Aspekte der Moderne in der Philharmonie

Das Schönste am 9. Sinfoniekonzert der Philharmoniker war das Programm: Drei Aspekte der Moderne der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und nicht wieder Mahler, Strauss oder die Wiener Schule. Sondern mit Max Regers „Lustspiel-Ouvertüre“ das Werk eines einst gefeierten Sonderlings, dem die technische Meisterschaft des Komponierens über alles ging: Taucht einmal ein melodischer Gedanke, eine rhythmische Figur auf, gehen sie sogleich im Mahlstrom der Polyphonie unter. Gastdirigent Patrick Lange tat nichts, um Regers artifizielles Geflecht durchsichtig zu machen.

Zweiter Aspekt: Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert, eine romantische Spätblüte von 1947. Hyeyoon Park spielt die süffigen Linien mit angemessener Aufmerksamkeit für den Gehalt jenseits des sinnlichen Eindrucks. Aber für die erotisch glühende Melodik ist der Porzellanton der Koreanerin zu kühl. Auch das Orchester bemüht sich, Korngold vom Klischee der Filmmusik wegzurücken.

Zum Dritten: Alexander Zemlinskys „Lyrische Sinfonie“ von 1924. Sie verbindet technische Meisterschaft, sinnliche Unmittelbarkeit und philosophischen Tiefgang. Das Orchester: oft zu laut. Der Bariton Heiko Trinsinger: mit großer Erfahrung die Worte deutend. Der Sopran Katrin Kapplusch: gestoßene Töne und schrille Höhen. Die vielen Gäste am Pult haben den Philharmonikern – bisher jedenfalls – keinen Zuwachs an Qualität gebracht.