Angeklagter: Frau habe ihm 50 Pferde und Porsche gestohlen

Ein 65 Jahre alter Mann steht in Essen vor Gericht: Er soll eine Frau mit einem Teleskopschlagstock bedroht haben.
Ein 65 Jahre alter Mann steht in Essen vor Gericht: Er soll eine Frau mit einem Teleskopschlagstock bedroht haben.
Foto: Kerstin Kokoska/ Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
  • Psychisch kranker Mann angeklagt, weil er Frau in der Straßenbahn bedrohte und ihre Handtasche entriss
  • 65-Jähriger beschuldigte Frau, sie habe ihm 50 Pferde und einen neuen Porsche gestohlen
  • Gericht wird prüfen müssen, ob er so gefährlich ist, dass er in geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss

Essen.. Angst und Schrecken verbreitete er, bedrohte eine Frau in der Straßenbahn in Essen-Frohnhausen mit einem Teleskopschlagstock. Jetzt sitzt der 65-Jährige vor der XXIV. Strafkammer, ruhig, zurückhaltend. Psychisch krank ist er seit vielen Jahren und soll nun in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden.

Wenn er seine Medikamente nimmt, kann er sich meistens kontrollieren. Seit 1992 steht er unter Betreuung, wurde auch oft in der Psychiatrie stationär behandelt, weil er an einer paranoiden Schizophrenie leidet. Ohne Medikamente entwickelt er schnell Wahnvorstellungen, wird aggressiv.

Frau hatte ein mulmiges Gefühl

Davon wusste die junge Frau nichts, die am 9. März mit ihrem vierjährigen Sohn in der Straßenbahn ihm gegenüber saß. Aber ein mulmiges Gefühl hatte sie. An der Haltestelle Onckenstraße stieg sie aus, er hinterher. Laut Antragsschrift schlug er mit dem Schlagstock nach ihr. Sie sei aber ausgewichen, gestolpert und hingefallen.

Da habe er ihr die Handtasche entrissen und sei weg gelaufen. Passanten, die auf ihre Hilferufe reagierten, stoppten den Mann schließlich. „Er sagte, es sei seine Tasche“, erinnert sich ein 52 Jahre alter Busfahrer, der sich dem Mann in den Weg stellte und nach der Tasche fragte. „Das ist meine“, soll der 65-Jährige geantwortet haben.

Aus dem Emsland stammt der Beschuldigte. Dort fiel er der Polizei oft auf, allerdings ist sein Vorstrafenregister fast sauber. Erst seit Herbst 2015 lebt er in Essen.

Er sei ein internationaler Gendarm

Nach seiner Festnahme versuchte er schnell, seine Freiheit zurück zu erlangen. Er sei ein internationaler Gendarm, sagte er den Umstehenden, und dürfe deshalb nicht mitgenommen werden. Er habe der Frau die Tasche auch nur deshalb weg genommen, um an ihre Personalien zu kommen. Denn tatsächlich sei sie eine Diebin. Sie habe ihm 50 Pferde und einen neuen Porsche gestohlen, der immerhin 100.000 Euro gekostet habe. Aber das glaubte ihm dann auch niemand mehr.

Vor Gericht bestreitet er die Vorwürfe nicht, räumt sie freimütig ein. Aber zum Schluss erklärt er, dass er eigentlich keine Erinnerung mehr an die Tat habe. Das Gericht wird prüfen müssen, ob der 65-Jährige so gefährlich ist, dass er in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss. Oder ob diese einschneidende Maßnahme angesichts der Tat unverhältnismäßig ist.