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Anwohner der gesperrten A40 zwischen Lärm und Ruhezone

13.07.2012 | 12:00 Uhr
„Die ersten Tage war es sehr, sehr laut. Zum Glück ist nachts Ruhe“, so Anwohnerin Ina Dolganowski.Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Anwohner gibt es solche und solche an der gesperrten A 40: Die einen sind ohrenbetäubendem Krach ausgesetzt, andere genießen die ungewohnte Stille. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bislang nicht erfüllt. Aber anfangs sei es schlimm gewesen, erzählt Roswitha Willenbacher die im vierten Stock an der Hohenburgstraße wohnt.

Ganz nah dran an der A 40 wohnen oder arbeiten sie alle. Doch während die einen ohrenbetäubendem Lärm ausgesetzt sind, erleben andere in diesen Tagen ungewohnte Ruhe, denn die Blechlawine, die sich sonst täglich an ihren Fenstern vorbei schiebt, nimmt nun einen anderen Weg .

Johannes Sprünken muss nur vor die Tür treten auf den Laubengang des Mehrfamilienhauses der Hohenburgstraße und er hat beste Sicht auf die Großbaustelle. Wirklich schlimm sei es nur die ersten Tage gewesen, als sich gleich sechs Bagger auf einmal in den Beton der Stadtwaldbrücke meißelten, erzählt der 70-Jährige. Laut sei es gewesen und staubig. „Wir hatten noch Glück, dass der Wind richtig stand, aber die Häuser auf der anderen Seite, die haben wir gar nicht mehr gesehen“, berichtet der Anwohner. Erst als sie auf der Baustelle den Staub mit Wasser ablöschten, sei es erträglich gewesen.

Die Brücke liegt inzwischen in Trümmern, die Lärmschutzwand, die den Mietern im Erdgeschoss sonst etwas Ruhe gönnt, ist verschwunden. Dennoch: „Die Belästigung hält sich in Grenzen. Wir hatten mit viel mehr Lärm gerechnet“, sagt Johannes Sprünken, der Verständnis zeigt für die Bauarbeiten: „Wir sind auch Autofahrer.“

Mehr Ruhe gewünscht

Ganz so entspannt sehen das nicht alle im Haus. Roswitha Willenbacher wohnt im vierten Stock. Die Aussicht kann sich sehen lassen, dafür ist es hörbar lauter. „Anfangs war es schlimm “, erzählt die 65-Jährige und meint das Rauschen der Autoverkehrs, der in den 30 Jahren, in denen sie an der A 40 wohnt, immer mehr zunahm. „Aber man gewöhnt sich ja an alles“, sagt Roswitha Willenbacher, die dennoch froh ist, dass sie nun umzieht, jetzt, wo sie die Trasse vor der Tür aufreißen. „Wir ziehen nur ein Haus weiter, gleich um die Ecke. Aber da ist es schon viel ruhiger.“

A40 Sperrung - fast staufrei

Ruhe wünscht sich auch Pamela-Alice Kettner. Ein halbes Jahr hat die 27-Jährige im des SKF verbracht. Nun freut sie sich auf eine eigene Wohnung, ganz in der Nähe an der Helbingstraße. Auch wenn es dort in den nächsten drei Monate heiße: „Putzen, putzen, putzen.“ Die letzten Tage seien schon extrem gewesen, erzählt Pamela-Alice Kettner. Vor allem als der Baulärm anfangs auch nachts kein Ende nahm. „An Schlaf war da nicht zu denken.“

Eben deshalb habe Straßen NRW darauf verzichtet, die Ausnahmegenehmigung auch in den folgenden Nächten auszuschöpfen, betont Sprecher Bernd Löchter. „Obwohl wir es gedurft hätten.“ Rund um die Uhr will der Landesbetrieb nur wieder baggern lassen, wenn der Zeitplan keine andere Wahl lässt. Sonst werden die Arbeiten um 22 Uhr eingestellt und nicht vor 6 Uhr wieder aufgenommen.

Lärmschutzwand sorgt für Stille

Auch dann könnte Ralf Mertens weiter bei offenem Fenster schlafen. Der 46-Jährige ist an der Von-der-Tann-Straße zu Hause, direkt an der Lärmschutzwand, hinter der ungewohnte Stille herrscht. „Ruhe?“, fragt Ralf Mertens und schmunzelt. „Hier wohnen fünf Kinder!“ Aber im Ernst: Tage wie diese gibt es selten an der A 40 in Huttrop.

Erst einige huntert Meter entfernt, wird der Verkehr am Steeler Wasserturm vorbei auf die Gegenfahrbahn der A40 gelenkt. So kann Dieter Endemann nebenan bei offener Tür die Sonne hinein lassen in die „Werkstatt Solidarität“ des Vereins für Jugendhilfe. Endemann ist Sozialarbeiter, wohnt in Mülheim, und hat sich gefragt, wie er wohl zur Arbeit kommt, wenn die A 40 erst gesperrt ist . Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bislang nicht erfüllt. Abwarten, was noch kommt. Am 1. Oktober ist die Autobahn wieder frei. Dann ist es vorbei, mit Lärm oder Ruhe je nach dem wo man wohnt oder arbeitet ganz nahe an der A40.

Die A40-Sperrung in Essen 2012

 

Marcus Schymiczek

Kommentare
15.07.2012
13:36
jimpsi | #1
von dummmberger | #2

Dann lachen Sie sich mal kaputt.

Vielleicht über Ihren eigenen bescheuerten Kommentar.

Zum einen "beschwert" sich keiner, die Anwohner wurden...
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2 Antworten
war dein Name nicht Programm?
von Hansilein | #2-1

doch ja, man kanns lesen.
Wen 30 Jahre lang nächtliche LKWs nicht stören, der soll sich nicht künstlich über Bagger aufregen.

Wie kann man so blöd sein und an die B1 ziehen? Solche Trottel haben kein Beschwerderecht, weil man sie schlicht nicht ernst nehmen kann.

Anwohner der gesperrten A40 zwischen Lärm und Ruhezone
von dummmberger | #2-2

Sie kennen schon den Unterschied zwischen Verkehrslärm und Baulärm?

Wahrscheinlic nicht, denn wer nicht einmal einen Zeitungsartikel lesen und verstehen kann und Menschen, die er nicht einmal kennt, als "Trottel" bezeichnet, wird vermutlich auch nicht das Geräusch eines Abrissbaggers von dem eines LKW unterscheiden können.

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2012-07-13 12:00
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