Artenschutz im Schilderwald

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Wo ist die Sportanlage, wie komme ich zum kleinen Theater oder wie finde ich in den Nebenstraßen die gesuchte Gemeinde? Oft helfen die weißen Pfeilschilder weiter – trotz digitaler Vollvernetzung. Die Stadt will diesen „Schilderwald“ auch in Rüttenscheid und im Essener Süden abholzen, wenn es sich nicht um so prominente Ziele wie die Gruga oder das Museum Folkwang handelt. Die Bezirksvertretung (BV) II lehnte dies geschlossen – aus unterschiedlichen Motiven – ab. Die Politiker wollen nun in einem Arbeitskreis Licht ins Dickicht bringen.

„Ich bin bei diesem Vorstoß der Stadt sehr skeptisch. Die Pfeilschilder sind nun mal ein Bürgerservice“, kommentiert Matthias Klahold, Sprecher der Grünen in der BV II und damit Mitglied der Mehrheitskoalition im Gremium. Nimmt er die Rüttenscheider Straße in den Blick, plädiert er gerade hier für einen Erhalt. „Vor Jahren hat die BV zäh um ein Hinweisschild zum Katakomben-Theater gerungen. Wer soll das denn finden, wenn er es nicht kennt?“, fragt der Grüne. Ansonsten ist die Rüttenscheider Straße relativ frei vom „Schilderwald“, allerdings dürfte Klaholds Hinweis ebenso für die Schilder zum „Sago-Hinterhoftheater“ an der Rü gelten.

Auch Kitas ohne Hinweise sieht er kritisch, bei bestimmten Einrichtungen plädiert er für Prüfung. „Es ist doch eine gute Sache, dass an der Frankenstraße auf den Dritte-Welt-Laden der evangelischen Gemeinde Rellinghausen-Stadtwald hingewiesen wird“, sagt er. Den Sinn des Vorstoßes der Stadt kann er nicht ganz nachvollziehen. „Es bleiben so viele Dinge liegen. Warum macht man sich die Mühe, wenn für den Bürger weder mehr Service noch irgendein anderer Mehrwert herausspringt?“, fragt er.

Die Stadt verweist auch auf Sicherheitsaspekte, geht aus von einer „allgemeinen Überforderung der Verkehrsteilnehmer“. Klahold hält das für eine Behauptung: „Ich denke, dass ist schwer belegbar.“

Bezirksvertreter Hans Schippmann (CDU) hat das Ansinnen der Stadt nur abgelehnt, weil es schlicht zu pauschal formuliert war. „Der Schilderwald muss aber unbedingt bereinigt werden. Ich kenne viele Schilder, die ohne weiteres abgebaut werden können“, sagt er. Ausnahmen würde er für Ziele wie das Aalto-Theater oder die Philharmonie machen. Hinweise für Gemeinden, Sportplätze oder Kitas hält er für überflüssig.

Ob die Stadt sich noch einmal zum Thema äußern wird, ist fraglich. Ein Entscheidungsrecht räumen sie den Politikern vor Ort zunächst nicht ein. Das gefällt Hans Schippmann nur wenig: „Das ist schon kritisch. Im Grunde muss jedes einzelne Schild mit uns überprüft werden, bevor es abgenommen wird.“ Auch Matthias Klahold erwartet von der Stadt noch einen Austausch in dieser Sache. Vielleicht vergeblich.