erinnerungen in Essen
von Moderation | #4

Sehr geehrte Nutzer,

bitte kommentieren Sie den Artikel auf sachliche Art und Weise. Schuldzuweisungen oder krude Mutmaßungen haben in den Kommentaren nichts zu suchen.

26.09.2012
20:09
Attacke auf Jobcenter-Frau weckt traurige Erinnerungen in Essen
von justice | #3

Erstaunlich finde ich, das jetzt wieder über mehr Sicherheitspersonal bzw. Maßnahmen in den Jobcentern diskutiert wird. Vielleicht sollte die Politik jetzt einmal darüber nachdenken wohin es führen kann, wenn Menschen zum Teil ungerechtfertigt die Lebensgrundlage entzogen wird (das Sanktionsinstrument weckt nämlich bei einigen Sachbearbeitern begehrlichkeiten). Vielleich mal an die Ursache(n) herangehen?

1 Antwort
Attacke auf Jobcenter-Frau weckt traurige Erinnerungen in Essen
von OmenEstNomen | #3-1

Ja das ist unsere Welt, ein abstruses Video rechtfertigt Morde, Unanehmlichkeiten beim Arbeitsamt auch.

26.09.2012
19:35
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Name von Moderation entfernt | #2

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4 Antworten
Attacke auf Jobcenter-Frau weckt traurige Erinnerungen in Essen
von Hanseman | #2-1

da scheinen aber wohl einige Sicherungen durchzubrennen.

Wir reden hier über Mord, und der ist durch nichts zu rechtfertigen. Man kann über alles diskutieren, man kann über alles prozessieren (Rechtsstaatsprinzip), aber jemanden zu ermorden, selbst wenn es nach ihrer Meinung nur eine Frau ist, ist Mittelalter.

Madde | #2
von AnetteP | #2-2

Man wird durch Sanktionen nicht obdachlos und muss nicht verhungern. Die Miete wird durch das Sozialamt gezahlt, und man erhält Lebensmittelgutscheine.

Und bei Familien sind fast überhaupt keine größeren Sanktionen möglich. Wenn ein Ehemann und Vater von drei Kindern mehrfach die Arbeitsaufnahme verweigert kann die ARGE weder Ehefrau noch Kinder sanktionieren.

Und einen Grund für einen kaltblütige Mord kann ich überhaupt nicht erkennen.

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Name von Moderation entfernt | #2-3

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Attacke auf Jobcenter-Frau weckt traurige Erinnerungen in Essen
von Madde | #2-4

@AnetteP

Was erzählen sie denn für einen Schwachsinn mit der Miete?
Auch bei Familien kann die ARGE Sanktionieren.
Und man kann sehr schnell ohne Vorsatz bzw grobe Fahrlässigkeit in Sanktionen geraten. Wer ohne Fachwissen in Alg 2 gerät macht schnell schon bei der Unterschrift der EGV einen schweren Fehler.

Das mit den Lebensmittelgutscheinen stimmt, aber die müssen auch erstmal irgendwo akzeptiert werden.

26.09.2012
19:20
Attacke auf Jobcenter-Frau weckt traurige Erinnerungen in Essen
von Wittmich | #1

Unabhängig das ich diese Tat verurteile. Ich finde es nur Schade das hier nur wieder
der/die Kunde/n als die"BÖSEN"dargestellt. Aber was ich dir Mitarbeiter teilweise gege-
über Kunden leisten,ist schon nicht mehr schön.Ich könnte Leute mit Namen nennen,aber
meine menschlichkeit sagt NEIN. Ich( BOTTROPER)habe meine verbalen Methoden,mit den entsprechenden Mitarbeitern umzugehen. Sei es mit dem Vorschlag eines Rollen-
tausches,bis hin mit der Presse zu drohen. Trotz,oder gerade deshalb,in Anwesendheit
des Sicherheitsdienstes.Damit bin ich is jetzt gut gefahren

1 Antwort
Attacke auf Jobcenter-Frau weckt traurige Erinnerungen in Essen
von AnetteP | #1-1

Ja, der Kunde war böse. Er hat einen Menschen ermordet.

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