Artenschutz im Schilderwald

Essener Norden..  Wo ist die Sportanlage, wie komme ich zum Minigolf oder wie finde ich in den verflixten Nebenstraßen die gesuchte Gemeinde? Bei der Suche nach einem Ziel, das nicht gerade die Prominenz einer Zeche Zollverein besitzt, helfen oftmals die weißen Pfeilschilder weiter – trotz digitaler Voll-Vernetzung. Die Stadt will diesen „Schilderwald“ abholzen, auch aus Gründen der Sicherheit. Doch das kommt im Bezirk VI Zollverein (Schonnebeck. Stoppenberg, Katernberg) überhaupt nicht gut an.

„Wir lichten doch schon seit einigen Jahren den Schilderwald, aber es muss doch auch Ausnahmen geben. Es gibt nunmal Einrichtungen, denen es schwer fallen wird, ohne Hinweisschilder überhaupt noch Beachtung zu finden“, kommentiert Andre Vollmer, Sprecher der SPD in der Bezirksvertretung (BV) VI. Versteckt liegende Kindergärten, Sportplätze in reinen Wohngebieten, in die man sonst nicht kommt: Auch Vollmers Pendant bei der CDU, der BV-Sprecher Rudolf Vitzthum, ärgert sich über den beabsichtigten „Rasenmäher“ vor Ort. „Natürlich haben die Leute oft Navigationsgeräte, aber wenn sie sich dem Ziel nähern, sind die weißen Schilder einfach ein guter Service“, so der Bezirksvertreter. Gemeinsam lehnten die Politiker das Ansinnen der Stadt in der vergangenen Sitzung ihres Gremiums ab – allerdings ist dies mehr ein Signal, die Möglichkeiten auch wirklich darüber zu entscheiden, bekamen sie nicht.

Und das schafft zusätzlichen Ärger, die Politiker fühlen sich von der Verwaltung in dieser Frage entmündigt. „Das ist Sache der Politik vor Ort“, knurrt Vollmer. Vitzthum stimmt ihm zu und nimmt die grüne Dezernentin Simone Raskob ins Visier: „Sie will das innerhalb eines Jahres in der ganzen Stadt umsetzen. Da frage ich mich: Wo nimmt sie bei den ganzen unerledigten Arbeiten ihres Bereiches überhaupt das Personal her?“

Zu tun hat die Verwaltungsspitzen-Frau eine Menge. Nach dem Motto „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ sollen nur Hinweise auf Ziele mit erheblicher Verkehrsbedeutung, Ortsteile, öffentliche Einrichtungen wie Rathäuser oder Bahnhöfe, Industrie- und Gewerbegebiete oder Erholungs- und Freizeitgebiete ihre Schilder behalten dürfen. Bei privaten Einrichtungen, Instituten, Firmen, Schulen, Kollegs, Sportplätzen, Kirchen, Gemeinden, Büros oder Vereinsheimen und vielem mehr wird die Axt geschwungen.

Das sehen einige der neun Bezirksvertretungen in der Stadt kritisch, komplett abgelehnt wurde das Ansinnen der Stadt aber nur im Bezirk Zollverein und im Großraum Rüttenscheid. Wahrscheinlich vergeblich.