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Asylbewerber kommen nach Essen - Anwohner protestieren

17.10.2012 | 05:00 Uhr
Asylbewerber kommen nach Essen - Anwohner protestieren
Auf dem stillgelegten Areal des Schulzentrums Lohstraße in Bedingrade sollen bis zu 60 Asylbewerber untergebracht werden - wie es heißt nur bis Ende Oktober.Foto: Klaus Micke

Essen.  Am Mittwoch kommen die ersten Roma im Essener Stadtteil Bedingrade an. Sozialdezernent Peter Renzel beruhigt: Die Bleibe in der Turnhalle sei keine dauerhafte Unterkunft. Die „Antifa“ wirft Bürgern, die gegen die Unterbringung protestieren wollen, Rassismus vor.

Heute sollen die ersten der bis zu 60 Asylbewerber in der Turnhalle des ehemaligen Schulzentrums Bedingrade an der Lohstraße ankommen - nur übergangsweise, wie Sozialdezernent Peter Renzel gestern unterstrich. Bis zum 31. Oktober, so sei es vereinbart, sollen die Menschen - im Wesentlichen Roma aus Serbien und Mazedonien - Bedingrade wieder verlassen haben. Doch ob diese Nachricht die aufgebrachten Nachbarn vor Ort beruhigen kann, ist zweifelhaft.

Gestern waren Bürger in den Straßen unterwegs, um Unterschriften gegen die Unterbringung zu sammeln. Gleichzeitig hat sich die „Anitfa Essen“, die sich den Aylbewerbern sehr verbunden weiß, rüde zu Wort gemeldet: „Anwohner und Lokalpolitiker betreiben rassistische Stimmungsmache gegen die neue Flüchtlingsunterkunft, heißt es in einer Mitteilung.

Antifa ruft zu Gegenprotesten auf

Gefragt seien Solidarität mit den Flüchtlingen und eine angemessene und menschenwürdige Unterbringung und keine fremdenfeindlichen Aktionen. „Einschüchterungsversuche oder Gewaltandrohungen gegen schutzsuchende Menschen werden wir nicht akzeptieren“ so Tessa Kuijer, Sprecherin der Essener Antifa-Gruppe, und warnt die Bedingrader Bürger: „Sollte es tatsächlich zu Demonstrationen gegen die Flüchtlingsunterkunft kommen, werden wir zu Gegenprotesten aufrufen.“

In dieser Stimmungslage findet heute abend um 19 Uhr eine Veranstaltung der CDU Bedingrade zum Thema Flüchtlingsunterbringung in der Gaststätte Große-Segerath, Lohstraße 83 statt. Auch Sozialdezernent Peter Renzel hat sein Kommen zugesagt und will versuchen, die Wogen zu glätten.

Im Vorfeld alle möglichen Turnhallen geprüft

„Es handelt sich nur um eine behelfsmäßige und kurzfristige Unterbringung, um die uns die Bezirksregierung Arnsberg ersucht hat“, betont Renzel im Gespräch mit der WAZ. Wie zahlreiche andere Städte in NRW auch, sei Essen um Hilfe gebeten worden, einen kurzfristigen Engpass bei den so genannten Erstaufnahmelagern zu kompensieren. „Dortmund und Bielefeld sind überlastet, eine dritte Einrichtung wird in Neuss entstehen“, erläutert Renzel: „Land und Bezirksregierung haben uns zugesichert, dass der Bedarf schon bald gedeckt sein wird.“

Zwischen zwei und drei Tage dauere die durchschnittliche Verweilzeit in der Erstaufnahme, bei der die Asylbewerber erfasst und ärztlich untersucht würden. Die Chancen auf einen positiven Asylbescheid seien bei den Roma aus Serbien und Mazedonien ohnehin eher gering ausfielen.

Warum gerade in Bedingrade

Den Betrieb in der Halle übernimmt der Kreisverband Essen des Roten Kreuzes. „Der Stadt obliegt nur die Betreuung und die Sicherheit des Gebäudes“, erläutert Renzel. Die Polizei sei informiert und fahre im Gebiet vermehrt Streife.

Warum muss es ein Wohngebiet in Bedingrade sein, in dem die Flüchtlinge unterkommen? „Wir haben im Vorfeld alle möglichen Turnhallen geprüft – nur an der Lohstraße wird der Schulsport nicht beeinträchtigt“, sagt Sozialdezernent Peter Renzel. „Außerdem konnte die Halle mit geringem Aufwand hergerichtet werden.“ Die benachbarte Hauptschule war erst Ende des vergangenen Schuljahres ausgelaufen. An den Zukunftsplanungen des ehemaligen Schulzentrums mit Grund- und Hauptschule sowie Turnhalle ändere das Zwischenspiel als Aufnahmestelle aber auf jeden Fall nichts. Renzel: „Wir sind uns in der Verwaltung weiterhin einig, dass auf dem Gelände Wohnbau entstehen soll.“

Zweifel, ob die Unterbringung in der Turnhalle richtig ist, umtreibst auch die Linken-Fraktion, die allerdings einen anderen Ansatz verfolgt. Die Stadt sei aufgefordert, die Lage von Flüchtlingen langfristig zu verbessern, meint die stellvertretende Fraktionssprecherin Gabriele Giesecke: „Die geballte Ansammlung von Menschen gefährdet die Möglichkeit einer menschenwürdigen Unterbringung.“ Das gelte gerade auch für die Räumlichkeiten der Hauptschule Lohstraße.

Markus Grenz


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