April, April!? – 20 Versuche, Sie auf die Probe zu stellen

Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das darf doch alles nicht wahr sein? Keine Bange, ist es auch nicht. Hier sind sie wieder, 20 nicht ganz so ernst gemeinte Versuche, Sie auf die Probe zu stellen.

Essen.. Sachen gibt’s, die glaubt man ja gar nicht. Und manchmal auch zu Recht: Vor allem heute sollten Sie sich drei Mal überlegen, welchen Bären Ihnen Ihr Gegenüber aufbinden will, denn heute ist – der 1. April. Wir würden es ja nie wagen, Schabernack mit Ihnen zu treiben, aber raten dürfen Sie ruhig: Welche der folgenden Behauptungen stimmen? Und welche sind frei erfunden?

1. Groß ist die Sorge, dass Essen für neue Wohnquartiere und Gewerbegebiete auch noch die letzten Freiflächen zubetoniert. Dabei leben wir in der grünsten Stadt Nordrhein-Westfalens: Der Anteil der Erholungsflächen – also alle unbebauten Areale, die für Sport, Erholung und Freizeitgestaltung dienen (Kleingärten und Campingplätze inklusive) – beträgt 11,1 Prozent an der Gesamtfläche. Auf Platz 2 und 3 folgen übrigens Köln und Oberhausen. Schlecht dran sind im Vergleich die Bürger in Bad Berleburg: Da beträgt der Anteil gerade mal 0,2 Prozent.

2. Zu verdanken haben wir den guten Wert natürlich unter anderem dem Grugapark, der die Besucher gleich hinter der Grugahalle seit Jahrzehnten mit seinen Wasserfontänen begrüßt. Aber wussten Sie, dass die fünf Spritzkanonen von ausgedienten Wasserwerfern stammen, die schon so manchen langhaarigen Demonstranten von der Straße gespült haben?

3. Wasser marsch heißt es seit vielen Jahren auch in dem auf 25 Grad Badetemperatur aufgewärmten Cash-Pool, den die Stadt in einem kaum bekannten Nebengebäude des Rathauses unterhält. Zugang haben nur leitende Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Politiker des Stadtrates.

4. Wo wir schon beim fehlenden Zugang sind: Den beklagt die Stadt auch bei „Google Street View“, dem Internet-basierten Straßenbild-Atlas, der ausgerechnet fürs einstige Industrie-Areal Zollverein, das einzige Weltkulturerbe weit und breit, keinen Blick bereit hält. Als die Kamerafahrten gemacht wurden, hieß es einst entschuldigend bei Google, kam man auf den Erschließungsstraßen ringsum nicht näher ran: Baustellen allerorten.

5. Apropos Baustelle: In der Denkmalpflege tobt hinter den Kulissen ein Riesenstreit über das alte AEG-Haus zwischen Thyssen-Hochhaus und Postgiroamt, das Anfang 2014 einem Neubau für den Logistikriesen Schenker wich. Dem Vernehmen nach ist ein Gutachten übersehen worden, das die ausdrückliche Unterschutzstellung nahelegt. Folge: Im Extremfall muss das Gebäude an anderer Stelle auf der Basis alter Pläne originalgetreu wieder aufgebaut werden.

Zeigte OB Reinhard Paß den Mittelfinger?

6. Nun gucken Sie doch nicht so ungläubig. So wurde das mit dem im Krieg zerstörten Kruppschen Stammhaus doch auch gemacht.

7. Womit die alte Debatte darüber neue Nahrung bekommt, was Schein und was Sein ist, was authentisch und was nur nachgemacht. Sieht alles so gleich aus, da kann man schon mal durcheinander kommen. So wie das Polit-Magazin „Monitor“ („...investigativer Journalismus wird in der Redaktion großgeschrieben...“), das in einer Enthüllungsstory den der Untreue verdächtigten ehemaligen Chef der Entsorgungsbetriebe, Klaus Kunze (Brille, Bart, weißgrauer Schopf) mit dem FDP-Fraktionschef im Rat, Hans-Peter Schöneweiß (Brille, Bart, weißgrauer Schopf) verwechselte.

8. Ein Fehltritt mit Folgen, denn tags darauf stand die Polizei zur Hausdurchsuchung bei Schöneweiß vor der Tür. Der war übrigens mal Polizist von Beruf.

9. „Monitor“ hat sich mittlerweile übrigens bei Schöneweiß entschuldigt. Ob Reinhard Paß dies auch bei Britta Altenkamp tut, ist noch ungewiss. Hintergrund: Im Internet ist vor kurzem eine Wutrede des Oberbürgermeisters gegen die SPD-Parteichefin aufgetaucht, in der ihr der OB als Reaktion auf deren herabsetzende Äußerungen („Paß ist als OB die falsche Person...“) den Mittelfinger entgegenstreckt. Paß behauptet allerdings, das Video sei gefälscht.

10. So aggressiv mittlerweile die Stimmung unter den Sozialdemokraten ist, so harmonisch funktioniert die Zusammenarbeit im Rahmen der Großen Koalition im Stadtrat: SPD und CDU planen deshalb, die beiden Fraktionsgeschäftsstellen bis zum Ende der Ratsperiode im Jahre 2020 zusammenzulegen, um auf diese Weise massiv Zuschüsse einzusparen. Diese sollen in einen Fonds zur Unterstützung fraktionsloser Ratsmitglieder fließen.

Argentinischen Peso sind „eine todsichere Sache“?

11. Das gehorcht, klar, dem Versuch, auch in kleinen Schritten dem nach wie vor massiven Finanzproblem der Stadt Essen beizukommen. Wir dienen ja bundesweit vor allem als schlechtes Beispiel – mit Schulden in einer Größenordnung von 3,3 Milliarden Euro (davon 2,4 Milliarden als Kassenkredit, sowas wie der „Dispo“). Und da sind die Verbindlichkeiten der städtischen Beteiligungen noch nicht eingerechnet.

12. Kein Wunder, dass der städtische Finanzchef Lars Martin Klieve keine Gelegenheit auslässt, das Defizit zu verringern. Zwar war die Sache mit der Aufnahme von Darlehen in Schweizer Franken, wie sich im Nachhinein herausstellt, ziemlicher Käse, allerdings hatte Klieve diese Geschäfte, wenn man so will, von seinen Vorgängern „geerbt“. Um zu beweisen, wie es richtig geht, hat der Kämmerer ausweislich eines der NRZ vorliegenden Protokolls aus dem Verwaltungsvorstand die Absicht, einen erklecklichen Anteil des städtischen Kreditbedarfs in Kürze in argentinischen Peso zu decken. Das sei, so wird Klieve in dem bislang noch nichtöffentlichen Papier zitiert, „eine todsichere Sache“.

13. Was nicht heißt, dass es nicht Ärger geben kann, mitunter auch über den Tod hinaus, wie ein trauernder Ehemann feststellen musste, der seiner verstorbenen Frau auf dem Gottesacker eine Art Engels-Denkmal setzen wollte, welches, nun, sagen wir: dem örtlichen Kirchenvorstand allzu viele weltliche Elemente enthielt. Genau genommen ging es um den Umstand, dass man meinte, angedeutete Brustwarzen erkennen zu können, und die hätten auf einem Friedhof nichts zu suchen.

14. Dass es Ärger mit Denkmälern geben kann, wissen die Essener schon seit jenen Tagen, als man über die Statue stritt, die auf dem Burgplatz an Bischof Hengsbach erinnert. Die Statue blieb unverändert, ein Papst-Denkmal in Rom dagegen wurde nach Bürgerprotesten umgestaltet.

15. Wie sehr auch Verstorbene das eigene Leben beeinflussen können, davon kann auch Essens oberster Wirtschaftsförderer Dietmar Düdden ein Lied singen – eines von Michael Jackson am liebsten, denn der EWG-Chef ist nach wie vor glühender Verehrer des 2009 verstorbenen Superstars. Einmal im Jahr macht er eine Wallfahrt zur Statue des Komponisten Orlando di Lasso auf dem Münchner Promenadenplatz. Die wurde zur Jackson-Pilgerstätte umfunktioniert, weil dieser bei seinen Auftritten in München stets gegenüber in einer Suite des Hotels Bayerischer Hof übernachtete.

Trägt Kevin Großkreutz ein Zollverein-Tattoo auf der Wade?

16. Symbole sind eben wichtig. Was uns zum Streit um die nicht mehr gehisste Tibet-Flagge am Rathaus bringt, ein Kotau vor China und der angestrebten Städtepartnerschaft mit Changzhou, so glauben manche. Jetzt der Kompromiss: Die Fahne wird auch künftig an jedem 10. März gehisst, um an den Aufstand der Tibeter gegen China zu erinnern – allerdings nur auf Halbmast.

17. Flagge zeigen: Das gilt auch für Weltmeister-Kicker Kevin Großkreutz von Borussia Dortmund, der sich den Doppelbock von Zollverein auf die Wade hat tätowieren lassen – Reminiszenz an seine fußballerische Zeit bei Rot-Weiss Essen.

18. Ob Großkreutz, der nach der Pokalniederlage in einem Berliner Hotel mal betrunken in die Lobby uriniert haben soll, weiß, dass er das in Essen nirgends auf öffentlichen Verkehrsflächen und in Anlagen darf?

19. Und auch keine Autos reparieren?

20. Und wussten Sie, dass 12- bis 19-Jährige der Zeitung mehr als allen anderen Mediengattungen vertrauen? Tja. ;-)

Was stimmt denn nun und was nicht? Die Antworten lesen Sie auf Seite 2.

Was stimmt denn nun und was nicht? Die Antworten lesen Sie hier.

1. Wirklich wahr, die Statistiker von IT NRW haben es ermittelt.

2. Also bitte, so einen Stuss glauben Sie doch nicht etwa?

3. Haha, nee, Cash-Pool heißt: Da werden die Kontostände der städtischen Beteiligungen zusammengefasst (to pool = Englisch für zusammenlegen) und Guthaben taggenau mit den Schulden verrechnet. Das spart Überziehungszinsen.

4. Ja, so ist es. Können Sie selber im Internet nachschauen.

5. Herrje, nein, nix gegen das AEG-Haus, aber denkmalwürdig war das nicht mehr. Und ein Wiederaufbau an anderer Stelle ist schon gar kein Thema.

6. Anders war’s beim Stammhaus von Krupp: Das ist in der Tat im Zweiten Weltkrieg bei Bombenangriffen im Oktober 1944 völlig zerstört worden. 1961, anlässlich des 150-jährigen Firmenjubiläums, wurde das kleine Häuschen als Symbol für Zukunft und Vergangenheit des Weltkonzerns etwa 100 Meter weg vom ursprünglichen Standort nach alten Plänen wieder aufgebaut.

7. Kein Witz. Vor einem Millionen-Publikum sprach „Monitor“ vom geschassten EBE-Chef Kunze – und zeigte FDP-Mann Schöneweiß im Gespräch mit dem OB. Peinlich.

8. Das allerdings ist geschwindelt.

9. Und nein, Reinhard Paß machte nicht den Varoufakis, sparen Sie sich die Filmsuche bei „Youtube“. Das Foto von Allessandro del Prete/dpa wurde mit einem Paß-Porträt aufs Hinterhältigste verschmolzen.

10. Nein, so weit geht die Liebe in der GroKo dann doch (noch) nicht.

11. Unfassbare Summen, aber sie stimmen. Deshalb auch gilt eine mögliche Zinserhöhung irgendwann als Sprengsatz für den Stadt-Etat.

12. Nein, Kämmerer Lars Martin Klieve ist doch nicht lebensmüde. Fremdwährungskredite sind für die nächsten 1000 Jahre wohl kein Thema mehr in Essen.

13. Man staunt, tatsächlich. Aber die Geschichte ist wahr.

14. Und die auch.

15. Haha, aber hier sind Sie reingefallen: Essens Wirtschaftsförderungs-Chef Dietmar Düdden pilgert in der Tat einmal im Jahr nach München – aber nur zur Gewerbeimmobilienmesse „Expo Real“. Pure Neugierde trieb ihn dann am Abend zur Michael Jackson-Pilgerstätte am Promenadenplatz.

16. Wilklich sehr illitielend. Abel del Komplomiss ist dummes Zeug.

17. Nicht überall, wo ein Förderturm prangt, geht es um die glorreiche Bergbaustadt Essen. Der gebürtige Dortmunder Kevin Großkreutz hat sich natürlich die Silhouette seiner Heimatstadt auf die Wade tätowiert – und im Übrigen nie für RWE gespielt, sondern für Rot Weiss Ahlen.

18. In diesem Berliner Hotel waren wir nicht zugegen, die Ansage für Essen aber ist korrekt: Pipimachen in der Öffentlichkeit ist nicht. Sonst drohen Ärger und ein Bußgeld.

19. Und das gilt in der Tat auch für Autoreparaturen auf öffentlichen Flächen, so steht’s in einem Ortsgesetz über die öffentliche Ordnung, Paragraf 12 (2).

20. So isses. Und wir sehen zu, dass uns da keiner den Rang abläuft.