Anlaufstelle für junge Leute seit mehr 40 Jahren

Borbeck..  Er ist eine feste Größe in Borbeck und seit über 40 Jahren Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche: Der Don Bosco Jugendclub zählt zu den größten offenen Treffs in der gesamten Stadt. „Täglich kommen 100 bis 120 Kinder und Jugendliche zu uns“, sagt Tom Jekel, einer von zwei hauptberuflichen Mitarbeitern. Der Boxtrainer, Pädagoge und Vize-Leiter des Jugendclubs, den die Salesianer gegründet haben, ist stolz auf den guten Ruf des Hauses.

Jekel und seine Mitstreiter, das sind immerhin 20 ehrenamtliche Kräfte, haben auch allen Grund dazu: So hat sich der Club mit seinem sozialen Boxprojekt, das als Gewaltprävention angeboten wird, einen guten Ruf erkämpft. Das führte dazu, dass Stiftungen wie die von Freddy Fischer und Ex-Fußballprofi Christoph Metzelder, dessen Familie in Borbeck lebt, auf den Don Bosco Club aufmerksam wurden und ihn seitdem finanziell unterstützen.

So hat die Freddy-Fischer-Stiftung einen kompletten Boxring und das nötige Zubehör bezahlt. Dort trainieren mit großer Begeisterung Jungen und auch immer häufiger Mädchen. Sie lernen elementare Verhaltensweisen, die auch fürs tägliche Miteinander wichtig sind: Regeln einzuhalten und fair miteinander umzugehen. „Genau das macht das Box-Projekt so attraktiv“, sagt Jekel.

Auf der Straße nicht unter Kontrolle

Er war selbst mal Bundesliga-Boxer und hat das Projekt vor mehr als zwei Jahren mit angestoßen. Damals, so erzählt er, hatten sich viele Jugendliche auf den Straßen nicht unter Kontrolle. „Wir haben sie in den Ring geholt, wo sie ihre Wut gezielt herauslassen können.“

Doch nicht nur Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen lernen den Faustkampf. Inzwischen kommen auch viele Gymnasiasten aus den benachbarten Schulen, haben sich unter die Gruppen gemischt. Beim Boxen wird kein Unterschied gemacht, denn im Ring sind alle gleich, lautet die Devise. Und die Regeln, die sie lernen, werden von Respekt, Disziplin und Fairness bestimmt. Täglich gibt es Trainingseinheiten, „unsere Gruppen sind pickepacke voll“. 120 Jungen und Mädchen nehmen derzeit teil, mehr ist nicht möglich. Es gibt sogar schon Wartelisten.

Im großen Saal wird getanzt

Bei dem Erfolg wundert es nicht, dass der Don Bosco Jugendclub ein weiteres sportliches Projekt in Angriff genommen hat: Seit knapp einem Jahr wird in dem großen Saal getanzt. Waren es anfänglich eher Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren, haben mittlerweile auch die älteren Teenager und immer häufiger auch Jungen den Rhythmus entdeckt. „Das Tanzen entwickelt sich langsam genauso erfolgreich wie das Boxprojekt“, sagt Jekel.

Um wie für den Faustkampf Sponsoren zu gewinnen, wurden die Tänzer und Tänzerinnen in die Abteilung Boxen mit aufgenommen. Denn inzwischen ist das Box-Team-Essen ein eingetragener Verein, der sich der DJK Eintracht Borbeck angeschlossen hat. Was den Vorteil – zumindest für die Boxer – hat, dass das Team an offiziellen Kämpfen teilnehmen kann.

Getanzt wird eigentlich jeden Tag, das offizielle Training findet immer montags und mittwochs statt. Unterteilt in Altersgruppen, werden die Kinder und Jugendlichen von ehrenamtlichen Mitarbeitern trainiert. 20 bis 25 Tänzer sind in einer Trainingsgruppe. „Den Kindern macht es einfach unglaublich viel Spaß, sich zur Musik zu bewegen, das hat auch was Befreiendes, Leichtes“, sagt Jekel. Schon beim Zuschauen sieht man die große Ernsthaftigkeit und den Eifer, mit dem die jungen Tänzerinnen und Tänzer die Schritte einstudieren. Inzwischen tanzt auch die Tanz AG des Don Bosco Gymnasiums im Jugendclub.

Doch sollte der Jugendclub nicht nur auf die beiden sportlichen Sozialprojekte reduziert werden. Denn es gibt hier noch viel mehr: So kommen täglich Kinder zum Mittag- und Abendessen. „45 bis 50 sind es jeden Mittag, darunter allerdings auch viele Gymnasiasten.“ Für die ist das Essen kostenpflichtig, alle anderen bekommen es kostenlos. 20 bis 25 Kinder sind es am Abend, „sie müssen sich nur in eine Liste eintragen, damit wir kalkulieren können“. Die meisten, so Jekel, würden sonst mit leerem Magen ins Bett gehen.

Aber es wird auch gespielt, es gibt Hilfe bei Hausaufgaben, man trifft sich zum Tischtennis oder am Kicker. „Ich verbringe eigentlich jeden Tag hier, bis der Club schließt“, sagt Samuel. Der Hauptschüler gehört zu den jungen Boxtalenten, die gefördert werden. Er hat sich nicht nur sportlich weiterentwickelt, auch in der Schule haben sich seine Leistungen verbessert. „Gute Noten sind bei uns die Voraussetzung fürs Training“, sagt Jekel, „das ist der beste Ansporn für unsere Jugendlichen“.