Das aktuelle Wetter Essen 5°C
Essen

Ansturm auf Selbsthilfegruppen "Depression"

23.10.2008 | 19:11 Uhr
Funktionen

Betroffene stoßen immer noch auf viele Vorurteile. Weg bis zur Diagnose ist lang. Austausch hilft

Explodiert sei die Nachfrage hinsichtlich der Selbsthilfegruppen zum Thema Depression, sagt Gabriele Becker von der Selbsthilfe-Beratungsstelle Wiese e.V. Über 300 Menschen hätten sich 2007 gemeldet. "Depressionen ist das Thema, das auch 2008 am meisten gefragt ist." Zum Vergleich: "Als ich vor 16 Jahren bei der Selbsthilfe begann, hatten wir keinen Interessenten."

Der Leidensweg von Menschen mit Depressionen ist lang. "Wenn ich ehrlich bin, leide ich seit meiner Kindheit an Depressionen. Aber ich wollte das nicht wahr haben, das passte nicht in mein Weltbild", sagt Margarethe (56). 2003 jedoch ließ sich nach Todesfällen in der Familie die Krankheit nicht mehr verdrängen. Sie ist Mitglied der Selbsthilfegruppe im Krupp-Krankenhaus. Mit zehn weiteren Mitgliedern diverser Gruppen plant sie den Auftritt der Selbsthilfe bei "Depression" auf der Messe "Mode-Heim-Handwerk".

"Wir müssen noch mehr an die Öffentlichkeit", so Michael (56). Denn die Vorurteile seien groß. "Der braucht mal einen Tritt in den Hintern. Oder: Der sieht doch aus, als wäre er gerade drei Wochen auf Teneriffa gewesen, der muss mal an die Schüppe. Solche Sprüche habe ich oft gehört." Doch so einfach sei das nicht. Oft wochenlang verschanzen sich Erkrankte in ihrer Wohnung, wollen keinen Kontakt.

"Der Schritt in die Selbsthilfegruppe war für mich der erste Schritt aus der Wohnung, der erste Schritt zurück ins Leben", sagt Margareta (57). In der Gruppe mit maximal zehn Teilnehmern können sich Betroffene austauschen. Lang ist oft der Weg zur Diagnose. Einen Arztmarathon haben viele hinter sich. "Das Problem ist, dass viele Menschen den Unterschied zwischen Psychotherapie und Beratung, zwischen Psychologe und Psychiater gar nicht kennen. Dann kommt noch dazu, dass auf einen Therapieplatz häufig lange gewartet werden muss", so Gabriele Becker. Darum informiert die Wiese z.B. mit dem Sozialpsychiatrischen Zentrum Borbeck darüber, wer wie helfen kann bei psychischen Erkrankungen.

Kontakt: Tel: 20 76 76

Von Liliane Zuuring

Kommentare
Aus dem Ressort
Die doppelte Preiserhöhung
Verkehr
Ab dem 1. Januar zahlen Essener ÖPNV-Kunden drauf: Der VRR erhöht die Preise, und die Evag steigt in die höchste Tarifgruppe auf. Die Prognose:...
Abschied vom Bad am Südpark, einem Schwimmbad mit Seele
Bad am Südpark
Für viele Stammgäste war das Bad am Südpark ein zweites Zuhause. Hier ging es nicht nur um Schwimmen und Wassergymnastik, hier teilte man auch Freude...
OB Paß fühlt sich als klarer Punktsieger
SPD-Mitgliederentscheid
Bei der ersten Konferenz vor dem Mitgliederentscheid in der Essener SPD über die OB-Kandidatur wusste Reinhard Paß eine Mehrheit zu überzeugen.
Ruf nach Ordnung wird trotz „Pick up“-Erfolges wieder lauter
Willy-Brandt-Platz
Zwar mausert sich das „Pick up“-Projekt der Suchthilfe zu einem sozialpolitischen Überraschungserfolg. An den Auswüchsen des Trinker-Treffs kann es...
Essener Juwelier Mauer bezieht Lokal des Café Overbeck
Traditionscafé
Juwelier Andreas Mauer kauft das Haus der Familie Overbeck an der Kettwiger Straße. Das Café schließt am Jahresende, Mauer will im Herbst eröffnen.
Fotos und Videos
Das Pumpwerk in Vogelheim
Bildgalerie
WAZ öffnet Türchen
Neue Aktion "Warm durch die Nacht"
Video
Essen packt an
Essener Café Overbeck schließt
Bildgalerie
Traditionsbetrieb
Das sind Essens beste Rad-Trassen
Video
Essen auf Rädern