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Andreas Meyer forscht und lehrt als Musikethnologe

19.10.2012 | 19:08 Uhr
Andreas Meyer forscht und lehrt als Musikethnologe
Die Beatles in der Grugahalle am 25. Juni 1966.

Warum Musik die Menschen verändert – Andreas Meyer forscht und lehrt als Musikethnologe. Ihm geht es nicht nur um die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Musik als Werk oder als klangliche Einheit.

Prof. Dr. Andreas Meyer hat in dieser Woche an der Folkwang Universität der Künste seine Antrittsvorlesung gehalten. Meyer ist seit dem Sommersemester Professor für Musikwissenschaft. Er hat seine Promotion über frühe Formen des Calypso auf Trinidad geschrieben und war zuletzt als Musikethnologe in Frankfurt tätig. Ein Gespräch.

Prof. Meyer, sind Sie jetzt Musikwissenschaftler oder Ethnologe?

Andreas Meyer: Ich bin Musikethnologe. Es geht nicht nur um die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Musik als Werk oder als klangliche Einheit. Es geht auch um die Beschreibung von Musik, die aus ihrem Umfeld heraus entsteht.

Geht es immer um exotische Musik?

Man denkt zunächst immer an Musik außerhalb von Amerika oder Europa. Aber man kann musikethnologische Methoden auch auf unsere Musik anwenden. Außerdem finden transkulturelle Prozesse überall statt.

Was heißt das?

Ein Beispiel: Die Übernahme der Herrschaft durch die Kolonialländer in Afrika oder Asien hat nicht nur die kulturellen Ausdrucksformen der afrikanischen und asiatischen Bevölkerung verändert, sondern auch die der Kolonialisten.

Und heute?

Man beklagt ja viel eine Amerikanisierung der Kultur. Dabei kann man aufzeigen, dass keine Einheitskultur entstanden ist, sondern das lokale Moment stets eine große Rolle gespielt hat und noch immer spielt. Beim Hip-Hop ist das zum Beispiel ganz offensichtlich, wenn Herkunft und soziales Milieu thematisiert werden, nicht nur in den Texten, sondern auch durch die Einbindung lokaler Musikstile.

Aber Hip-Hop ist doch von den USA nach Deutschland gewandert.

Ja, aber eigentlich ist er nach dem Vorbild einer Straßenkultur in Jamaika entstanden, wo DJs öffentlich Platten aufgelegt haben. Das ist dann in Amerika übernommen worden und hat schließlich bis heute den Pop maßgeblich beeinflusst. Man sieht es an den vielen aktuellen Veröffentlichungen.

Und warum haben wir nun dann doch keine US-Einheitskultur?

Nehmen Sie die Beatles. Die haben versucht, den amerikanischen Rock’n’Roll nachzuspielen. Das klang in den Ohren der Amerikaner aber so exotisch, dass Jugendliche in den USA die Musik als völlig neu und attraktiv empfunden haben. In Amerika sprach man in den Sechziger Jahren von der „British Invasion“.

Haben Sie persönlich eigentlich eine Lieblingsmusik?

Nein. Dafür gibt es zu viele verschiedene.

Und die letzte CD, die Sie sich gekauft haben?

Die ist von Leslie Feist, einer kanadischen Pop-Jazz-Sängerin.

Martin Spletter

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