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Drogenszene

Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen

25.03.2013 | 12:00 Uhr
Am Montag, 18. März, wurde an der Helenenstraße in Essen ein Verdächtiger nach einer Drogenrazzia festgenommen.Foto: Remo Tietz

Essen.  Ungeniert wickeln Drogenhändler ihre Geschäfte in der Unterdorfstraße im Essener Stadtteil Altendorf ab. Die Polizei schwankt zwischen dauerhafter Ratlosigkeit und gelegentlichen Razzien. Die Anwohner wollen ihre Straßen nicht den Dealern überlassen.

Man müsse nur aus dem Fenster schauen, fordert Ricarda Berg die Besucher auf: „Da sieht man die Dealer.“ Tatsächlich sehen wir an diesem Samstag aber einen Polizeiwagen, der im Schritttempo die Unterdorfstraße entlang fährt. Kein Zufall ist das, sondern Teil einer Aktionswoche in Altendorf: mehr Präsenz, mehr Razzien – mehr Sicherheit. Ricarda Berg kennt die Formel und weiß um ihre Halbwertzeit: „Jetzt haben wir ein paar Tage Ruhe, dann kommen die wieder raus.“

Die 58-Jährige ist in Altendorf aufgewachsen, hat das Mietshaus von ihren Eltern geerbt. Es steht, wo die Unterdorfstraße in die Altendorfer Straße mündet: An dieser Ecke liegen Multigame Casino und Tipico Sportwetten, ein Steinwurf entfernt ist die Straßenbahnhaltestelle Helenenstraße. Nicht lange her, dass sie als Drogenumschlagplatz ins Visier geriet – und bald polizeiliche Erfolge vermeldet wurden. „Dabei verlagerte sich das Geschäft nur in die Seitenstraßen“, weiß Ricarda Berg.

"Pillen auf Autoreifen abgelegt"

Sie lebt seit 1975 in Bonn, kommt nur am Wochenende ins heimatliche Altendorf und ist um ihre Mieter besorgt. Etwa um Stefanie Meier (Name geändert), die Besuch lieber vom Auto in ihre Wohnung eskortiert. „Meine Freunde erschrecken sich, wenn ein Dealer sie anspricht.“ Die 34-Jährige Bürokauffrau selbst wird von den Dealern nicht angesprochen – sondern angepöbelt: „Nur deinetwegen kommt Polizei.“

Drogen-Razzia

Es stimmt, Stefanie Meier ruft oft die Polizei. Sie nimmt nicht hin, dass Drogenhändler von mittags bis Ultimo auf der Straße rumlungern, per Handy Geschäfte einfädeln und vor Ort abwickeln. „Da werden Pillen auf Autoreifen abgelegt oder Zigarettenschachteln betont lässig auf den Boden gelegt und von anderen aufgehoben.“ Ein Minibriefkasten für Geld und Drogen. Meier hat solche Szenen fotografiert, obwohl die Dealer riefen: „Ey Alte, lass’ das! Wir holen Polizei!“ Die Ironie ist, dass die Polizei sie wirklich ermahnte, das Knipsen einzustellen; gültige Beweismittel sind ihre Bilder nicht.

Die Dealer tanzen

Dass ihre Möglichkeiten begrenzt sind, hat auch Ricarda Berg lernen müssen: „Warum bekam das Wettbüro eine Konzession, in so einem belasteten Viertel?“ Büro wie Casino seien Treffpunkte der Szene: „Da fahren Cabrios vor, die Musik aufgedreht, Männer springen raus, tanzen, werfen Dealern Sporttaschen zu. Sie kennen keine Hemmungen.“

Warum auch? Stefanie Meier hat erlebt, dass Polizeibeamte abwiegelten: „Das sind kleine Fische, wir suchen die Hintermänner.“ Sie kennt den Slogan, dass Bürger jede Beobachtung melden sollen. „Wenn ich das tue und tatsächlich ein Einsatzwagen kommt, ist der kleine Fisch ja schon weg.“ Sie sah, wie die Fracht eines Mercedes mit holländischem Kennzeichen in den Kofferraum einer deutschen Limousine gepackt wurde, Samstagmorgen an der Straßenecke. Einige ihr bekannte Dealer stopften sich ein paar Tütchen in die Hosentaschen; dass sie zusah, kümmerte sie nicht. Umgekehrt mögen Meier und Berg nicht hinnehmen, „dass sich das etabliert.“

Berg kennt Altendorf noch als Arbeiterviertel. 1960 bauten ihre Eltern das schlichte Haus: „Damals herrschte Wohnungsnot, die Leute standen Schlange für eine Wohnung zu kleiner Miete. Zweimal wöchentlich wurde der Flur geputzt.“ Seit 50 Jahren lebt ein Ehepaar in dem Haus: „Die haben jetzt Angst.“ Im Hauseingang liegen nun oft Kippen, Müll, Tütchen. Die Vermieterin putzt dagegen an und weist mit einem Schild auf ihr Hausrecht hin, Stefanie Meier jagt Dealer weg, zückt drohend ihr Handy. Sie sehe aber zu, dass sie vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause ist. Die Frauen wundert es kaum, dass eine Wohnung seit anderthalb Jahren leer steht: „Ich will nicht an ,Miss Iran in Love’ vermieten oder an Schwarzafrikaner. Das tut mir leid, aber die einzigen Schwarzen, die ich hier sehe, sind Dealer“, sagt Berg. „Und wenn mal ein Student kommt, kann ich ihm nicht zur Wohnung raten.“

Druck auf die Drogenszene

Vergangene Woche ist die Polizei in Altendorf massiv gegen den Drogenhandel vorgegangen. Gemeinsam mit der Stadt wollte sie der Ordnungspartnerschaft in diesem Bereich neue Geltung verschaffen. Neben erhöhter Polizeipräsenz gab es gezielte Razzien, etwa in dem Back-Center Altendorfer/ Ecke Helenenstraße, in dem ein Verdächtiger festgenommen wurde. „Wir werden den Druck in den nächsten Tagen hoch halten“, versprach Polizeisprecherin Tanja Hagelüken Anfang der Woche. Die Ergebnisse der Aktionen will die Polizei am heutigen Montag präsentieren.

Anwohner wie Ricarda Berg geben aber auf Erfolgsmeldungen der Polizei wenig; zumal viele Dealer nach Aufnahme der Personalien gehen dürfen (etwa, weil sie nur geringe Mengen Drogen bei sich trugen). Berg wünscht sich für ihr Viertel einen Ansprechpartner sowie einen kontinuierlichen Einsatz von Polizei, Stadtentwicklern, Ordnungsamt – und den Altendorfern selbst.

Christina Wandt



Kommentare
25.03.2013
21:33
Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von Shy_Eye | #36

Was ist denn das bitte für ein Unsinn, bleiben sie bitte sachlich. Die Fotografen können ja wohl am wenigsten dafür, wenn es **in diesem Fall** Afrikaner sind. Haben Afrikaner einen Sonder-Bonus, wenn es um Kriminalität geht nur weil sie schwarz sind?
Bitte einfach mal sachlich bleiben, Danke! Ich bin weder Rassist noch sonst etwas in dieser Hinsicht, muss man ja immer wieder hinzufügen, um nicht verdächtigt zu werden. Vor allem Ausländer benutzen ja auch gern mal den Nazi-Bonus oder Deutsche sind ja generell sofort Rassisten, wenn sie ihren Mund aufmachen.


Ich finde es gut, dass man hier gegen diese Kriminalität vorgeht, nur schade, dass die Polizei nicht von alleine durchgreift!

25.03.2013
21:28
Wer so dumm ist, alle anderen Drogen außer Alkohol und Nikotin zu verbieten...
von PaulPanter | #35

...fängt sich selbstverständnlich Schwarzmarkt und Umfeldkriminalität ein.
So ist halt der Gang der Dinge.

25.03.2013
21:06
Das nenne ich Realitätssinn
von chelsea | #34

„Diese Menschen mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrer Herzlichkeit und ihrer Lebensfreude sind uns willkommen, sie sind eine Bereicherung für uns alle.“ (Dr. Maria Böhmer MdB)

25.03.2013
19:40
Och die Armen ...
von feinripptraeger | #33

da sollte man ein paar Streetworker hinschicken und die Sache ausdiskutieren!
Wenn man nur genug Verständnis zeigt, dann sehen die Leute ihre Fehler ein und suchen sich eine ehrliche Arbeit. Ironie aus

Sozialbetrug, Drogenhandel, Zuhälterei...
Ich hab das Gefühl, dass sich fast die ganze Welt über uns kaputt lacht!

25.03.2013
19:39
Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von res.severa.verum.gaudium | #32

Gerade die Helenstraße und deren Umfeld ist nicht mehr zu retten. Zu lange hat man nicht darauf geachtet, wen es dort so hinzieht und welche Aktivitäten dort stattfinden.
Da hilft es auch nichts, wenn man mit viel Geld ein schönes Krupp- und Univiertel baut und dann glaubt alles herum würde jetzt auch fancy schmancy. Diese Naivität ist wirklich erschreckend aber auch logisch, denn so sind schließlich die Probleme erst entstanden.

Gesellschaftspolitisches laissez faire ist doch schließlich en vogue und so ganz und gar im europäischen Sinne. Fragen sie ihre Landesregierung. Na ja, die paar rechtschaffenen Bürger dort können sich mit dem Gedanken trösten, dass ihr Stadtteil nicht der einzige ist, der durch falsch verstandene Toleranz herruntergewirtschaftet wurde.

1 Antwort
Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von littlemoondog | #32-1

Legalisierung-ist das wort der Zukunft!

25.03.2013
19:03
Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von Realis63 | #31

Sind eigentlich Anwohner immer nur gelähmt , eingeschüchtert oder sonst wie unfähig ?

Irgendwie versteh ich´s manchmal nicht. Ich bin mir sicher das vor meiner Haustür kein Dealer ein "gesundes" Dasein fristen könnte.
Da muss mann eben auch mal "konkret" :) werden.

1 Antwort
Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von Twity | #31-1

grins**
schon klar,ich würde mich da auch gerade machen..aber was ist mit alleinerziehende Mütter,Rentner oder körperlich schwächere?!

25.03.2013
18:53
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #30

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1 Antwort
Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von littlemoondog | #30-1

die drogendealer habe ein Chance verdient-ein zweite und ritte sogar bis sie sozialisiert sind-kann zwar ein weile dauern doch dann...

25.03.2013
18:39
Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von a_ha | #29

Man kann alles Geld nur einmal ausgeben.
Offensichtlich ist für Polizei keines da.

25.03.2013
18:34
Der Essener Norden
von Kommma | #28

ist doch eh fest in der Hand von ..........
Da hat doch die "Staatsmacht" längst aufgegeben !

25.03.2013
18:27
Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von Faehrtensucher | #27

Wir haben hier in NRW ein ganz besonderes Problem, denn wir können die Problematik der Dealerei, der Wohnungseinbrüche, der Kleinkriminalität, der großen Kriminalität, der Hehlerei, der illegalen Prostitution, des Menschenhandels, etc., etc., etc weder auf den Punkt bringen, noch beim Namen nennen, denn das hieße zwangsläufig sich auf besondere Ethnien zu fokussieren, und das wäre wieder, gerade nach dem Gusto der Rot-Grünen Regierung extrem populistisch, wenn nicht sogar populistisch.
Und solange dieses nicht passiert, und dann entsprechend gehandelt wird, wird sich auch nichts ändern. Somit verhindert gerade die Politik tatkräftig, hier wenigstens Ansatzweise Herr der Kriminalität zu werden.
Was nun die Drogen angeht, ist die Szene, vor allen der Schwarz-Afrikanischen Dealer von Oberhausen (Turbinenhalle (vor 10 Jahren)) erst nach Mülheim-HBF, und jetzt schlußendlich weiter nach Essen abgewandert. Teilweise, wie in OB auf Druck.
Fakt bleibt nun mal Fakt, trotz Zensur!
Gruß

2 Antworten
Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von Twity | #27-1

klasse geschrieben , so sieht´s nämlich aus...

Anwohner wollen Altendorf in Essen nicht den Dealern überlassen
von littlemoondog | #27-2

um die daler im blick zu habe ist nun mal eine oder zwei Treffpunkte nötig-wo soll ich denn sonst hingehen....

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