Anreise von RWE-Fans zum Stadion an der Hafenstraße soll verbessert werden

Das Verkehrskonzept für das RWE-Stadion in Essen ist noch aus den 50ern. Da besteht Verbesserungsbedarf.
Das Verkehrskonzept für das RWE-Stadion in Essen ist noch aus den 50ern. Da besteht Verbesserungsbedarf.
Foto: Hans Hartwig
Was wir bereits wissen
Die SPD will die Fanströme rund um das RWE-Stadion an der Hafenstraße neu sortieren, die Wohnquartiere besser schützen und den Öffentlichen Nahverkehr besser anbinden. Alles nicht so einfach. Immerhin in einem Punkt kommt es zu einer schnellen Lösung: 125 Fans können demnächst auch mit dem Rad zum Spiel kommen, weil eine ausreichend große Abstellanlage geplant ist.

Essen.. Nicht alles ist neu rund ums Stadion Essen: Die Verkehrsprobleme sind der Hafenstraße so treu geblieben wie die Fans. Höchste Zeit daran etwas zu ändern, findet die SPD-Ratsfraktion, die dazu einen Antrag im Bauausschuss einbringen will. „Eigentlich müssten wir ein komplett neues Verkehrskonzept für die Hafenstraße einfordern“, sagt SPD-Ratsherr Thomas Rotter. Aber davon habe die Fraktion angesichts des unvollendeten Stadion-Baus abgesehen und sich auf eine Reihe von Fragen beschränkt.

So will die SPD geklärt wissen, wie den Anwohnern und Besuchern der Krablerstraße, der Hafenstraße, der Vogelheimer und der Haus-Berge-Straße „in einem ausreichendem Zeitraum vor, während und nach Veranstaltungen im Stadion ermöglicht werden kann, ihre Wohnungen und Häuser zu erreichen“. Es sei schon befremdlich, findet Rotter, dass der Stadt der verkehrliche Schutz der Wohnquartiere bei Messeveranstaltungen in Rüttenscheid gelingt, nicht jedoch bei Fußballspielen in Bergeborbeck: „Da reicht es mir auch nicht, darauf zu verweisen, dass es an der Hafenstraße seit den 50er Jahren schon immer so gewesen ist. Es wird endlich Zeit, dass sich an der Situation etwas ändert.“

"Da werden sich die Autofahrer wohl gedulden müssen"

Zumal die Stadt nach dem Bau der Westtribüne und der vorgelagerten Parkplätze spätestens zur nächsten Saison mit deutlich mehr Pkw-Verkehr auf der Hafenstraße rechnen muss: „Die Verwaltung soll uns darlegen, wie bei Spielen die geordnete An- und Abfahrt erfolgen soll.“ Das dürfte in der Tat schwierig werden: Vor der Westtribüne werden 710 Parkplätze für VIP-Gäste entstehen, dazu kommen die 130 Parkplätze hinter der Haupttribüne – kein Vergleich mit der Situation zu alten Stadion-Zeiten, als es nur den alten, viel zu kleinen Park-Käfig an der Hafenstraße gab. Wie der Pkw-Verkehr in den Fanströmen abfließen soll, darauf gibt es zurzeit nur die lapidare Antwort: „Da werden sich die Autofahrer wohl gedulden müssen, bis die Fans abgezogen sind.“

Chronischer Stellplatz-Mangel

Andererseits hat der chronische Stellplatz-Mangel dafür gesorgt, dass die Rot-Weißen geradezu verliebt sind in ihren ÖPNV: Es gibt Anhänger, die nur mit „ihrem“ Busfahrer zum Stadion fahren, dafür auch eine Tour auslassen. „Das ist schon Kult“, heißt es bei Evag und Via, die zentral die Verkehrslenkung bei Heimspielen steuert. Über 20 Prozent der RWE-Fans nutzen im Schnitt die Sonderbusse, bei Spitzenspielen bewegt die Evag mit 23 Fahrzeugen fast 6000 Fußballanhänger, deutlich mehr beispielsweise als beim MSV. Diesen Verkehr will die SPD besser ans Stadion heranführen, wenn’s geht bis vors Haus.

Doch so gerne auch Evag und Via diesen Wunsch realisiert sehen möchten – der Teufel steckt im Detail. Vor allem der Bahnübergang an der Hafenstraße bildet ein gefährliches Nadelöhr. „Fans, Pkw und Busse zusammen – das kann nicht klappen“, sagt Gerd Stempel, Leiter der Via-Verkehrslenkung, „da ist einfach zu wenig Platz, die Unfallgefahr wäre viel zu groß“. Bei einem erwartet eher schwach besuchten Heimspiel im Mai (gegen Idar-Oberstein) habe man versuchsweise die Busse über die Krablerstraße zur Gladbecker Straße abfahren lassen, „die Wagen haben locker die doppelte Zeit bis zum Hauptbahnhof gebraucht“, sagt Stempel. „Da haben die Fans schon deutlich gemurrt. Hinterher gab’s im Internet mächtig Kritik.“ Und nichts sei schlimmer, als ein mit 150 Fans gefüllter, stehender Bus, in dem auch noch der Frust über eine womöglich schwache Heimvorstellung hochkocht. „So gerne wir die Fans bis vor Stadion bringen würden, aber die Hafenstraße ist für die Busse kaum realisierbar“, meint Via-Mann Stempel.

Ampelgesteuerte neue Wendespur

Es wird wohl weiterhin bei der Bottroper Straße bleiben. Allerdings schwebt Evag und Via hier vor, künftig nur noch mit einer Haltestelle deutlich vor der Kreuzung Hafenstraße zu arbeiten. Die Fans müssten zwar etwas weiter laufen, wären aber schon auf der richtigen (Stadion-)Straßenseite. Dafür könnte eine ampelgesteuerte neue Wendespur auf der Bottroper den Bussen die freie Abfahrt zurück zum Hauptbahnhof ermöglichen, ohne die von den Fans blockierte Kreuzung Hafenstraße passieren zu müssen. Dies werde derzeit von Stadt und Evag/Via in enger Absprache geprüft.

Immerhin, in einem Punkt kündigt sich eine schnelle Lösung an: Eine ausreichend dimensionierte Fahrradabstellanlage am Stadion, wie von der SPD-Fraktion gewünscht, gilt ohnehin als Bestandteil der GVE-Planung: 125 Fans können demnächst auch mit dem Rad zum Spiel kommen.

Zu allen anderen Fragen will sich die Stadt noch nicht äußern: Eine Arbeitsgruppe soll sich der Verkehrsprobleme rund um die Hafenstraße annehmen. Gut möglich, dass daraus am Ende ein Verkehrskonzept entsteht. Das wäre dann tatsächlich neu für die Hafenstraße.