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Apotheken-Schließungen besorgen Essener Bürger

24.01.2016 | 09:00 Uhr
Apotheken-Schließungen besorgen Essener Bürger
Ulrich Schwier, Vorsitzender des Apothekerverbandes, erklärt den Notdienst an den Wochenenden.Foto: Dirk Bauer

Essen.  Manche Essener fürchten mancher lange Wege zum Notdienst. Es bleibt bei maximal 7,5 Kilometern, sagt der Verbandschef: „Kein Stadtteil ist unterversorgt.“

Die Mozartapotheke in Essen-Süd, die Kranichapotheke in Frohnhausen, die Dinnendahl-Apotheke in Huttrop oder zuletzt im September die Wilhelm-Busch-Apotheke in Heisingen: Das sind einige Beispiele für Apotheken, die in den vergangenen Jahren geschlossen worden sind. Besorgt blickt mancher Bürger auf diese Entwicklung, andere fürchten gar einen Mangel in Essen und fragen: Ob der Apotheken-Schwund dafür verantwortlich ist, dass Kettwiger inzwischen im Notdienst ihre Medikamente in Ratinger Apotheken kaufen, während die Dellwiger über die Stadtgrenze nach Oberhausen fahren?

Vom Apotheken-Sterben will Ulrich Schwier (71) nicht sprechen. „Es gibt keinen unterversorgten Stadtteil“, sagt der Vorsitzende des Apothekenverbandes Essen, Mülheim und Oberhausen. Zwar gibt es mit derzeit 141 Apotheken in Essen im Vergleich mit den 1970er und 80er Jahren rund 50 Standorte weniger, doch auch im Notdienst müsse niemand weiter als 7,5 Kilometer fahren – daran habe sich nichts geändert.

Eine gravierende Neuerung bei den Wochenend-Diensten gibt es aber durchaus. Bis vor etwa zwei Jahren wurde der unter den Essener Apotheken aufgeteilt. Jetzt regelt ein PC-Programm der Apothekenkammer Nordrhein diese Dienste städteübergreifend, erklärt Schwier. Die 7,5 Kilometer als Obergrenze gelten weiterhin: „Das klappt fast immer.“ Und so liegt zwar für einige Stadtteile nun auch eine Notdienstapotheke in der Nachbarstadt – und dennoch deutlich näher als eine innerhalb Essens. „Noch hat sich kein Bürger beschwert.“ Schwier nennt dennoch Verbesserungsmöglichkeiten: Wenn die Apothekenkammern Nordrhein und Westfalen-Lippe kooperieren würden, könnten Stadtteile wie Kupferdreh und Freisenbruch profitieren und nah gelegene Notdienst-Apotheken in Hattingen-Niederwenigern oder Bochum-Wattenscheid ansteuern.

Aber auch für Essener Apotheker brachte die Neuregelung Vorteile: „Zu uns kommen zahlreiche Gelsenkirchener“, sagt Schwier als Inhaber der Kaiser-Wilhelm-Apotheke an der Gladbecker Straße in Altenessen, in der er groß geworden ist und die er seit 1972 leitet. Seit mehr als 70 Jahren ist die nun in Familienbesitz. Mit seinem Sohn gebe es nun die vierte Generation Apotheker, allerdings arbeite der in der Pharmaindustrie.

Über Umsätze will Schwier jedoch nicht klagen, es werde mehr verordnet, damit steigen Ausgaben für Medikamente. Mit den Online-Apotheken sei zwar durchaus eine Konkurrenz entstanden, so dass etwa hochpreisige Vitamine aus Apotheken verschwinden. Und es gebe Patienten, die die Beratung vor Ort nutzen, um dann im Internet zu bestellen. „Das Online-Geschäft ist aber kein Hauptgrund für das Aus von Apotheken.“ Dafür gebe es mehrere Faktoren.

Besorgt blickt Schwier hingegen auf die Alters-Struktur: „40 Apotheker sind älter als 60.“ Darunter sind diejenigen mit kleineren Apotheken, die kaum verkaufbar seien – oder möglicherweise nur als Zweigstelle. Allerdings dürfe ein Apotheker höchstens vier Filialen haben, und in jeder muss mindestens ein Apotheker arbeiten, nennt Schwier einen Kostenfaktor. Bei den Standorten gebe es hingegen keine Einschränkungen, so dass drei Apotheken nebeneinander eröffnen könnten.

Auflagen gibt es dennoch: Diskretions-Zone oder Mindestgröße von 140 qm. Und seit der Verschärfung der Betriebsordnung vor rund zwei Jahren muss bei einer Übergabe der Zugang barrierefrei sein, so Schwier. In der Praxis gelang das etwa bei der Apotheke am Alfredusbad in Bredeney mit einem zweiten Eingang ohne Stufen – bei der Heisinger Georgs-Apotheke war das unmöglich, sagt Schier: Die Hirsch-Apotheke am Werdener Markt könnte das noch treffen.

Dominika Sagan

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http://www.derwesten.de/staedte/essen/apotheken-schliessungen-besorgen-essener-buerger-id11492056.html
2016-01-24 09:00
Essen