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Erzieher-Beruf

Angehende Erzieherin findet keine Stelle für ihr Anerkennungsjahr

03.06.2012 | 10:00 Uhr
Angehende Erzieherin findet keine Stelle für ihr Anerkennungsjahr
Laura Rothenbusch und Ines Kohl finden keinen Stelle fürs Anerkennungsjahr zur Erzieherin. Foto: Uwe Möller

Essen.   Laura Rothenbusch will Erzieherin werden. Nur abschließen kann sie ihre Ausbildung nicht, weil sie keine Stelle für ihr Anerkennungsjahr bekommt. In einer privaten Kita war sie ihr schon sicher: „Doch dann fehlten der Kita die Zuschüsse.“ Die 23-Jährige fühlt sich veräppelt.

Sie hat Fachabi gemacht, ein Jahrespraktikum beim Kinderarzt absolviert, eines bei einer Ergotherapeutin, arbeitete ehrenamtlich in Jugendhäusern und betreute nebenbei eine Kindergruppe. Laura Rothenbusch hat gelernt, sich qualifiziert und schließlich die Ausbildung zu ihrem Traumberuf begonnen: Erzieherin will sie werden. Nur abschließen kann sie die Ausbildung nicht, weil sie keine Stelle für ihr Anerkennungsjahr bekommt. In einer privaten Kita war sie ihr schon sicher: „Doch dann fehlten der Kita die Zuschüsse, um meine Stelle zu bezahlen“.

Die 23-Jährige fühlt sich veräppelt: „Es heißt doch überall, dass Erzieher so dringend gebraucht werden. Woher sollen die Erzieher kommen, wenn keiner sie ausbilden will?“ Ines Kohl (21), die mit ihr gerade die Abschlussklausuren an der Johannes-Kessels-Akademie, dem katholischen Berufskolleg in Werden, geschrieben hat, geht es genauso. Früh hat sie in Kindergärten geholfen, hat auf der Hauptschule ihren Realschulabschluss mit Qualifikation gemacht. Die 21-Jährige hat ihre Ausbildung zur Sozialhelferin abgeschlossen. Es lief. „Und jetzt weiß ich nicht mehr, wie es weitergeht“, sagt Ines Kohl, die bei den Eltern wohnt und Bafög bekommt, das nicht weitergezahlt werde, wenn sie Pause machen muss, sagt sie.

Das Problem der angehenden Erzieherinnen ist bei Carsten Ossig, dem stellvertretenden Geschäftsführer des Kita-Zweckverbandes, nicht angekommen. 23 Praktikanten im Anerkennungsjahr hat er angestellt. „Wir haben keinen signifikanten Bewerberüberhang.“ Der Zweckverband achte bei der Zahl der Einstellungen darauf, dass man den Erzieherinnen später auch eine Perspektive bieten könne. Und: Unsere Mitarbeiter müssen Zeit für die Ausbildung haben. Er fordert die beiden auf: „Noch mal bewerben.“

Es bleibt oftmals nichts für Praktikanten übrig

Das bietet auch der Geschäftsführer des Vereins für Kinder- und Jugendarbeit, Oliver Kern an. Er beschäftigt 15 Jahrespraktikanten. Möglichst einen pro Kita. Nur reiche das Budget, das die Stadt aus Landesmitteln verteile, dafür nicht immer. Jährlich ringen die Träger mit der Jugendhilfeplanung, wenn sie den Bedarf der Eltern angeben. Das Ergebnis „hat mit bedarfsgerechter Planung nichts zu tun“, sagt Kern. Bereits im städtischen Etat werde zu wenig für Kitas veranschlagt. Und wenn die festen Kita-Mitarbeiter vom bewilligten Budget bezahlt seien, bleibe bei manchem Träger nichts für Praktikanten übrig. Sie ohne Entgelt anzustellen (was möglich wäre), ist für Kern ein Unding. Mathias Bänfer, der als Abteilungsleiter im Jugendamt für 44 städtische Kitas zuständig ist, weist die Vorwürfe zurück: „Wir geben den Bedarf nur ans Land weiter, das uns die Mittel zuteilt.“

Solche Schuldzuweisungen helfen Ines Kohl wenig: Sie hofft jetzt auf einen Probetag in Bergisch Gladbach. Bekommt sie die Stelle dort, muss sie täglich fast 200 km fahren. Bei Laura Rothenbusch rief nach einem Leserbrief in der WAZ das Jugendamt Essen an: Man habe ihre Bewerbung an zwei Kitas weitergeleitet. In zwei Wochen hat sie ein Bewerbungsgespräch. Und am 12. Juni erfahren beide ihre Ergebnisse der Theorieprüfung. Fällt ein Mitschüler durch, würde dessen Stelle frei. Doch auf das Scheitern Anderer mag Laura Rothebusch gar nicht hoffen. Darum hat sie Angst vor dem nächsten Jahr, überlegt, was sie sonst tun könnte: Praktika hat sie schon so viele gemacht, dass ihre Bewerbung um zwölf Seiten angewachsen ist.

Dominika Sagan


Kommentare
08.02.2013
15:12
Angehende Erzieherin findet keine Stelle für ihr Anerkennungsjahr
von SN1907 | #7

Und auch dieses Jahr stehen wir vor dem gleichen Problem...es ist fast unmöglich eine Stelle zu finden, dabei schreien sie doch das es einen Fachkräftmangel gibt. Stattdessen werden die Gelder für Praktikantinnen ab Oktober gestrichen!
Was läuft da nur schief??
Traurig nur, dass es nur Absagen hagelt und man bald nicht mehr weiß wo man sich bewerben soll!

04.06.2012
10:26
Das ist wie in der DDR
von meigustu | #6

gutes Geld bzw. Vergünstigungen gibt es nur in der Exportbranche wo Devisen beschafft werden und die Manager - früher Funktionäre - satt verdienen können.

03.06.2012
18:37
Ausgerechnet soziale Berufe....
von SoerenHL | #5

.... sind oft von besonders unsozialen Arbeitsbedingungen und schlechten Gehältern geprägt. Also selbst wenn die Damen ihr Anerkennungsjahr absolviert haben, ist dann nur die Zeit für den nächsten Artikel gekommen: "Kein existenzsicherndes Einkommen trotz Vollzeit-Job!", "Frauen verdienen weniger als Männer" usw. usf... Einerseits ist das traurig und krank. Andererseits weiss man das seit vielen Jahren, also auch worauf man sich da einlässt.

1 Antwort
Angehende Erzieherin findet keine Stelle für ihr Anerkennungsjahr
von Save_our_Souls | #5-1

Vor über 30 Jahren hat man uns in der Ausbildung zur Erzieherin schon den weisen Rat gegeben, lieber einen reichen Mann zu heiraten...

03.06.2012
17:53
Angehende Erzieherin findet keine Stelle für ihr Anerkennungsjahr
von Ex-Ruhrgebietler | #4

"Früh hat sie in Kindergärten geholfen, hat auf der Hauptschule ihren Realschulabschluss mit Qualifikation gemacht."

Liebe WAZ, selbst der tüchtigste Schüler kann auf der Hauptschule keinen Realschulabschluß erwerben. Er kann höchstens den Hauptschulabschuß 10B erwerben, der zum Besuch einer Fachoberschule (Höhere Handelsschule o.ä.) berechtigt. Dieser Abschluß ist auf dem Papier gleichwertig mit dem Realschulabschluß nach Klasse 10 (im Volksmund "mittlere Reife) sowie dem Besuch des Gymnasiums bis Klasse 10.

Kann ja sein das das für Euch Kleinigkeiten sind, aber für mich ist das der Unterschied zwischen sorgfältigem Journalismus und den Meldungen die man auf GMX.de hingerotzt bekommt...

03.06.2012
12:58
Angehende Erzieherin findet keine Stelle für ihr Anerkennungsjahr
von foxtrott | #3

Nicht zu fassen, und das im Jahre 2012...
Sarrazin und Konsorten jammern über das aussterbende deutsche Volk, und niemand tut etwas dafür, dass zumindest ein Anreiz geschaffen wird, wieder Familien zu gründen. Von der idiotischen Diskriminierung Nicht-der-Norm-Entsprechender ganz zu schweigen...

03.06.2012
12:58
Angehende Erzieherin findet keine Stelle für ihr Anerkennungsjahr
von Essen-Krayer1 | #2

Sowas nennt man dann eine klassische "Volksvear...e".
Die Politik in diesem Land gehört von Grund auf neu saniert!

03.06.2012
11:53
Erzieherin -  Traumberuf mit Nadelöhr
von moses65 | #1

Unglaublich! Ich bin 27 Jahre im Beruf des Erziehers und ich empfehle es niemandem mehr diesen Beruf zu erlernen!!! Man ist abhängig von den Buchungszahlen (25/35/45 Std.) der Eltern und danach berechnen sich die Fachkraftstunden der Erzieher/innen. Das tolle Gesetz dazu klingt wie ein Vogelname: KIBIZ. Aber seit letztem Jahr ist ja alles besser. Da wurde versprochen: 1000 Berufspraktikantenstellen zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Nach dem Berufspraktikum gibt es zwar freie Stellen, aber die sind zeitlich befristet, zumeist nicht ganztags und dann auch noch schlecht bezahlt.
Nicht nur deshalb lässt sich feststellen: Kibiz ist Mumpitz!!!

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