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Anleitung zum Kreativsein

03.10.2012 | 00:08 Uhr
Anleitung zum Kreativsein
Am Dienstag, den 02.10.2012, fand Foto: Jan Dinter / WAZ FotoPoolFoto: Jan Dinter

Steele. „Ganz schön deprimierend.“ Die Texte, mit der die Autorin Lütfiye Güzel Elftklässler in der Erich-Kästner-Gesamtschule konfrontiert hat, haben zu lebhaften Diskussionen unter den Schülern geführt. Und so mancher fühlte sich motiviert, seiner eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen.

Güzel trägt Texte vor über unerfüllte Liebe, den Tod der Eltern, Selbstzweifel. „Ich kann keine Spuren hinterlassen“, liest sie, „Ich bin immer zu wenig.“ Einfache Sprache, die manchen der jungen Zuhörer aber offenbar mitten ins Herz trifft. „Das geht mir ganz schön nahe“, meint etwa eine Schülerin. Einem Mitschüler ist das alles jedoch zu negativ: „Ich glaube nicht, dass einem die depressive Schiene auf Dauer weiterbringt.“

Traurigkeit als Chance begreifen

Da widerspricht der Gast: „Wenn man eine Grenze nicht überschreitet, hilft einem das Depressivsein beim Weiterkommen“, ist die 40-Jährige überzeugt. „Wenn einem etwas traurig macht, ist das die Chance, etwas daran zu ändern – das Leben ist nicht nur Latte Macchiato.“ „Stimmt“, räumt der Schüler ein, „manchmal auch Cappuccino“.

Ein Sprachwitz, der auch der in Duisburg geborene Deutschtürkin ein Schmunzeln auf die Lippen lockt – und sie zur Frage verleitet, welche der Schüler in ihrer Freizeit selbst kreativ sind. Einer legt sogleich einen spontanen Rap hin und erntet dafür von seinen Mitschülern viel Applaus.

Auch der Schüler Enrico nutzt die Gelegenheit, um seine poetische Ader freizugeben und rezitiert selbst verfasste Verse, in denen er das Leben mit einem Schachspiel vergleicht. Auch dafür: viel Applaus von den Mitschülern. „Ich habe noch nie ein Gedicht vor anderen vorgetragen“, räumt der 16-Jährige ein. Von der positiven Reaktion im Klassenraum war er überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass andere was mit meinen Texten anfangen können.“

Auch Lütfiye Güzel ist begeistert – von der Reaktion, aber auch vom Mut der Schüler, die ihrem Vorbild folgen und ihre Werke präsentieren. „Genau das wollte ich erreichen“, sagt sie stolz. „Es ist wichtig, seine Kreativität ausleben kann.“

So, wie sie es selbst getan hat: „Meine Eltern haben mir völlig freie Hand gelassen in dem, was ich mache“, erinnert sie sich. „Ich glaube, sie wollten nur, dass ich glücklich bin.“ Und schreiben, das wollte sie schon immer: „Auch wenn dir viele sagen, es sei nicht möglich, davon zu leben, musst du dir versichern: Andere haben es doch auch geschafft, sonst gäbe es jetzt nichts mehr zu lesen!“ Um als Autor Erfolg zu haben, müsse man zu 90 Prozent arbeiten, zehn Prozent seien Glück.

Eine klassische Ausbildungsweg dagegen sei nicht so notwendig, verrät sie den staunenden Schülern: „Mein Studium habe ich abgebrochen.“ In der Schule habe sie zwar den Deutsch-Leistungskurs belegt, aber: „Den habe ich so oft wie möglich boykottiert – Goethe ist nicht so mein Ding.“

Gordon K. Strahl

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2012-10-03 00:08
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