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Co-Working-Hotel

Arbeitsplatz mit Zimmer-Service

28.01.2012 | 13:29 Uhr
Arbeitsplatz mit Zimmer-Service
Eine Immobilie an der Friedrich-Ebert-Straße (links neben dem Unperfekthaus) kaufte Reinhard Wiesemann, um ein Co-Working-Hotel einzurichten. Foto: Walter Buchholz

Essen.Das Unperfekthaus war eine Idee, die man vor die Wand fahren sah. Kreativquartier mit Durchlauf-Verkehr bei stets geöffneten Türen. Reinhard Wiesemann s Idee klang utopisch. Doch heute, sechs Jahre nach Eröffnung, rechnet sie sich. „In vielen Monaten schreiben wir schwarze Zahlen“, sagt Wiesemann. Jetzt kaufte er für 600 000 Euro die links neben dem Unperfekthaus liegende Immobilie. Mit einer Erweiterung des Unperfekten könnte man rechnen – doch Wiesemann plant neu. Und das klingt nicht weniger verwirrend.

Ein Co-Working-Hotel soll an der Friedrich-Ebert-Straße entstehen. Die Idee geht so: „In Zeiten des Internets sind Menschen mit ihrer Arbeit immer mobiler – warum sollte jemand, der frei ist, überall in der Welt an seinem Projekt zu arbeiten, nicht in eine andere Stadt reisen, von der er weiß, dass dort andere Menschen ähnliches tun?“ Die Bedingung dafür, dass es klappt, ist, dass die Reiselust den Projektarbeiter nach Essen trägt. Bundesweit immerhin ist Wiesemann erst der einzige, der daran glaubt. Und das so sehr, dass er dafür Geld in die Hand nimmt.

In Berlin brummen Co-Working-Büros bereits

Nun gibt es in Ansätzen bereits Projekte, die funktionieren. Denn Co-Working, das meint nichts anderes als ein Büro, in dem man einen Schreibtisch fürs Laptop mietet. Einen Tag, einen Monat kann man buchen. Die Infrastruktur mit Drucker, Internet, Briefkasten ist vorhanden – und ein Großraum voller kreativer Köpfe. „Es ist toll, wenn man zu Hause arbeiten kann“, sagt Wiesemann. Nur verliere dies schnell seinen Reiz bedenke man, dass man dort allein sei. Soziale Strukturen, wie es sie im Büroalltag gibt, sie entfallen am heimischen PC. Das mag der Grund dafür sein, dass man immer häufiger in Cafés auf Menschen stößt, die ihren tragbaren Computer aufklappen. Doch egal ob im Kaffeehaus oder im Biergarten – der Anschluss an Gleichgesinnte fehlt.

In Co-Working-Großräumen hingegen gibt es sie, die kreative Generation Computer, die nicht nur via Netzwerk die Meinung Dritter hören will, die Hilfe sucht und diskutieren möchte. In Berlin brummen Co-Working-Büros bereits – und das soll bald auch in Essen der Fall sein. Im eben eröffneten Generationen-Kult-Haus an der Viehofer Straße residieren die Gemeinschafts-Arbeiter in der fünften Etage. Unnötig fast zu sagen, dass auch diese Immobilie Wiesemann gehört.

Ob das Konzept aufgeht, bleibt abzuwarten

Erweitern will er das System nun an der Friedrich-Ebert-Straße. Dort sollen die Menschen sich nicht nur stunden- oder tageweise austauschen. Sie können sich einbuchen in das Haus, das Hotel und Großraumbüro vereint. Schließlich, so sagt Wiesemann, wirke es befreiend, nicht immer nur am Wohnort zu sitzen, sondern zu reisen, den Kopf frei zu kriegen – und wenn sich dabei zielgerichtet die Arbeit integrieren ließe, dann sei Essen für dies Klientel lohnendes Reiseziel.

Generationenkulturhaus

Ob das Konzept aufgeht, bleibt abzuwarten. Bis es so weit ist, kann es noch ein Weilchen dauern. Nach Fertigstellung des Generationen-Kult-Haus will Wiesemann erst mal ein paar Wochen ins Land streichen lassen. „Ich bin der Überzeugung, dass man dann gut ist, wenn man mit Spaß die eigenen Themen bearbeitet. Da will ich mich nicht unter Druck setzen lassen.“ Immerhin, bis jetzt ging dieses Konzept auf – auf ein Neues.

Generationenkulturhaus

 

Claudia Pospieszny

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