Arztpraxen bleiben vorerst auf
11.09.2012 | 05:31 Uhr 2012-09-11T05:31:00+0200
Essen. Die Honorarverhandlungen zwischen Krankenkassen und Ärzteverbänden sind festgefahren. So sehr, dass Mediziner auch Streiks und Praxisschließungen nicht mehr ausschließen wollen. Der Sprecher der Essener Kinderärzte , Dr. Engelbert Kölker, legt die Gründe dar . „Wir haben in den letzten Verhandlungen mit den Kassen zwei Nullrunden hingenommen.“ Im gleichen Zeitraum seien „die Gehälter für unsere Mitarbeiter gestiegen, ebenso die Anschaffungskosten für medizinische Geräte“, einen Ausgleich für die Mehrausgaben habe es nicht gegeben. „Dabei haben sich die Verhandlungen sonst immer an Oberarztgehältern orientiert. Plötzlich will man aber davon abweichen.“
Keine weitere Nullrunde
Fest steht: Eine dritte Nullrunde wollen Essens niedergelassene Ärzte nicht hinnehmen, wie auch Ralph Köhn, Sprecher der Obleute der Essener Ärzte-Fachgruppen, betont. „Allerdings wollen wir die Patienten das nicht unmittelbar spüren lassen, sondern die Krankenkassen.“
Derzeit, so sagt die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein Karin Hamacher, „beschränken sich die niedergelassenen Ärzte auf eine eingeschränkte Kommunikation mit den Krankenkassen .“ Anfragen werden nicht beantwortet, Bonushefte nicht abgestempelt. Das streut in der Verwaltung Sand ins Getriebe – derweil im Hintergrund die Urabstimmung läuft.
Enttäuschung und Wut ist hoch
„Die Enttäuschung und Wut bei den niedergelassenen Ärzten ist hoch“, sagt Köhn, entsprechend groß sei bei der Abstimmung der Rücklauf. „Rund 90 Prozent der Essener Ärzte wollen das Angebot der Kassen nicht akzeptieren. Am Mittwoch endet die Urabstimmung, dann überlegen wir, wie es weitergeht.“
Warum die Ärzte wütend sind, macht beispielhaft die Urologin Sabine Furtkamp klar, die mit einem Kollegen eine Praxis in der Innenstadt führt: „Für einen gesetzlich Versicherten bekommen wir pro Quartal 13,31 Euro - egal wie oft der Patient kommt.“
"Dabei ist das Geld da"
Mit solchen Sätzen könne kein Arzt überleben, was auch deshalb misslich sei, da die Kosten für Personal und Miete ständig stiegen. „Wir haben hier sieben Arbeitsplätze geschaffen und zahlen anständig nach Tarif.“ Die Ärzte allerdings würden von den Kassen nicht anständig behandelt. „Dabei ist das Geld da.“ Die Kassen horteten es, weder Patienten noch Ärzte hätten etwas davon.
Furtkamp will zunächst nicht streiken, weil sie das mit ihrer beruflichen Ethik für schwer vereinbar hält, will aber die Kommunikation mit den Kassen reduzieren - so wie andere auch. Mit spontanen Arbeitsniederlegungen ist nicht zu rechnen, sagt Ralph Köhn. „Wir können nicht von heute auf morgen alle Praxen schließen, sondern müssen zunächst Notdienste organisieren.“ Einen zeitlichen Vorlauf von rund zwei Wochen hält ein Verbandsvertreter für realistisch.
Zwei Wochen Streikvorlauf
Obgleich erst am Mittwoch feststeht, wie weiter vorgegangen wird, zeichne sich bereits jetzt eine große Solidarität unter den Medizinern ab, so Köhn. „Wie die Hausärzte-Verbände sich verhalten ist unklar. Aber die Essener Hausärzte werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit solidarisch mit den Essener Fachärzten zeigen.“
Ob die kommende Verhandlungsrunde am Mittwoch einen Erfolg bringt, bleibt abzuwarten. „Unsere Kritik betrifft ja nicht nur den geringen Zuschlag, der uns angeboten wurde, sondern auch die Art und Weise, in der die Krankenkassen die Verhandlungen geführt haben.“ Und nicht zuletzt das aus Sicht der Ärzte mit 20 Prozent zu geringe Angebot für ambulante Versorgungsleistungen.

09:43
Warum gehen die Ärzte nicht mal gegen ihre KBV vor, es handelt sich doch auch um ein Verteilungsproblem. Aber klar manört der Topf der Kranknkassen ist gefült dann muss das schnell geändert werden.
08:39
Zitat: "Mit solchen Sätzen könne kein Arzt überleben".
Dann schaue man mal hier, was Ärzte für einen Hungerlohn bekommen:
https://www.kbv.de/24851.html
Im Gesundheitssystem läuft einiges schief und das System zur Bezahlung der Ärzte ist stark verbesserungswürdig. Aber dieses Rumgejammer, wie wenig man als Arzt verdiene, ist einfach nur lächerlich und ärgerlich!
07:58
Die Kassenärztliche Vereinigung (eine Organisation der Ärzte selbst) verteilt die Gelder. Wenn dies ungerecht verteilt werden, ist es Aufgabe der KV dies zu ändern.
Es ist nicht die Frage ob mehr Geld in das System muss!
Arzthelferinnen gehören nicht zu der Beschäftigtegruppe die excellent bezahlt werden.
Hausäzte richtig gut bezahlen und entscheiden lassen welche leitung von einem Facharzt benötigt werden, dann höre di unsinnigen Untersuchungen und Anschaffungen teuerer Geräte auf. Ausserdem Besuche von Medizinvertretern verbieten! Braucht kein Mensch sonern sie wollen nur unser Bestes! Is klar ...
07:46
Es sollte zunächst einmal ein Instrumentarium dafür geschaffen werden, dass ärztliche Vergütungen so unterschiedlich ausfallen. Vertrauen in die Ärzteschaft schafft dieses Verhalten bei den Patienten jedenfalls nicht.